Die Nacht verbrachte sie in Abraxas Armen. Manchmal hatte er diese liebevolle, sanfte Seite an sich und wenn es nach ihr ging, brauchte die herrische, grausame gar nicht mehr wiederzukommen.
Er hatte wohl wirklich Schuldgefühle ihr gegenüber, denn er hielt sie fest an seinen warmen Körper gedrückt. Nicht so wie sonst, so besitzergreifend und unsanft, nein es war mehr eine schützende Geste. Sein Arm war um ihre zierliche Taille geschlungen und ihr Kopf lag an seiner starken Brust. Sie spürte wie er regelmäßig ein und ausatmete. Es beruhigte sie. Lucretia selbst konnte allerdings nicht schlafen. Sie tat kein Auge zu. Immer wieder wanderten ihre Gedanken zu Lestrange oder zu Riddle.
Sie beobachtete das Bild auf Abraxas Schreibtisch nachdenklich. Ein Familienportrait. Seine Eltern saßen stolz wie eh und je auf einem Sofa und seine Mutter hatte den noch kleinen Abraxas auf dem Schoß. Er musste um die 5 gewesen sein, wie sie mutmaßte.
Nachdem der Malfoy sich so offen bei ihr entschuldigt hatte, war Endira hineingeplatzt. Sofort addierte sie Eins und Eins zusammen und merkte, dass Abraxas ihr weh getan haben musste. Hätte sie sie nicht daran gehindert, wäre der Blonde wohl kaum glimpflich davon gekommen. Sie hatte ihn beinahe gebeten die Nacht bei ihn verbringen zu dürfen und nur zu bereitwillig, hatte er zugestimmt. Ganz zur Verärgerung ihrer Freundin, die sie wohl die ganze Nacht ausgefragt hätte.
Als die Sonne langsam aufging, löste sie sich aus Abraxas wärmender Nähe. Sie stieg aus dem Bett und zog schnell einen Pulli mit Rock und Strumpfhose an. Dann schlich sie hinaus, um ihn nicht zu wecken. Zugegeben hasste sie ihn gar nicht mal so sehr wie am Anfang. Man könnte schon behaupten, sie hätte sich an ihn gewöhnt.
Ruhelos wanderte sie durch die noch verwaisten Gänge des alten Schlosses. Sie hatte noch keine Lust auf Frühstück und so war ihr erster Anlaufpunkt der Astronomieturm. Sie lief leise die Treppen hinauf und atmete dann tief die kalte, frische Morgenluft ein. Es tat gut wieder einen etwas klareren Kopf zu bekommen und sich zu besinnen. Die morgendliche Frische vertrieb die Müdigkeit der schlaflosen Nacht aus ihren Gliedern. Ihre Gedanken waren einen Moment wie leer.
„Was tun Sie hier um diese Uhrzeit?" fragte plötzlich eine dunkle Männerstimme.
Schnell drehte die Black sich um und sah in strahlend blaue Augen. Ein Ravenclaw aus ihrem Jahr stand ihr gegenüber. An den Namen erinnerte sie sich kaum.
„Ich wollte nur frische Luft schnappen, wenn Sie entschuldigen?" sie wandte sich zum Gehen.
„Warten Sie bitte! Ich wollte Sie keinesfalls vertreiben. Ich bin Damocles Belby." stellte der junge Mann sich vor.
Richtig er war ein Reinblut.
„Lucretia Black" erwiderte sie und nickte ihm leicht zu.
Der braunhaarige setzte sich einfach auf den Boden und sah in die Ferne. Auch er schien die frische Lift zu genießen. Zögernd setzte sie sich ebenfalls und tat es ihm gleich, unsicher ob sie nicht lieber gehen sollte.
Doch wie sich herausstellte störte er sie nicht. Er sprach nicht groß mit ihr und schenkte ihr nur ein Lächeln, als sie sich erhob um zum Frühstück zu gehen. Es war merkwürdig und gleichzeitig doch eine angenehme Abwechslung.
Beim Essen setzte sie sich schnell zu ihren Freundinnen. Sie hätte auch bei Abraxas gesessen, doch wollte sie Tom vermeiden und wo Malfoy war, da war auch Riddle nicht weit, oder wohl eher andersherum. Sie konnte die Loyalität ihres Verlobten keineswegs nachvollziehen, doch würde sie es kaum schaffen etwas daran zu ändern. So begann sie nachdenklich ein Stück Croissant zu essen und lauschte den belanglosen Gesprächen ihrer Freundinnen. Als das Thema auf sie fiel, horchte sie auf.
„Was war denn Gestern eigentlich los?" fragte Endira sie besorgt.
„Wieso was war?" wollte Mony alarmiert wissen.
Lucretia seufzte „Es ist alles gut. Abraxas und ich hatten eine kleine Auseinandersetzung und ich bin gestürzt und er hat getan, als würde ich im Sterben liegen." sie verdrehte die Augen gespielt. Die Lüge kam leicht über ihre Lippen. Was sonst sollte sie auch sagen?
‚Abraxas hat mich gefoltert, weil Tom Riddle es ihm befohlen hat, nachdem mein Bruder sich geweigert hatte' ? Wohl kaum wäre das die richtige Antwort, die ihre Freundinnen beruhigen würde.
Skeptisch nickte Mony und Endira zog die Augenbrauen etwas hoch. Beide jedoch fragten nicht weiter nach. Lucretia war stur, wenn sie etwas nicht erzählen wollte und das wussten auch sie.
Als Rufus die Halle betrat, sprang sie nahezu auf um den Raum zu verlassen. Sie spürte wie ihre Wangen sich röteten und verwirrt sahen ihre Freundinnen und einige andere Slytherins sie an.
„Ich fühle mich unwohl, entschuldigt." murmelte sie und lief schnell aus der Großen Halle.
Ziellos lief sie umher. Es war noch Zeit bis zum Unterricht und die erste Stunde würde sowieso frei sein wie immer. Nach einer Weile lief sie also in die Bibliothek. Kaum als sie diese betreten hatte, sah sie auch schon Rufus an einem der Tische, in einer hinteren Ecke, lernen. Sie seufzte leise und raffte sich dann auf zu ihm zu gehen. Er war allein.
„Guten Morgen" meinte sie beinahe etwas heiser.
Der junge Mann sah von seinem Buch auf und antwortete kühl „Guten Morgen." ehe er den Blick wieder auf das Buch richtete.
Irritiert von der Reaktion setzte sie sich langsam zu ihm.
„Ich wollte über Gestern reden" murmelte sie. Der Lestrange atmete genervt aus und klappte das Buch hörbar zu.
„Hör zu. Das Gestern war nur zu meinem persönlichen Vergnügen. Ich bin nicht dein Freund und war es auch nie. Wir werden niemals Freunde sein. Ich hatte lediglich den Auftrag dazu dich zu uns zu führen." Erläuterte er kalt.
Etwas in ihr brach. Sie hatte keine Gefühle für ihn, doch sie hatte an ihre Freundschaft geglaubt. Sie hatte ihm vertraut. Er hatte sie verraten. Noch mehr als Malfoy es getan hatte. Ihre Augen wurden glasig vor Wut.
„Du arroganter Mistkerl!" fauchte sie und stand auf.
Rufus hingegen lachte nur falsch und erwiderte „Wie schade, dass du nicht meine Verlobte bist, dein Körper ist recht ansehnlich und du warst recht gut im Bett. Malfoy kann sich glücklich schätzen."
Ohne nachzudenken landete ihre Hand mit einem Knall auf seiner Wange. Zu ihrem Glück saß niemand Nahe genug, um es zu hören oder zu bemerken. Der dunkelhaarige lachte nur, als sie sich schon umdrehte und aus der Bibliothek lief.
Warme Tränen liefen über ihre Wangen, als sie ihr Zimmer betrat und sie kauerte sich auf ihrem Bett zusammen. Was hatte sie nur getan?
Bevor sie weiter in Selbstmitleid versinken konnte, öffnete sich schwungvoll die Tür.
„Wie konntest du nur mit Lestrange schlafen, du Hure?!" schrie jemand aufgebracht und knallte die Tür hinter sich zu.
Sie wusste genau dieser jemand war kein anderer als Abraxas und dies würde wohl der Tag ihres Todes sein.
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Hidden Secrets// Harry Potter FF
Fanfiction„Wie lange soll es noch so weiter gehen?" - „Solange wie ich sage, dass es weiter geht" 1945 Das letzte Schuljahr von Lucretia Black und ihrem Bruder Orion. Als stolze Slytherin will sie sich voll und ganz auf die Schule konzentrieren, doch passier...
