Zukunft

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Mir war klar, dass sie die Entscheidung noch nicht endgültig getroffen hatte. Ich verstand ihre Zweifel, schließlich hatte ich die genauso. Ein Baby schon nach so kurzer Zeit… Wir hatten kaum Zeit zu Zweit gehabt und würden schon bald zu dritt sein. Das hoffte ich zumindest. Denn bei all den Zweifeln, war am größten die Freude. Der Gedanke, Vater zu werden war das Größte für mich. Deshalb würde es mir das Herz brechen, wenn sie das Baby nicht behalten würde. Und ich wusste nicht, ob ich dann noch eine Beziehung mit ihr haben könnte.
Ich saß im Wartezimmer der Arztpraxis, die uns empfohlen worden war und wir dank der netten Rezeptionistin des Hotels auch schnell einen Temin bekommen hatten. Eigentlich hätte ich jetzt einige Interviews geben müssen, doch Sonja zu begleiten, wo sie mich darum gebeten hatte, war mir wichtiger. Sie wurde grade untersucht und ich saß nervös zwischen werdenden Mamis und älteren Damen. Ich war zugegeben ziemlich nervös und wartete ungeduldig, dass Sonja zurückkommen würde. „Mr. Cavill?“ wurde ich mit starkem chinesischen Akzent gerufen und ich sah auf.  „Kommen sie bitte“, bat mich die Arzthelferin und etwas unschlüssig stand ich auf. Warum kam Sonja nicht? War etwas nicht in Ordnung? Ich folgte der Arzthelferin in den Behandlungsraum, indem Sonja auf dem Untersuchungsstuhl saß. „Ich dachte mir, das möchtest du auch sehen", klärte Sunny mich auf und deutete auf den Bildschirm. Mein Herz blieb einen Moment stehen und schlug dann doppelt so schnell weiter, als ich etwas auf dem Bildschirm flattern sah. „Ist das…?“ Ich brach ab und schluckte. „Ja, das ist das Herz. Es schlägt schnell und kräftig. So wie es in der fünften Woche sein soll", erklärte der Arzt, mit weitaus weniger Akzent. Sonja griff nach meiner Hand und ich hob ihre zu meinem Gesicht und drückte ihr einen Kuss auf den Hindrückten. Ich blinzelte, denn mein Blick verschwamm. Das war mein Baby. Unser Baby. Ich wollte jubeln vor Freude, wagte es aber nicht. Ich wusste nicht, ob ich es jemals im Arm halten würde. „Ich lasse sie einen Moment allein", hörte ich den Doc sagen und dann waren Sunny und ich allein. Ich drückte ihre Hand und traute mich, sie anzusehen. Ich wollte ihren Blick deuten, versuchen in ihrem Gesicht ihre Entscheidung erraten. Sie hatte wie ich, Tränen in den Augen und ich wischte sie ihr aus den Augenwinkeln. Ich setzte mich auf den Hocker, der neben ihr stand, hielt weiterhin ihre Hand. „Sag was", bat ich sie, mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ihr Blick wanderte von mir zum Bildschirm, wo er heften blieb und ich folgte ihrem Blick. Der Doc hatte das Bild angehalten und wir sahen auf den winzigen, dunklen Punkt. „Das ist unser Baby…“ flüsterte sie kaum hörbar und ich drückte ihr noch einen Kuss auf die Hand, presste die Kiefer aufeinander, weil ich die Spannung kaum aushielt. Wenn sie jetzt sagen würde, dass sie es nicht wollen würde, wars das. Das könnte ich nicht ertragen. Dann biss sie sich auf die Unterlippe und ihre Augen schimmerten. „Hilfst du mir dabei? Ohne dich schaffe ich das nicht“, fragte sie schließlich. Ich war nicht fähig zu antworten. Wieder küsste ich ihren Handrücken, dann schluckte ich. „Natürlich", brachte ich dann heraus und legte meine Stirn an ihre. Sie legte ihre Hand an meine Wange und ich schloss die Augen. Ich wollte nicht heulen. „Ich liebe dich auch, Henry", flüsterte sie dann und ich legte meine Lippen auf ihre, küsste sie unglaublich sanft und zärtlich. Die Tür öffnete sich nach einem kurzen Klopfen wieder und wir fuhren auseinander. Der Doc lachte, beendete den Ultraschall und drückte Sonja das Foto in die Hand. Er bat Sonja, sobald sie wieder in London war, sich bei einem Arzt vorzustellen.
Das Taxi fuhr uns zurück ins Hotel. „Sehen wir uns später?“ fragte ich sie, als ich sie auf ihr Zimmer brachte. „Wie lange wirst du noch weg sein?“ wollte sie wissen.  „Ich kann es dir nicht genau sagen. Vielleicht bis neun, oder sogar zehn. Ich habe keine Ahnung" gab ich zu. „Ruf doch einfach an, wenn ihr durch seid. Ich bin dann sicher noch wach", schlug sie vor und ich nickte. „Ok, ruh dich aus. Bis später", verabschiedete ich mich von ihr und zog sie an mich, küsste sie. „Bitte noch kein Wort zu den Anderen ok? Zu niemandem“, bat sie mich. „Es wäre zu früh, es schon an die große Glocke zu hängen.“ „Ich weiß. Mach dir keine Gedanken. Ich behalte unser Geheimnis für uns" versicherte ich ihr lächelnd und küsste sie ein letztes mal und ließ sie schließlich allein.

When superman is lovin' youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt