Winterfalcon: Cowboy-AU

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Sicht Bucky

Sobald ich mit brummenden Schädel aufwachte stieg mir der stechende Geruch einer Flamme in die Nase. Ich öffnete blinzelnd meine Augen, schloss sie jedoch schnell wieder aufgrund des hellen Lichts direkt vor meiner Nase. Langsam nahm meine Umgebung um mich herum wahr. Gesänge. Ja, da waren Gesänge. Und das Licht vor mir war eine warme Fackel. Genau, ich spürte ihre Wärme an meiner Nasenspitze. Aber da war noch etwas. Ein ungewöhnlich straffer Druck an meinen Handgelenken. Und eine kalte, glatte Fläche an meinem Rücken.
Und da fügten es sich alles allmählich in meinem verschwommenen Geist zusammen wie die Hinweise zu einem entbügsten Rind, dessen Fährte man verfolgt und nun gefunden hatte.
Die Indianer und der heftige Schlag auf meinem Kopf. Bevor ich mir Gedanken über Sam machen konnte, hörte ich seine genervte Stimme hinter mir. "Schön, dass du auch endlich wach bist", grummelte er. Ich wollte einen bissigen Kommentar abgeben, doch meine Zunge lag wie ein Hufeisen in meinem Mund. Anscheinend hatte ich noch nicht die volle Kontrolle über meinen Körper zurückgewonnen. Stattdessen öffnete ich die Augen und zuckte zurück, da nur wenige Zentimeter vor meinem Gesicht ein Indianer mit bunter Gesichtsbemalung eine Fackel herumwedelte. Eigentlich wollte ich danach sofort meine Augen wieder schließen und mich in die angenehme Dunkelheit zurückziehen, doch ich wollte diese Nacht noch überleben, also entschied ich mich dagegen.
"Diese Indianer wollen uns bei Tagesanbruch opfern. Und das ist alles deine Schuld!", motzte Sam. Er war auf der anderen Seite des Pfahls ebenfalls gefesselt. "Meine Schuld!?" Ich lachte auf.
"Du meintest schließlich, wir sollten hier lang. 'Es ist eine Abkürzung', meintest du. Und wo sind wir jetzt gelandet? Genau. Als Opfertiere. Es geht ja immer nur nach deiner Nase", knurrte Sam wie ein trotziges Kind, das nicht zugeben wollte, das es falsch lag. Rasseln stimmten mit in den Indianergesang ein.
"Ich habe doch gesagt, dass hier Indianer sind und dass es gefährlich ist!", schoss ich zurück.
"Aber du meintest auch, dass das der kürzeste Weg zu dem Kopfgeld wäre, dass wir sonst nicht erreicht hätten!", schrie er über die Gesänge, die wir nicht verstanden, hinweg.
"Jetzt mach mal halblang. Wir können froh sein, wenn wir den Sonnenaufgang nochmal sehen! Schließlich warst du es, der-"
Ein gewaltiger Trommelschalg ließ uns verstummen. Noch ein aufgeregtes Klatschen der Indianer, dann verschwanden immer mehr in ihren Leder-Tipis, bis nurnoch ein paar wenige Wachen wach waren, die sich um das Lagerfeuer ein paar Meter rechts von mir versammelt hatten.
Mittlerweile war es Nacht geworden und der Mond war nun hinter den Hängen des Tals, in dem sich dieses Dorf befand, zu sehen. "Wir müssen hier weg", meinte ich nach einiger Zeit des Schweigens. "Nah zumindest eine Sache, bei der wir uns einig sind", murmelte Sam und ich musste eine bissige Bemerkung zurückhalten. "Aber wie...?", überlegte ich laut.
"Kommst du an meine linke hintere Hosentasche? Ich hab da ein Taschenmesser", sagte Sam. "Du hast was?!", sagte ich etwas zu laut und senkte meine Stimme. "Wieso zum Henker sagst du das erst jetzt?" "Ich habs doch jetzt gesagt, und jetzt schrei nicht zu rum, sonst fliegen wir noch auf."
Ich rollte nochmal mit den Augen ehe ich mich daran machte mit meinen Fingernach dem Taschenmesser zu tasten. "Ja, ich denke ich komm hin", meinte ich konzentriert und streckte mich noch weiter, sodass die Fesseln sich noch tiefer in meine Haut gruben. Ich biss mir vor Schmerz auf die Unterlippe. "Du sollst mir nicht den Arsch abgrabschen, sondern das verdammte Messer rausholen!", sagte Sam angenervt. "Halt die Klappe!", erwiderte ich.
Und irgendwann schaffte ich es tatsächlich das Taschenmesser aus seiner Tasche zu fischen und ich machte mich augenblicklich daran, meine Fesseln loszuschneiden. "Jetzt beeil dich mal!" "Aufpassen, noch hab ich dich nicht losgeschnitten", gab ich zurück. Irgendwann spürte ich wie der Druck um meine Handgelenke langsam schwand und die Fesseln letztendlich zu Boden rutschten. Ich lugte unauffällig zu den Indianern, die noch immer am Feuer saßen, doch es hatte anscheinend niemand unseren angehenden Ausbruch bemerkt. Ohne mich zu sehr zu bewegen, verhaarte ich weiter in derselben Stellung und schnitt auch Sam los.
Auch seine Fesseln fielen zu Boden und auch er blieb in derselben Position. "Wo ist unsere Ausrüstung?", fragte ich und ließ meinen blick durch das Lager der Indianer huschen. "Sie haben sie in dieses Zelt getragen", antwortete Sam und machte eine Kopfbewegung Richtung eines kleineren Tipis, das in unserer Nähe stand. "Okay, ich werfe einen Stein und lenke sie ab, dann holen wir unsere Ausrüstung und dann nichts wie weg hier, verstanden?" Sam bellte zwar: "Sag mir nicht, was ich tun soll!" Abet er widersprach mir nicht, also ging ich davon aus, dass er dabei war.
Ich hob einen faustgroßen Stein neben mir auf, warf einen kurzen Seitenblick auf die Indianer, um sicher zu gehen, dass sie im Moment nicht hersahen und als wir unbeobachtet waren, warf ich den Stein soweit ich konnte. Er traf verdorrten Baum am Dorfrand ein paar dutzend Meter von uns weg. Sofort waren die Indianer in Alarmbereitschaft, hoben gespannt die Waffen auf und schlichen langsam auf den Baum zu, um das Geräusch zu untersuchen. "Hm, ich hätte weiter geworfen", stichelte Sam. Ich biss mir auf die Zunge. Erst als alles Wächter uns den Rücken zugekehrt hatten, erhoben wir uns langsam und schlichen auf Zehenspitzen zu dem Tipi mit unserer Ausrüstung. Wir warfen immer wieder einen Blick über die Schulter, um sicherzugehen, dass wir noch nicht bemerkt wurden, und achteten darauf, auf keinen trockenen Zweig zu treten. Sam verschwand bereits im Zelt, als ein lauter Pfiff uns zusammenzucken ließ. Ein kurzer Blick über die Schulter bestätigte meine Vermutung. Die Indianer, die wir abgelenkt hatten, hatten uns bemerkt. "Hier", hörte ich Sam und ich fing meinen Revolver auf, den er mir zuwarf. Augenblicklich eröffnete ich das Feuer, um die Indianer wegzuscheuchen und deren Pferde aufzuschrecken. Mir war bewusst, dass ich jetzt grade alles im Dorf weckte, weshalb wir uns beeilen mussten, hier wegzukommen. "Hast du alles?", fragte ich Sam. "Ja, wir können gehen", antwortete dieser hastig und ich hörte, wie er mit seinem Taschenmesser die Zeltwand durchschnitt. "Los!" Ich feuerte noch ein paar letzte Salven ab, um die Indianer auf Distanz zu halten. Dann folgte ich Sam nach draußen und wir nahmen die Beine in die Hand. Hinter uns hörten wir die Kampfschreie der Indianer, die uns wutentbrannt folgten. Wir mussten irgendwie entkommen. "Ich hab 'ne Idee", keuchte ich. "Ach ja? Und welche?", fragte Sam atemlos und warf mir im Laufen meinen Halfter und meinen runden Hut zu. "Wenn ich's jetzt sage, bist du nie dabei", erwiderte ich und schlug den Weg zu unserem Ziel ein. In der Dunkelheit war es schwer, den Weg zu erkennen, besonders da ich die Umgebung größtenteils nur von Karten kannte. "Hauptsache wir sind hier raus", erklärte Sam. Hinter uns hörten wir Hufengetrampel und ich feuerte ein paar Salven in die Dunkelheit, um die Pferde zu verscheuchen.
Die kalte Nachtluft brannte in meiner Lunge und meine Füße fühlten sich langsam schwer an. Ich konnte nicht sagen, wie weit wir schon gerannt waren, aber irgendwann hörte ich in der Ferne das versprechende Rauschen unseres Ziels. "Der Wasserfall?? Bist du verrückt!?", presste Sam zwischen schnappenden Atemzügen hervor. "Ich sagte doch, es wird dir nicht gefallen, Partner", grinste ich. Trotz Sams Unbehagen steuerten wir immer weiter auf den Wasserfall zu, der in einem See mündete, von dem aus ein Fluss uns wieder in die Zivilisation bringen konnte. Wir erreichten den Fluss, um dessen Ufer herum ein kleiner Wald wuchs. Schnell folgten wir ihm flussabwärts. Ich warf einen Blick über die Schulter und beinahe könnte man meinen, man hatte sie abgehängt, aber ihr Kriegsgeschrei versicherte uns immer wieder, dass wir noch nicht entkommen waren.

Wir erreichten die Klippe, an der der Wasserfall steil abfiel. In der Dunkelheit der Nacht konnte man sein Ende nicht erkennen. Das Wasser fiel wie in ein riesiges Loch der Finsternis. "Wie tief ist das bitte?!", sträubte such Sam und beugte sich vorsichtig über den Rand. Ein Pfeil schlug direkt neben meinem Fuß ein und ohne weiter nachzudenken, packte ich Sam am Handgelenk, rief: "Spring!" und stieß mich vom Boden ab, Sam hinter mir herziehend.
Einen Moment schienen wir in der Dunkelheit zu fliegen. Obwohl ich wusste, dass wir irgendwann ins Wasser tauchen würden, kam der Aufprall unerwartet. Als hätte ich eine Betonwand durchbrochen schlugen wir auf der Oberfläche auf und tauchten unter. Die Strömung wirbelte uns umher und ich schloss so fest ich konnte meine Hand um Sams Handgelenk. Gerade als ich meinte, mir müsste die Lunge platzen, tauchte ich an der Oberfläche auf. Mit letzter Kraft zog ich Sam hoch, einen Moment war ich mir nicht sicher, ob er atmete, doch als ich hörte, wie er schnappend nach Luft holte, war ich mir sicher, dass mein Partner überlebt hatte.
Wir waren in ruhigem Gewässer. Anscheinend sind wir in eine Art See gespült worden. In der Dunkelheit der Nacht versuchte ich irgendwo ein Ufer zu erkennen.
"Lässt du bitte mal mein Handgelenk los?", sagte Sam genervt und mir fiel jetzt erst auf, dass ich immer noch verkrampft sein Handgelenk festhielt. Ohne Worte folgte ich seiner Beschwerde. "Da vorne ist das Ufer", sagte ich und wir fingen an, in diese Richtung zu schwimmen. Es herrschte Stille. Irgendwo hörte man eine Eule.
Irgendwann sagte ich: "Nur um das klarzustellen: das ist deine Schuld."
"Ich hasse dich."
"Ich weiß."

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