Der Zug war wie immer überfüllt mit Schülern. Erstaunlich viele von ihnen fuhren über Weihnachten nach Hause. So saß sie neben Malfoy in einem Abteil gemeinsam mit ihrem Bruder und Riddle, der zu ihrer Überraschung ebenfalls Weihnachten bei Ihnen verbrachte.
Normalerweise war er immer bei den Malfoys, aber da Abraxas ja nicht von ihrer Seite weichen wollte, hatten ihre Eltern auch Tom eingeladen.
Etwas gelangweilt sah sie aus dem Fenster und beobachtete die von Schnee vereiste Landschaft. Malfoy hatte seinen Arm erst um sie legen wollen, aber ließ es dann, als er ihre Anspannung spürte.
Dem Gespräch der Jungen lauschte sie kaum, vielmehr versank Lucretia in ihren Gedanken.
Wäre alles so gekommen, hätte sie am Anfang des Schuljahres nie dieses Abteil betreten? Wer weiß. Wahrscheinlich wäre sie so oder so neugierig geworden und eins hätte zum anderen geführt.
„Freust du dich auf zu Hause?" fragte Orion seine Schwester mit einem liebevollen Lächeln.
„Ja natürlich...Mutter vermisst uns bestimmt auch schon wieder schrecklich" gab sie mit einem leichten Lächeln zurück.
Ihre Mutter hatte schon immer ein besonders enges Verhältnis zu den Zwillingen gehabt, auch mit ihrem Vater kamen sie gut aus, doch ihre Mutter war anders. Sie war wärmer und liebevoller, als ihr Vater. Ihre Mutter war eine typische Gryffindor, auch wenn man es nicht denken würde. Obwohl die Geschwister beide durch und durch Slytherin waren, war ihre Mutter eine Löwin gewesen. Sie hüteten dies als ein kleines Geheimnis der Familie, aber Lucretia empfand die Tatsache nicht einmal als schlimm.
„Das stimmt wohl" riss Orions Stimme sie aus ihren Gedanken. Erneut blickte sie aus dem Fenster und sah den Zug in den Bahnhof einfahren. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf ihre rosigen Lippen und sie nahm kaum wahr, wie die jungen Männer sich erhoben und das Gepäck nahmen. Sie spürte wie eine Hand die ihre ergriff und schon allein bei der Berührung, wusste sie dass es Malfoy war. Kurz überlegte sie etwas zu sagen, aber verwarf den Gedanken daran sofort wieder.
„Kommst du, mein Herz?" fragte Abraxas ruhig, fast mit liebevollem Unterton.
Manchmal hatte sie das Gefühl er spielte diese Seite von sich gar nicht mal mehr. Sie hatte oft schon überlegt, ob er sie vielleicht wirklich liebte, aber immer wenn sie meinte sich sicher zu sein, bewies er ihr mit seinen Grausamkeiten das Gegenteil.
Trotzdessen nickte sie auf seine Frage hin leicht und schenkte ihm ein mattes Lächeln. Sie war glücklich bald wieder zu Hause zu sein und würde sich das nicht kaputt machen, indem sie ihn verärgerte.
Als sie aus dem Zug stiegen, sah sie ihre Eltern schon am Bahnsteig warten. Abraxas half ihr charmant hinaus und bevor er etwas sagen konnte, ließ sie seine Hand los und lief einfach zu ihrer Mutter, welche sie liebevoll umarmte.
Normalerweise tat sie das nicht in der Öffentlichkeit. Ihre Eltern wirkten nach Außen gerne unnahbar, aber ihre Mutter erwiderte die Umarmung, ganz als merke sie, dass etwas nicht stimmte.
Als sie sich löste, umarmte auch Orion ihre Mutter und sie musste feststellen, dass auch Abraxas und Tom bereits zu ihnen gestoßen waren. Ihre Eltern kannten Orions Freunde bereits und ihre Mutter begrüßte sie ebenso herzlich, wie ihre eigenen Kinder.
Ihr Vater war weniger erpicht auf körperliche Nähe, aber das Lächeln und der warme Glanz in seinen Augen verriet, dass auch er durchaus glücklich war seine Kinder zu sehen. Ihre ganze Familie besaß die gleichen Augen. Alle ein tiefes, smaragdgrün umrahmt von dunklen langen Wimpern. Die Haarfarbe unterschied sich nur bei ihrer Mutter, welche etwas hellere braune Haare hatte, als der Rest der Familie.
„Wollen wir los?" schlug Orion vor.
Ihr Vater nickte „natürlich."
Und schon apparierten sie mithilfe ihrer Eltern zu dem Anwesen der Blacks.
Ein wohliges heimisches Gefühl durchfuhr sie, als sie die Eingangshalle betraten. Abraxas hatte bereits wieder ihre Hand genommen, aber das störte sie wenig. Viel zu euphorisch genoss sie es zu Hause zu sein. Sie liebte Hogwarts schon immer, doch im letzten halben Jahr, war vieles anders gewesen und sie freute sich, trotz Abraxas Anwesenheit etwas Abstand davon zu haben.
Ihre Eltern wussten bereits von ihrer Beziehung. Natürlich nicht, dass diese nicht im einvernehmen bestand, aber Orion hatte eine glaubwürdige Geschichte erfunden, wie es dazu gekommen war. Zu ihrer Überraschung waren ihre Eltern durchaus erfreut gewesen. Sie kannten Abraxas schon als Kind, er war reinblütig und von einer alten Zaubererfamilie, genau wie sie und er wirkte stets höflich und charmant. Für ihre Eltern war er wohl der perfekte Partner für sie. Nur Orion, Abraxas und sie selbst kannten die Wahrheit. Es war ein Wunder, dass Tom nicht misstrauisch geworden war, aber es war ihm wahrscheinlich schlicht und einfach egal.
Sie löste sich von dem Blonden und entschuldigte sich, dass sie in ihr Zimmer gehen und sich ausruhen würde.
„Komm bitte vor dem Abendessen in mein Arbeitszimmer wir müssen noch etwas besprechen, Liebes" bat ihr Vater und ihre Mutter nickte zustimmend.
Lucretia nickte leicht und verschwand dann ohne weiter darüber nachzudenken. Sie lief die Treppen hinauf, ein paar Flure entlang und betrat ihr großes Zimmer. Augenblicklich ließ sie sich auf ihr weiches Himmelbett fallen und schloss die Augen einen Moment. Tief atmete sie durch. Es war dieser bestimmte Geruch, den man stets wahrnahm, wenn man nach langer Zeit wieder nach Hause kam.
Einen Moment lang versank sie einfach in Gedanken. Wie oft hatte sie hier neben ihrem Bruder geschlafen, da sie als kleines Mädchen stets Angst gehabt hatte, allein im Dunkeln zu sein. Immer war Orion zu ihr geschlichen und hatte sich zu ihr gelegt, sie in den Arm genommen und war mit ihr gemeinsam eingeschlafen.
Der Regen prasselte laut gegen die Fensterscheiben. Ein Lichtblitz durchzog den Himmel dicht gefolgt von einem tiefen, lauten Grollen. Lucretia zitterte am ganzen Körper und Tränen liefen über ihre Wangen. Mit einem leisen Knarren öffnete sich ihre Tür und sie blickte zu dem unerwarteten Gast.
„Nicht weinen, Lu" meinte ihr Bruder leise und schloss die Tür.
„Aber ich habe Angst" erwiderte das Mädchen zittrig. Ihr Bruder krabbelte zu ihr ins Bett und umarmte sie liebevoll. „Das musst du aber nicht...Mutter sagt immer der Blitz ist nur ein Lumos von unseren Ahnen, die uns sagen wollen, dass sie auf uns Acht geben und der Donner ist ihr Jubeln für alles was wir richtig machen."
Das kleine Mädchen nickte wenig überzeugt und murmelte „bleibst du bei mir?" worauf sie nur ein Nicken bekam. Sie legten sich hin und fielen in einen tiefen, ruhigen Schlaf...
„Miss Black, Miss Black"
Sie schreckte auf und sah in das Gesicht eines Hauselfen.
„Ihr Vater wünscht sie zu sehen, Miss" meinte dieser unschuldig.
Verschlafen fuhr sie sich durchs Haar. Das hatte sie ganz vergessen.
„Ich komme gleich" meinte sie etwas durcheinander und mit einem plopp verschwand der Elf auch schon.
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Hidden Secrets// Harry Potter FF
Fanfiction„Wie lange soll es noch so weiter gehen?" - „Solange wie ich sage, dass es weiter geht" 1945 Das letzte Schuljahr von Lucretia Black und ihrem Bruder Orion. Als stolze Slytherin will sie sich voll und ganz auf die Schule konzentrieren, doch passier...
