Schlitten-Desaster [4]

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Steve


Der Geruch von frisch gekochter Hühnersuppe weckte mich. Noch im Halbschlaf bemerkte ich die schemenhafte Gestalt von Bucky, der gerade Holz nachheizte. "Hey, Buck", murmelte ich müde uns rieb mir die Augen. Ich erkannte, dass es in der Hütte mittlerweile richtig warm geworden ist. "Na, gut geschlafen?", schmunzelte Bucky und hielt mir einen eisernen Topf gefüllt mit Hühnersuppe und einen Holzlöffel hin. "Wir sollten Peter wecken, das fertigessen und dann aufbrechen. Ich habe hinter der Hütte einen Transportschlitten gefunden, auf den können wir Tony schnallen", erklärte Bucky, während ich die ersten Löffel der dampfenden Suppe aß. Die Wärme breitete sich angenehm in meinem Körper aus und vertrieb nun die letzte Kälte aus meinen Gliedern. Bucky weckte Peter, welcher müde und erschöpft wirkte. Schweigend aß jeder von uns seinen Teil der Suppe. Als wir Tony den Rest eingeflößt hatten, bereiteten wir uns auf den Aufbruch vor. Wir wickelten den noch immer bewusstlosen Tony behutsam in alle Decken und Teppichen ein, die wir in der kleine Hütte finden konnten, trugen ihn vorsichtig nach draußen und schnallten ihn dort auf den Schlitten fest, auf dem früher vermutlich Holz transportiert worden war. Es ging gerade die Sonne auf und die Kälte draußen fühlte sich noch eisiger als vorher, da wir aus der warmen Hütte kamen. Trotzdem wärmte mich die Suppe noch, weshalb mir zumindest innerlich noch warm war. Bucky und ich zogen den Schlitten, während Peter die Nachhut bildete. Er hatte seitdem er wach war kein Wort gesprochen. Vermutlich machte er sich Sorgen um Tony. Wir schlugen die entgegengesetzte Richtung ein, aus der wir gekommen waren. Den gesamten Weg über sprach niemand ein Wort. Wir alle waren erschöpft und wollten einfach nur nach Hause. Zudem mussten wir Tony so schnell wie möglich in medizinische Behandlung bringen. Ich hielt nach Rauch Ausschau, doch der einzige, den ich sah war der, der von dem Feuer aus der kleinen Hütte stammte. Dieser kleiner werdende Rauch am Horizont verriet uns zumindest, dass wir nicht im Kreis gingen. Doch nach einiger Zeit verschwand auch dieser aus unserem Blickfeld und wir verloren komplett die Orientierung.

"Niemand bewegt sich", sagte Bucky plötzlich und blieb abrupt stehen. Auch Peter und ich hielten inne und ich folgte seinen Blick, der an einem unnatürlich aussehenden Schneeberg hängen blieb. Unter dem sich ohne Zweifel ein Bär im Winterschlaf befand. Ich schluckte hart. "Wir gehen jetzt ganz langsam zurück", erklärte ich mit zitternder Stimme und wir zogen uns zurück. Plötzlich knackte irgendein Zweig. Normalerweise ein leises Geräusch, jedoch hörte es sich in dieser Stille brechend laut an. Wir alle warfen einen Blick über die Schulter, die Nerven zum Zerreißen angespannt. Plötzlich regte sich etwas unter dem Schneeberg und ich hörte mich schreien: "Lauft!"

Wir sprinteten los, die Erschöpfung war vollkommen vergessen. Ich wagte nicht, hinter mich zu schauen, doch hörte ich, wie sich etwas gewaltiges einen Weg durch das Unterholz bahnte. "Ich lenk ihn ab", schrie Peter und ich sah im Augenwinkel wie er rechts in den Wald abbog. "Peter, nein!", brüllte ich. Ich wollte ihn aufhalten, doch mein Körper gehorchte mir nicht. Alles in mir schrie Flucht. Der Bär entfernte sich tatsächlich von uns. Bucky und ich brachen aus dem Unterholz hinaus und stoppten abrupt. Direkt vor uns tat sich ein gähnender Abgrund auf. Da verlor Bucky das Gleichgewicht und rutschte über die Kante. "Bucky, nein!", rief ich voller Entsetzen, ließ das Seil, mit dem wir Tonys Schlitten gezogen haben, los und stürzte vor. Im letzten Moment bekam ich ihn zu packen. Jedoch fand ich keinen Halt und wurde langsam mit über die Kante gezogen. "Steve, lass mich los, sonst sterben wir beide!", sagte Bucky verzweifelt. "Nein, niemals. Ich verlier dich nicht noch einmal", entgegnete ich und versuchte mit aller Kraft ihn wieder hochzuziehen. Doch es gelang mir nicht. "Ich kann das nicht von dir verlangen. Because I'm with you 'til the end of the line", waren Buckys letzte Worte. Er lächelte, als er sich aus seinem Handschuh rutschen ließ und meinem Griff entglitt. Er stürzte in den dunklen, verschneiten Abgrund und ich erlebte ein schreckliches Déjà-vu. Voller Entsetzen starrte ich in die Tiefe. Etwas weiter hinter mir hörte ich einen schmerzerfüllten, hallenden Schrei. Peter. Ich wirbelte herum, doch es war als wären meine Füße auf dem Boden festgefroren. Warum? Schoss es mir immer wieder durch den Kopf, dann Schwärze.


"Steve? Steve!" Ich wurde wachgerüttelt. Blinzelnd öffnete ich die Augen und vor mir stand leibhaftig Bucky. "Wie... du? Der Bär... wo?", stammelte ich. "Bär? Hier ist kein Bär", meinte Tony, der mit verschränkten Armen ein paar Meter weiter weg stand. "Bist wohl auf den Kopf gefallen. Verwirrt sah ich mich um und erkannte benommen, dass weit und breit keine Schlucht zu sehen war. War das alles nur ein... Traum? Aber es fühlte sich so real an...

"Wir haben dich stundenlang gesucht. Wir dachten schon, wir würden dich gar nicht mehr finden...", erklärte Bucky mit besorgt zusammengezogenen Augenbrauen. "Geht's dir gut?" "Äh, ja ja... Mir ist bloß kalt und ich hab komisch geträumt", meinte ich abwesend und versuchte zu verarbeiten, dass das alles nicht real gewesen war. "Wo ist Peter?", fragte ich, als ich bemerkte, dass er fehlte. "Er ist in der Herberge und wärmt sich auf. Und das solltest du auch tun", sagt Bucky bestimmt und half mir aufzustehen. Ich streckte meine steifen Glieder. Ich war die ganze Nacht auf einer Stelle gelegen. Mittlerweile ging die Sonne wieder auf. Ich stützte mich auf Buckys Schulter und wir machten uns auf den Weg zurück in die Zivilisation.

Da erkannte ich am Horizont eine schwache Rauchfahne und als wir nah genug dran waren, erspähte ich eine Hütte zwischen den Bäumen. Es war die Holzhütte aus meinem Traum.


Ende


Ich wünsche euch alle ein wundervolles Weihnachtsfest 🎅🎄 Feiert schön mit eurer Familie und lasst euch gut beschenken :P

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