Elenor Dorenis. Ich hatte für sie gearbeitet, mir ihre Sorgen und Nöte angehört und schließlich mein Leben für ihres gegeben. Sie stand auf einem kleinen Podest neben einem fremden Mann, der das Kinn hob und seine Hand an das Schwert legte, das er trug. Sie wirkte unverändert.
„Sind sie das?", forderte er eine Antwort des Befehlshabers, der nach uns eintrat. An seiner Stimme ließ sich keine Melodie heraushören. Sie klang weit entfernt, als würde sie einem anderen Wesen, aber nicht dem Mann gehören.
„Ja, mein Herr." Der Oberbefehlshaber verbeugte sich und scheuchte uns vor.
Ich zog den Kopf ein, prüfte die Länge meines Haares und die Bandagen, die meine Brust schmälerten. Elenors Blick lag auf mir. Ich spürte, wie sie uns inspizierte, so wie sie ihre mit Edelsteinen besetzten Schmuckstücke im Palastgarten untersucht hatte.
Obgleich sie unverändert wirkte, zuckte sie zusammen, als der Mann an ihr vorbei und auf uns zu schritt. „Was ist an diesem da besonders?"
Der Junge neben mir schrumpfte zusammen. Der Mann vor uns strich sich die schwarzen Haare hinters Ohr und verschränkte die Arme vor der Brust, die sich sichtbar hob. Wo waren die Adligen Operras? Müssten sie nicht ihren Sieg über den Norden und Laris Gefangenschaft feiern? Die Nordmänner hatten sie jedenfalls nicht ausgelöscht, also wo versteckten sie sich?
Unser Befehlshaber räusperte sich und hielt die Faust vor seinen Mund. „Für sein Alter ist er sehr geschickt mit dem Schwert, hat sogar einen Eurer Männer entwaffnet."
„Interessant." Der schwarzhaarige Herrscher wandte sich mir zu. „Und der hier?"
„Nun ja ... Er mag kein hervorragender Kämpfer sein, aber für seine schwächliche Statur ist er recht zielsicher ..."
„Du klingst nicht überzeugend", knurrte der Herrscher des Südens, doch seine Worte brannten nicht halb so schlimm auf mir wie Elenors grüne Augen. Sie entfachten ein Feuer auf meiner Haut, das sich meinen Rücken hinauf zu meiner Kopfhaut bahnte. Das Prickeln war kaum auszuhalten.
„Er ist der letzte Überlebende der Pelero Familie aus Birla", erklärte unser Ausbilder und Elenor bequemte sich das Podest hinab, legte den Kopf schief. Ein feines Lächeln umspielte ihre Lippen. „Außerdem besitzt er einen Griva."
„Interessant, aber wo ist dann sein Griva?" Der Herrscher des Südens stolzierte bedacht an uns vorbei. „Bringt seinen Griva her! Ich will ihn sehen!"
Ich erschauderte. Mehrmals. Wie das Gras, das sich unter dem stürmischen Wind neigt, duckten wir uns, während uns ein einzelner Mann umkreiste. Keiner der anderen wagte es, sich zu regen oder aus der Reihe zu brechen. Der fremde Herrscher besaß Macht über uns, obgleich er niemanden berührte oder bedrohte. Seine Präsenz allein zwang uns in die Knie. In einer Welt voller Herrscher und Herrscherin gehörte er zu denjenigen, die die Menschheit fürchtete, nicht respektierte.
„Bringt mir seinen Griva!", wiederholte er sich und seine Stimme verdunkelte sich. „Und holt Nattfari und Gry! Ich will sehen, was das für ein Adelssohn aus Birla ist."
Meine Muskeln rissen an Haut und Gelenken. Nattfari würde mich wiedererkennen. Meine Tarnung war so gut wie aufgeflogen.
Während die anderen beiden Männer gemeinsam mit dem Oberbefehlshaber den Saal räumen mussten, drang von draußen Gezeter hinein. Ich wusste nicht wann und wie sie Teemu in Ketten gelegt hatten, doch nun zerrten sie ihn in den herrschaftlichen Saal. Schnappend und knurrend wehrte er sich, versuchte seine Flügel aus den Schlingen zu lösen, aber das Dutzend Soldaten behielt ihn unter Kontrolle.
Ich wollte schreien, blieb aber still.
Kurz darauf schritten Nattfari und eine feuerrote Griva durch die großen Türen. Gry hatte ihr Herrscher sie genannt und dieses gigantische Biest stand Luina in nichts nach. Ihre orange und gelb gefiederten Flügel hätten Nattfari in seiner Gänze ummanteln können. Statt eines Halskragens, wie ihn die meisten Griva besaßen, stellte sie ihre Zwillingsfederkämme auf ihrem Kopf auf. Sie wirkte gefährlich wie eine Harpyie und schummelte sich an mir vorbei zu ihrem Reiter, dessen Namen ich noch immer nicht erfahren hatte.
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Griva - Die Windreiter
Fantasy~Caja sieht ihre Welt brennen, doch statt die Feuer zu löschen, schließt sie sich dem Brandstifter an~ Ein grausamer Fremder, der ihr Henker sein könnte. Ein Fremder, der ihr eine Chance gibt. Ein Fremder, in dem sie mehr vermutete als die schiere G...
