Memories {Stucky}

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Es ist ein paar Wochen her seit ich erwacht bin. Man kümmerte sich gut um mich in Wakanda, jedoch sollte nicht die große Masse von meinem Aufenthalt hier erfahren.

Dennoch gefiel es hier mir. Seit 1943 konnte ich endlich wieder für mich selbst denken und war keine willenlose Maschine. Was ich vermutlich immer noch wäre, wenn Steve mich nicht gerettet hätte. Manchmal spielte sich immer noch die Szene von unserem Treffen ab. Ich hatte gerade das Attentat auf Nick Fury verübt und Steve war mir gefolgt. Als wir uns dann auf diesem Hausdach begegneten erkannte ich ihn nicht. Und ich frage mich immer noch: wieso? Wie zum Teufel konnte ich meinen besten Freund vergessen? Doch Steve hatte mich nicht aufgegeben, obwohl ich selbst das schon vor sehr langer Zeit getan habe. Er hat mich von diesen eisernen Ketten befreit, die mir Hydra aufgezwungen hatte. Aber manchmal kam es mir vor, dass ich sie immer noch nicht los bin. Was ich vermutlich auch nie sein werde.

Nachts suchten Albträume heim von der Folter, meinen Missionen oder auch wie ich mich selbst sah, meine Kontrolle verlor und Steve tötete. Dann wünschte ich mir nichts mehr als Steve an meiner Seite zu haben.

~°~°~

Ich nahm eines der leeren Bücher aus dem Regal in meiner Hütte und schlug es auf der ersten unbeschriebenen Seite auf. Es half, die Erinnerungen niederzuschreiben, die wie ein Schwarm Vögel auseinandergestobener waren. Ich musste sie wieder wie ein Puzzle zusammensetzten. Was manchmal gar nicht so leicht war. Nur Bruchstücke, manchmal ganze Szenen tauchten wieder auf, während mir aber andererseits auch bereits vertraute wieder entglitten. Ich setzte mit meinem Stift an, um mit dem Schreiben zu beginnen, doch ich war unentschlossen, welche Erinnerung ich niederschreiben sollte. Ein Lächeln umspielte meine Lippen, als ich mich für meine Lieblingserinnerung entschied. Häufig verfasste ich manche Erinnerungen mehrmals, um sie mir besser merken zu können. Aber diese hatte ich mit Abstand am häufigsten abgefasst. Es war die Erinnerung, in der Steve und ich unseren ersten Kuss hatten. Ein letztes Lächeln, dann fing ich an zu schreiben.


Es war ein kalter November im Jahr 1938. Draußen wehte ein kalter Wind, doch die Stimmung im Club war ausgelassen. Es spielte Musik, herzhaftes Lachen war zu hören und Alkoholgeruch lag in der Luft. Steve saß neben mir auf einem Barhocker, während ich -stockbetrunken- einer hübschen Brünette anregende Dinge ins Ohr flüsterte, woraufhin sie kokett kicherte. Ich hörte, wie Steve sich daraufhin aufsetzte und sich versteifte. Ich wandte mich ihm zu. "Was is'n los?", wollte ich mit stark lallender Stimme wissen. "Es ist nur-", setzte er an, "ach egal..." Mein Blick fiel auf sein Glas. Es war nicht einmal bis zur Hälfte ausgetrunken. "Du solltest wass trinken. Wir wollen ja schließlisch feiern!", sagte ich. "Mir ist nicht danach...", seufzte er. Mein Verstand war wie vernebelt, weshalb ich die Situation nicht registrierte. Ich wandte mich wieder der Braunhaarigen zu. Als ich mich das nächste Mal Steve zuwenden wollte, war er nicht mehr da. Der einzige Gedanken, den ich fassen konnte war: Wo ist Steve? Er würde bestimmt wieder in irgendein Schlamassel geraten und ich müsste ihn wieder retten. Ich ließ die Brünette einfach stehen und lief leicht torkelnd zur Tür, welche ich aufriss. Ein eisiger Windstoß wehte in die Bar und augenblicklich wurde ich angeschnauzt, ich solle die Tür gefälligst schließen.

Danach ist eine Gedächtnislücke, von der ich nicht weiß mit welchen Bildern ich sie füllen muss. Ich kann mich nur an eisige Kälte, schweren, dicken Schneeflocken und meinen Rufen nach Steve erinnern.

Ich hörte ein Wimmern, dass so unscheinbar und leise war, dass man es eigentlich kaum hätte hören können. Doch für mich war es so klar zu erkennen wie ein Tropfen Blut in einem klaren Glas Wasser. Ich bog in die nächste Seitengasse und ich erkannte eine halb zugeschneite Gestalt am Boden. Roter Schnee war um die Höhe des Kopfes verteilt. "Steve!" Es war nur ein Wort, das ich herausbrachte. Mein Verstand wurde durch die Kälte etwas klarer doch nach dem Entdecken von Steve, war die Trunkenheit vollkommen verschwunden. Danach strich ich ihm den Schnee behelfsmäßig von der beigen Jacke und den Haaren und drehte ihn so, dass ich seine Stirn sehen konnte. Eine Platzwunde prangte mitten auf seiner Stirn und ein Auge war angeschwollen.

Nur die schwachen Wolken, die sich vor seinem Mund bildeten zeigten, dass er noch atmete. Sein Körper war eiskalt und schwer unterkühlt. Den einen Arm schob ich unter seine Kniekehlen, den anderen unter seine Schultern, sodass ich ihn hochnehmen konnte. Er zitterte am ganzen Körper, weshalb ich ihn an mich drückte, um ihn zumindest etwas Wärme und Schutz vor dem Wind zu geben. Der Marsch durch die verlassenen Straßen zog sich endlos in die Länge, da ich fast bis zum Knie im Schnee versank. Es wäre unmöglich Steve bei diesem Wetter ins Hospital zu bringen. Sein Haus lag viel näher.

Ich stapfte weiter durch den Schnee, kam an Steves Haus an und sperrte die Tür mit dem Schlüssel aus Steves Jackentasche auf und trat ein. Dort legte ich ihn sanft auf sein Sofa. Noch immer zitterte er und ich zog ihm die tropfnasse Jacke aus, bettete seinen Kopf auf einem Kissen und deckte ich ihn mit einer dicken Wolldecke zu. Danach versorgte ich behelfmäßig seine Kopfwunde, indem ich sie reinigte und mit einer Mullbinde verband.

Ich ging ins Bad zog mir trockene Klamotten an, welche ich einmal von einem früheren Besuch vergessen hatte.

Auf den Weg zur Küche -ich wollte Steve einen Tee kochen- schaute ich noch einmal nach ihm im Wohnzimmer. Er sah schon friedlich, wenn er schlief. Ich kniete mich neben das Sofa. Eigentlich wollte ich gar nicht wissen mit welchen Leuten er sich dieses Mal angelegt hatte. Vermutlich hatte er Glück, dass sie ihm nicht die Taschen geleert oder gar getötet hatten. Gedankenverloren strich ich ihm eine blonde Strähne aus dem Gesicht. Steve öffnete die Augen und ich erstarrte in der Bewegung. "Wie geht's dir", fragte ich leise. "Es geht schon. Mir ist nur kalt und ich habe Kopfschmerzen", murmelte er müde. "Warte, ich mach dir einen Tee", erklärte ich kurz und stand auf doch Steve hielt mich am Handgelenk fest. "Bitte bleib", war das einzige was er sagte und ich kam wenn auch zuerst zögerlich der Bitte nach. Das Sofa war breit genug, sodass wir beide locker darauf Platz fanden. Ich deckte ihn und mich zu und Steve kuschelte sich an meine Brust, jedoch war ich eindeutig mit der Situation überfordert. Er war nicht mehr so kalt wie noch vor einigen Minuten, aber dennoch unterkühlt. Etwas zögerlich legte ich meine Arme um ihn, um Steve etwas zu wärmen, und strich ihm sacht durchs Haar. Ich hörte nur seinen gleichmäßigen Atem und meinen viel zu schnellen Herzschlag.

Wenn uns jetzt jemand sah -so eng umschlungen- was würde er wohl denken? Wir wären längst das Gespött der Stadt. Aber ich empfand kein Unbehagen. Im Gegenteil. Mir gefiel es irgendwie, Steve so nah bei mir zu haben, es fühlte sich richtig an. Ein Glück, dass niemand meine Gedanken hören konnte.

"Danke, Buck", murmelte Steve gedämpft gegen meine Brust. Ich zuckte etwas erschrocken zusammen. "Ach...äh... Kein Problem." Da setzte Steve sich umständlich auf und sah mir erschöpft in die Augen. "Ich meine das ernst, Bucky. Danke. Für alles." Er lehnte sich vor und legte seine Lippen auf meine. Der Kuss war so flüchtig wie sein Lächeln. Steve legte sich wieder hin und vergrub sein Gesicht in meinen Hals, während ich verwirrt versuchte die Situation zu verarbeiten.

Er ist stark unterkühlt und wusste nicht, was er machte. Er wird sich vermutlich nicht daran erinnern, weil er so müde war. Es hat nichts weiter zu bedeuten, oder?


Ob wir jemals über den Kuss geredet hatten? Hatte ich erfahren ob er sich noch daran erinnerte? Vielleicht wird diese Erinnerung irgendwann mal in meinen Kopf wieder auftauchen...


Heute mal zwei Oneshots, weil das vorherige Kapitel eigentlich schon vor einigen Tagen hochgeladen werden sollte, hat aber irgendwie nicht funktioniert. 😅

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