Asgardisches Halloweenfest

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Ein OneShot von Thor und Loki, als beide noch Kinder waren.


"Los komm, Loki!", rief Thor begeistert und stolperte bereits zum nächsten Haus. Ich rannte ihm hinterher, wobei ich wegen meinem zu langem Umhang beinahe gestolpert wäre. Ich war noch nicht bei ihm angekommen, da hatte er schon an der Tür geklopft. Nur wenige Sekunden später öffnete jemand die Tür, das Gesicht von einer Maske mit der Fratze eines Frostelfen bedeckt. "Buh!", erschreckte er uns, weshalb Thor kicherte. "Süßes oder Saures!" rief er und hielt seinen verzauberten Korb hin, in dem aufgrund des Zaubers unendlich viele Süßigkeiten reinpassten. Ich dagegen hielt meinen normalen Korb hin und sah mit Genugtuung zu, wie der Frostelfe Süßigkeiten hineinfüllte.

Die Tür war noch nicht mal geschlossen, da drehte Thor auf dem Absatz um und sprintete bereits die belebte Straße hinunter. Kein Wunder, dass unser Aufpasser uns schon längst aus den Augen verloren hatte. Ich holte meinen Bruder ein, als dieser sich mit triumphierend blitzenden Augen hinter der Maske bereits zu mir umwandte. "Hey, schau mal! Dieser Herr hat mir angeboten, uns sein Lagerhaus voller Süßigkeiten zu zeigen!", rief dieser begeistert. Erst jetzt bemerkte ich die im Schatten einer Hauswand lehnende, dunkle Gestalt und mir wurde sofort bei seinem Anblick mulmig zu Mute. "Ich weiß nicht, ob wir ihm vertrauen sollten...", gab ich meine Bedenken zu und sprach bewusst seinen Namen nicht aus. Wenn er wüsste, wer wir wirklich waren... ich wollte mir gar nicht ausmalen, was er dann mit uns anstellte. Denn wirklich vertrauenswürdig wirkte er nicht. Thor war von uns beiden schon immer der Gutgläubigere gewesen. Ehe ich noch etwas anderes sagen konnte, folgte er der dunklen Gestalt bereits durch eine Seitengasse. "Bei Odin! Kann er denn nicht einmal sein Hirn benutzen?", murmelte ich in mich hinein, ehe ich ihm hinterher hastete. Denn im Stich lassen werde ich ihn auf gar keinen Fall. Während ich versuchte, die beiden einzuholen überlegte ich mir bereits einen Plan, uns da wieder rauszuholen. Meine Illusionsmagie? Nein, um ihn reinzulegen war sie noch zu unausgereift. Meine kleinen Dolche wären eine Option, andererseits wusste ich nicht ob er alleine war oder auch noch seine Freunde dazukommen werden. Ich seufzte innerlich. Warum musste ich unbedingt für uns beide das Denken übernehmen? Ich wollte doch nur einmal Spaß mit meinem Bruder haben, ohne dass wir danach in Lebensgefahr schweben. Jedoch blieb mir das anscheinend nicht einmal an Halloween erspart.

Während Thor aufgeregt dem Fremden hinterherhopste, hielt ich mich zurück und überprüfte die Lage. Die Häuser wirkten heruntergekommen, ein Anblick, den ich in dem eigentlich so schönen Asgard nie erwartet hätte. Überall hingen Spinnenweben, sogar ein paar Fenster waren eingeschlagen. Wie kann es sein, dass ich noch nie diese Seite von Asgard gesehen habe? Lebten hier wirklich Asgardianer?

Der Fremde führte uns aus der engen Gasse hinaus auf einen etwas größeren Vorhof einer Lagerhalle. In der Dunkelheit meinte ich ein paar Schatten zu sehen. Ich umklammerte den Griff meines Korbes fester und trat näher an Thor heran, welcher mehr begeistert als eingeschüchtert wirkte. Einladend hielt der Fremde uns die quietschende Tür der Halle auf. "Thor, ich denke wirklich, wir sollten jetzt gehen", flüsterte ich so leise, dass mich niemand außer ihn hören konnte. "Hast du etwa Angst?", fragte er mich neckend. Hast du kein Gehirn?, dachte ich, sprach den Gedanken jedoch nicht laut aus.

Widerstrebend folgte ich ihm ins Lagerhaus, ließ unauffällig meinen Dolch in meiner Hand erscheinen und versteckte diesen in meinem Ärmel. Angekommen in der Halle schlug die Tür hinter uns mit einem lauten Krachen zu. Darinnen standen leere Lagerregale, in der Mitte brannte ein Lagerfeuer, drumherum standen dunkle Gestalten, deren Gesichter ich nicht sehen konnte. Verdammt, es waren also mehrere. Mit der einen Hand den Korb und der anderen den Dolch umklammert, beobachtete ich angespannt, wie Thor näher zum Lagerfeuer trat mit der Haltung eines Landherrn, der sein neues Reich begutachtete. "Also schön, wo sind jetzt meine Süßigkeiten?", fragte er und schaute sich um. Das konnte doch nicht sein ernst sein, oder? Die Männer um das Feuer brachen in schallendes Gelächter aus, meiner Meinung nach berechtigt. Herausfordernd stemmte Thor die Arme in die Hüfte. Fieberhaft suchte ich einen Ausweg für uns. Vielleicht durch eines der zerbrochenen Fenster? Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter und ich zuckte zusammen. Mir fuhr es eiskalt den Rücken runter. Es war der Fremde, der uns hierher geführt hatte. "Willst du dich nicht zu uns setzen?" Ich spürte seinen warmen Atem an meinem Ohr. Ich schluckte heftig. "Nein, danke- Wir hatten sowieso gerade vor, zu gehen", winkte ich ab und versuchte, so ruhig wie möglich zu klingen. "Oh nein, ich bestehe darauf", beharrte dieser und im Licht des Feuers spiegelte sich die Klinge eines Messers. Noch nicht!, schärfte ich mir selbst ein und widerstand der Versuchung meinen eigenen Dolch zu ziehen.

Widerstrebend ging ich auf das Feuer und Thor zu, der sich weiter in Rage redete: "Wie könnt ihr es nur wagen, so mit dem Sohn Odins zu reden!?" Das war's. Sie wissen, wer wir sind. Ich wusste, dass Thor stur war, aber für einen Idioten hatte ich ihn bisher nicht gehalten. Das Lachen der Männer verstummte. "Der Sohn Odins?", fragte einer verunsichert. "Jawohl, ich bin es! Thor Odinson!", rief mein Bruder und nahm seine Maske ab. Der Mann hinter mir stöhnte überrascht auf. "Dann ist das ja...", meinte einer der Männer und deutete auf mich. "Mein Bruder Loki!", vollendete Thor den Satz. Ihre Überraschung schlug schlagartig  in Triumph um. Letztendlich hatten sie nun die beiden Kinder Odins in ihrer Gewalt. Mit gierig blitzenden Augen kamen sie auf uns zu und ich hörte wie auch der Fremde hinter mir einen Schritt auf mich zu tat.

Das war der Moment, als ich angriff. Ich wirbelte herum, drehte blitzschnell den Dolch in meiner Hand herum und rammte ihn in die Schulter des Mannes hinter mir. Dieser schrie schmerzerfüllt auf und fiel auf den Boden. Währenddessen stürzten sich die anderen auf Thor. Ich ließ einen weiteren Dolch in meiner Hand erscheinen, warf diesen und traf einen von ihnen ins Bein. Jedoch packten zwei der anderen Thor und hielten ihn fest. "Thor-", rief ich noch, doch da hatte derjenige, den ich zuvor mit einem Treffer in der Schulter niedergestreckt hatte meinen Knöchel gepackt und mich von den Beinen gezerrt. Hart krachte ich auf den Boden. Das war's. Es ist vorbei mit uns, dachte ich, weil es schlichtweg kein Entkommen gab.

Plötzlich wurde die gesamte Halle in helles Licht gehüllt und ich musste meine Augen zusammenkneifen. Als ich sie wieder öffnete stellte ich überrascht fest, dass der Griff um meinen Knöchel vollkommen verschwunden war. Und auch Thors Angreifer waren verschwunden. Einzig Odin stand besorgt über Thor gebeugt. "Da hattet ihr aber Glück gehabt, dass Heimdall mich rechtzeitig in Kenntnis gesetzt hat", sagte er streng. Vater wandte seine Aufmerksamkeit mir zu und blickte von oben auf mich hinab. "Was hast du dir nur dabei gedacht, Loki?" Sein eines Auge funkelte böse. Ich senkte beschämt den Kopf. Was? Warum war es meine Schuld? "Aber ich-", setzte ich an. "Es war meine Schuld", meinte Thor kleinlaut. Odin wirkte zuerst verwundert, seufzte aber dann und meinte: "Also schon, lasst uns nach Hause gehen."


Fröhliches Halloween allerseits! 🎃👻🍬🍭

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