Doppeltes Glück?(9)

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Alec


„Also, Rafael. Können wir kurz mit dir sprechen? Es ist uns sehr wichtig.", nehme ich unseren Sohn an der Hand und setze mich mit ihm auf die Couch. Magnus kniet sich vor uns. „Rafael, ich ... wir, du ...", versuche ich zu erklären, finde aber nicht die richtigen Worte, um zu erklären. Mein Verlobter legt mir beruhigend seine Hand auf meine und wirft mir einen liebevollen Blick zu, um sich dann Rafael zuzuwenden. „Du bekommst einen kleinen Bruder oder Schwester.", strahlt Magnus, während meine Aufmerksamkeit ganz auf ihm liegt. Und auch wenn ich die Reaktion unseres Sohnes gerne sehen würde, kann ich meinen Blick von seinem glücklichen Lächeln nicht abwenden. Ich liebe es, wenn er so glücklich ist.
„Bruder?", höre ich Rafe fragen, was mich schlussendlich doch zu ihm sehen lässt. „Oder Schwester.", flüstere ich. Wir wollten das Geschlecht nicht wissen, sondern uns überraschen lassen.
Vorsichtig nehme ich Rafaels Hand, schiebe mein T-Shirt ein Stück hoch und lege sie auf meinen runden Bauch. Er hat sich nie gewundert, warum ich etwas zugelegt habe, aber darauf wird ein vierjähriger vermutlich auch nicht schauen. Verwundert sieht er auf seine Hand auf meinem Bauch. Momentan scheint das Baby zu schlafen, denn ich spüre keine Tritte – diese Zeit genieße ich besonders, denn sonderlich angenehm ist das nicht.
„Schwester?", fragt er wieder, was mich lächeln lässt. Ich weiß nicht, ob er versteht, was das bedeutet, aber ich würde es mir wünschen. Ich würde mir wünschen, dass er es versteht und sich irgendwie darauf einstellt, dass er bald nicht mehr alleine sein wird und unsere Aufmerksamkeit nicht nur auf ihm liegen wird.

„Wir bekommen ein Baby.", hauche ich glücklich, als es auch schon an der Tür läutet. Ich fahre Rafael einmal durch die Haare und stehe auf, um mir ein Sweatshirt aus dem Ankleidezimmer zu holen. Als ich zurückkomme sitzt die schwangere Clary mit Simon auf dem Sofa. Jace unterhält sich mit Magnus und Isabelle hockt am Boden und hält Maia, meine Nichte. Rafael ist ganz verzaubert von ihr, weswegen er auch jetzt neben ihnen sitzt und das lachende Mädchen begeistert anstarrt.
„Hallo, Brüderchen.", strahlt meine Schwester, als sie mich entdeckt. Auch die anderen sehen zu mir und ich stelle mich neben Magnus. „Was gibt's neues?", fragt Jace brüderlich, der mit einem Wasserglas in der Hand neben uns steht. „Bruder.", zeigt Rafael strahlend auf meinen Bauch, was mich geschockt zu ihm sehen lässt. Mein Blick wandert zu Magnus, welcher bloß lachen muss. „Ich hätte mir nicht gedacht, dass er uns verrät.", schmunzelt er und legt seinen Arm um meine Taille. „Was?", sieht Izzy verwirrt vom Boden zu uns auf. Nun muss ich ebenfalls leicht lächeln und hebe meinen Pulli ein Stück an, um meinen runden Bauch zu entblößen. „Ihr seid wieder schwanger?" Meine kleine Schwester steht auf, drückt Simon ihr Baby in die Arme (vorsichtig natürlich) und wirft sich in meine Arme. „Wie toll.", strahlt sie aufgeregt. „Seit wann wisst ihr es?"
„Kannst du dich daran erinnern, als ich dir erzählt habe, dass ich einen Magen-Darm-Virus habe? Der Tag nach dem Abendessen?", frage ich lächelnd und bemerke, wie sie versteht. „Du hast mich angelogen. Ich wusste es!", freut Izzy sich. „Dann herzlichen Glückwunsch, Leute!" Jace klopft uns brüderlich auf die Schulter und auch seine Freundin meldet sich. „Ich hoffe, dass er genauso gesund auf die Welt kommt wie Rafael." Sie will aufstehen, doch schnell gehe ich auf sie zu und hindere sie dabei. Stattdessen setze ich mich neben sie. „Danke.", haucht sie nebenbei, denn tatsächlich ist sie schon ende des achten Monats. „Ahm ... wir wissen gar nicht, ob es ein Bruder wird. Wir wollten uns überraschen lassen.", erkläre ich verlegen. „Oh, naja ist auch gut. Hatte ich auch in Erwägung gezogen, aber Jace war dafür zu ungeduldig.", zuckt die rothaarige mit ihren Schultern, was mich schmunzeln lässt.

„Und ... wir wissen nicht, ob es unserem Baby gut geht. Also schon, aber der Arzt hat uns bei der letzten Kontrolle gesagt, dass es nicht auf dem Entwicklungsstand ist, auf dem es sein sollte. Aber das ist nicht schlimm und es kann sich noch ändern und wir sollen uns keine Sorgen machen.", hänge ich schnell und nervös an. Natürlich mache ich mir Sorgen. „Ich bin mir sicher, Rafaels Bruder oder Schwester wird ebenfalls gesund zur Welt kommen. Das habt ihr verdient. Warum sollte es sonst überhaupt passieren?" Izzy lächelt liebevoll. Überhaupt ist sie so fürsorglich und mütterlich geworden seit Maia und der Schwangerschaft. Ich erkenne sie fast nicht wieder. Als Teenager war sie so anders.
„Ja, ah, hoffentlich.", murmele ich und spüre wenig später eine warme Hand an meiner Schulter. Magnus'. Ich sehe auf und in ein liebevoll lächelndes Gesicht.
„Und wie geht es dir, Clary?", richte ich mich an die Freundin meines besten Freundes. „Ganz gut eigentlich.", lächelt sie überrascht.
Den restlichen Tag ist unser Hauptthema 'Schwangerschaft'. Was sie bei uns die letzten Monate verpasst haben und was Unterschiede zwischen Clary und mir sind, wobei Izzy natürlich auch mitmischt.

„Es war doch ein schöner Tag.", lächelt Magnus, nachdem wir Rafael niedergelegt und uns schlaffertig gemacht haben. „Ja, sie haben es super aufgenommen.", nicke ich schläfrig. „Ich liebe euch.", haucht mein Verlobter. „Euch drei. So sehr." Ich muss schmunzeln, während ich mich zu ihm kuschele. Und gerade, als ich dabei bin einzuschlafen, spüre ich, wie unser Baby aufwacht und mich nicht zur Ruhe kommen lässt. Ich seufze verzweifelt, was Magnus verwirrt zu mir sehen lässt. Ich nehme seine Hand und lege sie auf meinen Bauch. „Oh.", macht er, drückt mir einen Kuss auf die Wange und schiebt die Decke von mir, um sich nach unten zu legen. Er legt seine flache Hand auf meinen Bauchnabel und verteilt sanfte Küsse, was mich schmunzeln lässt. Ich vergrabe meine Finger in seinen wirren Haaren und genieße das Gefühl seiner Nähe und den Moment. Doch nicht lange, denn meine Müdigkeit siegt und lässt mich in einen friedlichen Schlaf verfallen.


Magnus


Ich schrecke aus dem Bett hoch und sehe mich schwer atmend in unserem Schlafzimmer um. Alles ist dunkel, doch nicht alles ist normal. Für gewöhnlich wacht Alec auch auf, wenn ich einen Albtraum habe und tröstet mich, doch er liegt weiterhin regungslos neben mir. „Alec.", versuche ich ihn sanft aufzuwecken. Es war ein schrecklicher Traum. Wir haben unser Kind verloren. Ich würde gerne von ihm hören, dass es nicht passiert ist und auch nicht wird, doch er lässt sich nicht wach kriegen. Ich drehe die Stehlampe auf meinem Nachttisch auf und merke, dass es sich unter mir nass anfühlt. Verwirrt schlage ich die Decke weg und wenige Sekunden später verfalle ich in Schock. Das weiße Leintuch unter uns ist Blut durchtränkt. Ich versuche noch ein weiteres Mal Alec aufzuwecken, jedoch erfolglos. Schnell greife ich zu meinem Handy und rufe die Rettung, während ich seinen Puls checke, der gleichmäßig pulsiert. Ich erkläre die Situation, auch wenn mich niemand versteht und lege auf. Sie werden gleich hier sein, auch wenn sie mir keinen Glauben schenken.
Ich lege Alec in die stabile Seitenlage, da ich vermute, dass er bewusstlos ist und ich nicht möchte, dass noch etwas schlimmes passiert. „Es wird alles gut.", flüstere ich verzweifelt und lehne meine Stirn an seinen Kopf, bevor ich den Motor eines Autos höre.

Malec Oneshots & Short storys (german)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt