Steve
Ein Schauder, noch kälter als der Schneesturm draußen, lief meinen Rücken hinunter. Ich ließ meinen Schild auf den Boden fallen. "Was?", war das Einzige, was ich heraus brachte. Hinter mir hörte ich Bucky wie aus weiter Ferne sagen: "Ich mach ein Feuer." Wie ein Roboter mit festgelegtem Arbeitsmuster stellte ich mich an Tonys Seite und überprüfte seine seinen Puls an der Halsschlagader -nichts. Meine Hand verkrampfte sich. Ich zwang meine tauben Hände, mir zu gehorchen und wandte eine Druckmassage an. ...12, 13, 14, 15... zählte ich in meinem Kopf, während Peter neben mir schluchzte. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Bucky ein Feuer im Kamin anzündete. Dann endlich nach einer gefühlten Ewigkeit -welche in Wirklichkeit nur 32 Sekunden waren- bildeten sich kleine, schwache Wölkchen vor Tonys Mund. Er atmete wieder. Erschöpft seufzte ich und nahm langsam meine Hände von seiner Brust, aber nicht ohne vorher noch einmal seinen Puls zu überprüfen -sein Herz schlug wieder. "Peter, hilf mir, Tony vor den Kamin zu legen", sagte ich, doch als Peter zuerst nicht reagierte fragte ich nochmal nach: "Schaffst du das?" Erst jetzt schien Peter mich zu bemerken. Er blinzelte ein paar Mal als wollte er sich selbst an das Hier und Jetzt erinnern, dann sagte er: "Äh... Ja, ja ich schaff das." Während Peter seine Beine nahm, griff ich Tony unter die Arme. Währenddessen hatte Bucky bereits eine Decke, die ich wahrscheinlich in der Hütte nicht bemerkt hatte, vor dem Kamin ausgebreitet, in dem ein kleines aber stetiges Feuer loderte. Sanft legten wir Tony auf der Decke ab. Erschöpft setzte ich mich neben ihn, Peter tat es mir gleich, während Bucky die Beine des kleinen Hockers einheizte. Etwas abwesend starrte ich in die nach oben züngelnden Flammen und spürte wie langsam die Kälte aus dem unterkühlten Haus vertrieben wurde. Auch Tonys gequälter Gesichtsausdruck wich einem etwas entspannteren. Nach einer Weile sagte Peter plötzlich: "Es ist meine Schuld. Als wir da draußen waren und durch die Kälte gingen, hat mir Tony seine Jacke gegeben. Er sagte nur: 'Nimm du sie ruhig, ich hab schön schlimmeres durchgemacht.' Ich hätte ablehnen sollen, hab's aber nicht getan." Betreten sah er zum Boden. Bevor ich etwas sagen konnte, fragte Bucky, der die Hütte inspiziert hatte: "Ich frag mich, was mit demjenigen, dem diese Hütte gehört hat, passiert ist. So wie es aussieht war seit ein paar Jahren niemand mehr hier." Ich wandte mich zu ihm um. "Gibt es vielleicht irgendwelche Konserverendosen, damit wir uns aufwärmen können? Wenn nicht schmelzen wir ein bisschen Schnee von draußen und trinken den dann", meinte ich und machte Anstalten, aufzustehen, doch Bucky hielt mich auf. "Ist schon gut, Steve. Ich mach das. Ich bin die Kälte gewohnt... von früher." Einen Moment lang verfinsterte sich sein Blick, als er an die Zeiten dachte, als er von Hydra gezwungen wurde als Winter Soldier Attentate zu verüben. Damit er über mehrere Jahrzehnte eingesetzt werden konnte, wurde er zwischen den Missionen immer wieder eingefroren und wieder aufgetaut. Eine schreckliche Vorstellung. I
ch schob den Gedanken wie die Hände eines listigen Taschendiebes beiseite.
Langsam bekam ich wieder ein Gefühl in meine Finger und ich hörte auch einigermaßen auf zu zittern. "Hier ist eine Luke", sagte Bucky hinter uns. Ich drehte mich um und sah wie er das kleine Stück Teppich unter dem Tisch hervorzog, der in der Ecke stand. Er hatte recht: unter diesem kam eine hölzerne Luke zum Vorschein. Vielleicht war es eine Vorratskammer? "Ich schau mir das mal an", erklärte Bucky und machte sich schon daran, hineinzuklettern. "Pass auf dich auf", sagte ich noch und überlegte kurz, ihm zu folgen, entschied mich jedoch dagegen, da ich mir sicher war, er würde es alleine auch schaffen. Peter hatte sich gegen das Bett gelehnt und war eingeschlafen. Nach kurzer Zeit hörte ich, wie Bucky die Leiter wieder nach oben stieg. Triumphierend grinsend hielt er eine Konservendose mit Hühnersuppe hoch. Doch Bucky wirkte kreidebleich und das Grinsen schien unecht und gezwungen. "Bucky, was ist los?", fragte ich. Das Lächeln verblasste. "Der, der hier gewohnt hat, hat diesen Ort nie wirklich verlassen, Steve..." Ich verkrampfte mich. "Er hat sich das Leben genommen... Seine Leiche liegt nur ein paar Meter unter uns... Wegen der Kälte ist sein Leichnam nicht viel verwest, aber die Ratten haben dafür umso mehr Arbeit geleistet..." Trotz des nagenden Hungers in meinem leeren Magen verging mir der Appetit. Ich warf einen kurzen Blick zu Peter, der einen unruhigen Schlaf zu haben schien. Eigentlich war ich froh, dass er es nicht mitgehört hatte. Peter sollte nicht noch mehr verstört werden. "Lass uns Schnee von draußen schmelzen und die Hühnersuppe kochen. Gab es nicht mehr Essbares?", fragte ich Bucky, doch er schüttelte den Kopf. Man sah ihm an, dass er nicht noch einmal da hinab steigen wollte. "Hm, lass uns dann die Hühnersuppe essen und dann weitergehen... Ich will so schnell wie möglich weg von hier", meinte ich und sogleich machte sich Bucky daran mit einem Taschenmesser die Dose zu öffnen. Tonys Atmung hatte sich wieder beruhigt und auch Peters Gesichtsausdruck wirkte weniger angespannt. Vielleicht kamen wir hier doch noch alle lebend raus. Draußen war es immernoch stockdunkel und der Wind peitschte weiterhin gegen das Fenster. Plötzlich übermannte mich die Erschöpfung und ehe ich noch etwas anderes mitbekommen konnte, waren mir die Augen zugefallen.
Den nächsten Teil gibt's dann an Heiligabend 🎄😄
DU LIEST GERADE
Marvel Oneshots
Fanfiction~Marvel Oneshots~ Auch Gay-Ships! Don't like it, don't read it! Started: 15.1.19
