Der Wunsch nach Ruhe

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Jemand war so lieb, und hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es Etwas zwischen dem letzten und den neuesten Kapitel, sprich diesem hier, etwas fehlt. Ich war so frei und habe alle fehlenden Teile gepostet. Viel Spaß dabei!!

Ich saß vorm Laptop und schwebte mit dem Finger über einige Artikellinks. Sollte ich wirklich lesen, was sie über uns schrieben? Sollte ich auf das Gerede meiner vermeintlichen Freundin hören, oder sollte ich auf das vertrauen, was mein Mann mir riet. Ich kannte Carlie seit vielen Jahren. Aber sie hatte sich verändert. Während Henry…. einfach Henry war. Ich klappte den Laptop zu und fluchte über mich selbst. Das ich es überhaupt in Erwägung gezogen hatte, war absurd. Henry hatte Recht. Ich musste nicht wissen, was man über uns sagte, was man von mir hielt, oder ob sie Bilder von unseren Eheringen gepostet hatten. Es war irrelevant. Henry würde mir sagen, wenn ich etwas wissen müsste.
„Ich vertraue dir, wenn du mir sagst, dass ich nichts wissen muss. Es tut mir leid, dass ich daran gezweifelt habe. Es ist alles noch etwas schwer für mich. Du fehlst mir", schrieb ich meinem Mann und verzog mich in mein, oder besser gesagt unserem Büro. Henry hatte mir ein Regal für meine Fotoordner freigeräumt und ich wollte Bilder raussuchen, die ich für meine Webseite nutzen konnte. Auch Jason hatte mir die Erlaubnis erteilt, seine Bilder zu verwenden. Die Rechte an meine Bilder hatte ich bereits mit Henrys Hilfe eingeklagt. Ich zog einem Ordner aus dem Regal, einer der letzten, und setzte mich damit im Schlafzimmer aufs Bett. Ich öffnete den Ordner und sah mir die Bilder an. Bilder die ich während der Promotour gemacht hatte, Bilder aus Paris und von Henry und Kal in Sully. Ich warf mich zurück aufs Bett und hielt den Ordner über mir, als ich einige Bilder betrachtete, die ich von Henry gemacht hatte, während er geschlafen hatte. Und plötzlich rutsche ein Bild aus dem Ordner und landete in meinem Gesicht. Ich nahm es und sah eine handgeschriebene Nachricht von meinem Bruder. „Du hast was in meinem Keller vergessen. Eines der besten Bilder, die du je gemacht hast, wenn du mich fragst“, hatte er geschrieben und ich drehte das Bild in meinen Händen. Es war das Bild, welches zu lange im Entwickler gebadet hatte, während Henry mich abgelenkt hatte. Und es war toll. Die Farben waren extrem kräftig und Kals weißes und schwarzes Fell hob sich perfekt ab. Ich hatte das Foto von unten her gemacht und den Hund eingefangen, wie er sprang, den Kopf gedreht und das Maul offen. Henry sah man im Hintergrund, er hielt einem Stock hoch den Kal hatte fangen wollen. Er lachte. Die Fältchen um seine Augen erkannte man durch die intensiven Farben ziemlich gut, doch sie machten ihn nicht alt, sondern ließen ihn strahlen. Ich strich über das Bild und entschied, dass es unbedingt vergrößert und gerahmt werden müsste. Ein perfektes Weihnachtsgeschenk für Henry.
„Danke für das Bild, großer Bruder. Ohne dich wäre es im Müll gelandet", schrieb ich an Hank.

Ich war müde von der unruhigen Nacht und dem aufwühlenden Morgen beim Zusammentreffen mit Carlie. Mir fiel ihre Visitenkarte ein und dass ich ihr versprochen hatte, mich zu melden. Doch wollte ich das? Ich war mir nicht sicher. Vielleicht würde mir ihre heitere Art aufmuntern und auf andere Gedanken bringen. Doch eigentlich wollte ich einfach nur im Bett bleiben. Ich vermisste meinen Mann und ich vermisste mein Baby. Der Schmerz saß noch viel zu tief. Ich wollte weitermachen und nach vorn sehen, doch im Moment hatte ich einfach nicht die Kraft dafür. Ich drehte mich auf die Seite und rollte mich zusammen, wollte einfach hier liegen und hoffen, dass Die Zeit schneller verstrich und den Schmerz mitnahm. Ich ignorierte das Vibrieren meines Handys, was mir sagte, dass ich Nachrichten bekommen hatte. Vielleicht eine von Hank, oder vielleicht auch Henry. Ich sollte nachsehen, doch ich rührte mich nicht. Auch als die Melodoe für einen eingehenden Anruf erklang, reagierte ich nicht. Ich starrte aus dem Fenster und sah die dicke Wolkendecke am Himmel. Es regnete. Es war fast Weihnachten uns ich sehnte mich nach dem Winter. Nach reinem weiß, die Stille und Reinheit des Schnees. Stattdessen hörte ich die Autoreifen auf den Straßen. Das Rauschen, wenn sie das Wasser verdrängten. Das Prasseln des Regens ans Fenster. Und alles schien so laut. Wieder das Klingeln meines Handys… ich hielt mir die Ohren zu, kniff meine Augen zusammen und summte ein Lied. Das Lied, was mir Dad oder Hank immer vorgesungen hatten, wenn ich nicht schlafen konnte. Ich verdrängte den Lärm und driftete langsam in die Stille hinein, dort wo alles weiß war. Weicher Schnee um mich herum und ich fühlte mich sicher. Sicher in den Armen meines Ehemannes.

When superman is lovin' youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt