Dangerous (2)

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Magnus

Am Morgen wache ich durch die Sonnenstrahlen, die mein Gesicht kitzeln, auf. Noch bevor ich meine Augen öffne, bildet sich ein Lächeln auf meinen Lippen. Ein glückliches, zufriedenes Lächeln. Ich drehe mich auf der großen Couch, doch Alecs Körper kann ich neben mir nicht mehr wahrnehmen. Das ist der Moment, in dem das Lächeln schlagartig von meinem Gesicht abfällt. Ich muss all das, was mich in dem Augenblick glücklich macht, vergessen. Wie konnte ich dem überhaupt nachgeben? Meine Freunde machen sich vermutlich schreckliche Sorgen und ich verbringe eine schöne Nacht mit Alec Lightwood. Was habe ich mir dabei gedacht? Ich muss zugeben, gestern Abend habe ich nicht nachgedacht. Ich habe mich von meinen Gefühlen leiten lassen. Das konnte ich schon immer gut und es hat mir immer wieder Steine in den Weg geworfen.
Aber andererseits, ich hätte sowieso nichts tun können. Und anstatt hier zu sitzen und mich selbst zu bemitleiden, habe ich eben Spaß, auch wenn ich die Konsequenzen noch nicht kenne.
Ich setze mich auf und spüre bereits meine erste Auswirkung dieser Nacht, aber ich bereue trotzdem noch nicht. Noch nie habe ich so intensiv gefühlt und das habe ich auch gezeigt.
Erschrocken zucke ich zu einer der Türen, die plötzlich aufgeht, doch nicht Alec steht im Türrahmen, sondern ein älterer Mann. Er sieht sehr freundlich aus und dennoch überkommt mich ein beschämtes Gefühl. Er muss uns gehört haben. Wird auch er alles vergessen? Oder vielleicht kommt das öfters vor und ist bereits üblich für ihn. Ein Stich durchsetzt mein Herz. Ich war vermutlich gar nicht sein einziger One-Night-Stand. Und noch schlimmer ist, dass es mich tatsächlich ein Stück verletzt.

„Ah ... Mr..", beginnt der Mann und holt mich sofort wieder aus meinen selbstbemitleidenden Gedanken, die sowieso nicht angemessen waren. „Bane.", erwidere ich, ohne darüber nachzudenken. Sollte ich ihnen wirklich meinen Nachnamen verraten? Sollte ich überhaupt mit diesem Mann sprechen? Er scheint eine Art Angestellter zu sein und bin ich nicht eigentlich eher etwas wie eine Geisel?
„Aber Magnus reicht vollkommen.", winke ich ab und ziehe das dünne Bettlaken näher um meinen Körper. „In Ordnung, Mr. ... Magnus.", lächelt er, was mich nicken lässt. Ich bin froh, dass es auch freundliche Menschen hier gibt, auch wenn ich dachte, Alec ist hier alleine. Darüber, wer das Schiff lenkt, habe ich nicht nachgedacht.
„Ich hoffe, Sie sind wohl auf nach dieser Nacht." Er stellt eine der Vasen auf den schiefen Tisch und lächelt mich an. Erst jetzt bemerke ich das Chaos, das wir gestern veranstaltet haben. Tisch verschoben, Vase umgestoßen, Bilder von der Wand geschmissen, Kissen und Kleidung im Raum verteilt. Meine Wangen färben sich rosa und mein Blick wandert wieder in sein freundliches Gesicht. „Das Gewitter gestern.", hilft er mir auf die Sprünge, wodurch ich jegliche Farbe sofort wieder verliere. Ich dachte, er meinte unsere Aktivität, doch natürlich das Gewitter, das ich nicht einmal bemerkt habe. Es war stürmisch, ja, aber dass es draußen auch so war, entging mir.
„Brauchen Sie noch etwas, Magnus?" Ihn scheint es wirklich nicht zu stören. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie oft er das bereits mitangehört hat.
„Nein, aber vielen Dank.", lächle ich, was ihn freundlich nicken lässt. „Mr. Starkweather, zwei Mal Kaffee bitte nach draußen auf den Tisch. Danke." Alec betritt den Raum und der alte Mann, wie ich richtig angenommen habe ein Angestellter, nickt sofort und verlässt den Raum.

„Mir gefallen deine Haare, Magnus." Er zeigt auf meinen Kopf und geht einmal um die Couch herum, um die Glastüren zu öffnen. „Die hast allerdings du so hergerichtet.", lächle ich belustigt und drehe mich zu ihm, als sein Gesicht plötzlich eine ernste Mimik annimmt. Sofort fällt auch mein Lächeln von meinem Gesicht. „Daran erinnere ich mich wohl nicht.", gibt er kalt von sich und geht dann nach draußen, um sich an einen runden Tisch zu setzen, an dem zwei Stühle stehen.
„Zieh dir etwas an und setz dich dann zu mir.", erteilt er mit fester Stimme, ohne sich umzudrehen. Verwirrt sehe ich ihn an, auch wenn ich nur seinen Hinterkopf und Rücken sehe. Ich kann ihn nicht einordnen. Anfangs hatte ich Angst vor ihm, ich dachte, er ist ein Ungeheuer. Als nächstes war er sehr freundlich und lieb, hat mir geholfen. Dann war er dominant und gleichzeitig so sanft, dass er mir nicht wehtut. Und jetzt ist er wieder kalt und eingeschlossen. Vermutlich sollte ich ihn nicht einordnen, denn irgendwann komme ich hier wieder nach Hause und kann hoffentlich mit meinem Leben fortfahren. Dann interessiert es mich nicht mehr, welchen Charakter er hat und das sollte es jetzt auch nicht.
Ich wickele mir das Bettlaken um den Körper, sammele meine Kleidung zusammen und gehe zurück in 'mein' Zimmer. Nachdem ich gestern herausgefunden habe, dass es hier eine Dusche gibt, steige ich kurz unter die Dusche, um mich von diesem falschen dreckigen Gefühl zu befreien. Doch leider hilft es nicht lange, denn so wie er meinen Körper markiert hat, werde ich noch lange an diese Nacht erinnert werden. Ich hätte mich von ihm nicht verführen lassen sollen und dessen bin ich jetzt sehr bewusst. Es wird mir nicht mehr passieren und sollte ich auf der Kippe stehen, erinnere ich mich einfach daran, dass ich nicht sein einziger bin. Ich war eben immer schon ein Mensch nur für eine Seele und das erwarte ich auch von meinem Partner.

Malec Oneshots & Short storys (german)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt