Dangerous (4)

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Magnus

Vier Jahre später

Gerade gehe ich Hände haltend mit meinem Freund die Straße entlang, als wir bemerken, wie drei Autos einen Unfall bauen. „Wir sollten verschwinden, Magnus.", murmelt Andrew, doch ich halte ihn neben mir. „Warte doch kurz." Ich beobachte, wie ein gutgebauter schwarzhaariger Mann aus einem der Autos klettert und mit einer Pistole auf einen der anderen Männer zielt, der scheinbar gerade entkommen will. Sofort ist auch die Polizei anwesend und zielt auf alle an dem Unfall beteiligten, außer dem, der blutend auf dem Boden liegt. Sein Auto wurde zwischen den anderen zerquetscht und auch er hat etwas davon abbekommen.
Die Polizisten nehmen einen der Männer fest, die Rettung kümmert sich um den Mann am Boden und der schwarzhaarige sieht sich neugierig in der Menschenmasse um, als würde er jemanden suchen. Als er mich entdeckt, steckt er seine Waffe in den Gürtel und kommt auf mich zu. Die Menschen, die um uns stehen lichten sich wieder etwas und auch Andrew will mich wegziehen. „Warum kommt er zu uns? Gehen wir lieber."
Ich bleibe stehen und warte, bis der mir sehr bekannte Mann vor mir zum Stehen kommt. „Können wir Ihnen irgendwie helfen?", fragt mein Freund gespielt freundlich, während er seinen Arm um meine Schultern legt. Ich löse unsere verschränkten Hände langsam und hole aus, um Alec eine Ohrfeige zu verpassen. „Magnus! Was soll der Scheiß?!", ruft Andrew erschrocken aus, während ich meine Hand schüttele. Ich schätze, das hat mir mehr weh getan als meinem Gegenüber. „Das habe ich wohl verdient.", flüstert Alec. „Arschloch!" Gereizt drehe ich mich um, doch werde an meinem Handgelenk aufgehalten. „Ich habe zwar keine Ahnung, was zwischen euch vorgefallen oder woher ihr euch kennt, aber fass meinen Freund nicht an." Andrew stellt sich leicht vor mich, was Alec lächeln lässt.

„Ich würde mich gerne erklären, Magnus. Bitte, kann ich mit dir unter vier Augen sprechen?", bittet mich Alec, doch ich schüttele den Kopf. „Warum lässt du mich nicht einfach in Ruhe? Du bist einfach gegangen! Du hast deinen Tod vorgetäuscht! Du hast mir mein Herz gebrochen! Ich dachte, ich bekomme keine Luft, als ich diesen scheiß Zeitungsartikel gelesen habe! Ich habe versucht dich zu vergessen. Ich habe Jahre gebraucht, mein altes Leben wieder aufzunehmen. Ich habe einen Freund, der mich liebt und der alles für mich tut. Und jetzt stehst du vor mir und willst was von mir? Vielleicht einen weiteren One-Night-Stand? Oder vielleicht willst du mich wieder aus meinem Leben reißen, um mich dann einfach wieder fallen zu lassen? Das ist nicht fair. Du kannst nicht einfach wieder hier sein und so tun als wäre nichts passiert." Ich habe keine Kraft mehr zu schreien und er hat es auch nicht verdient, dass ich ihm meine Aufmerksamkeit schenke. „Magnus. Wer ist dieser Mann?", fragt Andrew mich besorgt und streicht über meinen Arm. Sauer sehe ich Alec an und bin fest entschlossen, dass es mir egal ist, ob ich ihn jetzt verrate oder nicht. Das ist dann schließlich nicht mehr mein Problem. „Das ist Alec Lightwood.", flüstere ich, was Andrew erschrocken aufatmen lässt. „Warum ... warum hast du eine Vergangenheit mit Alec Lightwood? Weißt du, vielleicht ist es besser, ich gehe. Ruf mich später an, damit ich weiß, dass es dir gut geht." Andrew nimmt es so hin, drückt mir einen Abschiedskuss an die Wange und geht.
Lange ist es still zwischen Alec und mir. Ich bin einfach nur sauer und traurig. So lange habe ich versucht ihn zu vergessen und jetzt hat er diese Wunde einfach grob wieder aufgerissen. Warum konnte er mich nicht einfach ignorieren und wieder gehen? Das wäre auf jeden Fall für mich leichter gewesen.

„Ich bin nicht einfach gegangen, Magnus.", beichtet mir Alec, doch ich höre ihm gar nicht zu. „Es war nicht leicht für mich. Außerdem habe ich dir eine Nachricht hinterlassen. Walter hat gesagt, du hast sie gelesen."
„Dass ich gehen soll? Du hast mich rausgeschmissen." Abschätzig sehe ich ihn an, auch wenn ich meinen Blick lieber abwenden würde. „Du weißt, welche Nachricht ich meine. Ich hätte so gerne deine Reaktion gesehen.", schwärmt er, doch ich schüttele bloß den Kopf. „Das ändert nichts."
„Für mich ändert das einiges. Ich habe vor dir noch nicht geliebt, Magnus. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte, doch ich wusste, dass ich wollte, dass du glücklich bist und das warst du bei mir nicht. Du wolltest nach Hause und das habe ich dir gegeben.", erklärt Alec. „Nein. Du konntest nicht wissen, was ich wollte. Ich hatte akzeptiert, bei dir zu bleiben. Ich war glücklich. Du hast mich so glücklich gemacht und als ich am glücklichsten war, bist du gegangen und hast mich fallen lassen. Du hast mich in ein tiefes Loch fallen lassen, aus dem ich die letzten Jahre versucht habe, wieder herauszuklettern, um wieder glücklich zu sein." Ich versuche so gefühlslos wie möglich zu erscheinen, doch seine Nähe macht mich wahnsinnig.
„Aber du hast es doch geschafft. Mit deinen Freunden, die du bei mir so vermisst hast und ... Andrew? Ihr passt bestimmt perfekt zusammen.", lächelt er, während ich abschätzig den Kopf schüttele und ein weiteres Mal aushole, doch er ist schneller und hält mein Handgelenk fest. „Einmal habe ich es verdient, aber keine zwei Mal. Außerdem tut es dir mehr weh als mir."
„Ich hasse dich! Ich dachte, wir passen perfekt zusammen!", schreie ich, weshalb mich Alec abrupt näherzieht und mir seinen Zeigefinger an den Mund legt. „Nicht so laut.", flüstert er, während ich ihn perplex ansehe. Seine Berührung fühlt sich so gut an. Ich bin nach wie vor so süchtig nach ihm.

Ich lehne mich leicht nach vorne und möchte seine Lippen an meinen spüren. Nur kurz. Doch er weicht mir aus. „Das ist falsch."
„Jede Interaktion, die ich mit dir austausche, ist falsch.", gebe ich gereizt von mir und stoße ihn von mir, doch wieder hält er mich fest. Während er mich ein weiteres Mal ruckartig zu sich zieht murmelt er: „Du hast recht." Er presst seine Lippen auf meine und lässt seine Hände in meine Haare wandern. Ich kralle meine Hände in sein Shirt und hoffe so, dass er mich nie wieder verlässt. Ich ignoriere alle um uns herum und konzentriere mich nur auf Alec und unsere Berührungen. Ich habe ihn so vermisst. Es hat mich innerlich zerrissen.
„Walter hat mir erzählt, wie unendlich traurig du warst.", haucht Alec atemlos, als wir uns voneinander lösen, allerdings Stirn an Stirn bleiben. „Ich wäre so gerne bei dir gewesen und hätte dich in den Arm genommen. Fuck, ich liebe dich, Magnus. Es tut mir so leid." Er schließt seine Augen und atmet einmal tief aus.
„Das erste, an das ich gedacht habe, als ich die Nachricht gelesen habe ... war, dass ich es erwidern will.", beichte ich leise. „Ich wäre so gerne zu dir gegangen und hätte dir ins Ohr geflüstert." Ich lehne mich zu seinem Ohr und flüstere: „Ich liebe dich auch."
Überrascht öffnet Alec seine Augen und sieht mich an. „Und es tut mir nicht leid.", hänge ich an.
„Was ist mit deinem Freund?", fragt er, was mich leicht lächeln lässt. Er beweist mir immer wieder, dass er kein schlechter Mensch ist und auch wenn ich mir noch nicht ganz im Klaren bin, warum er einen Autounfall verursacht hat, wird sich klären, dass er nur jemanden aufhalten wollte oder sonstiges.

„Es tut mir sehr leid für Andrew, aber er war bloß Ablenkung für mich.", gebe ich zu und hoffe inständig, dass er sich nicht allzu sehr an mich gehängt hat. Mein Herz ist bereits an jemand anderen vergeben und das schon sehr lange.
Wieder legt Alec seine Lippen auf meine, als plötzlich jemand seinen Namen sagt und ein Polizist neben uns steht. „Ich wusste gar nicht, dass Sie vergeben sind, Alec. Aber ich will auch gar nicht lange stören. Ich wollte nur danken, dass sie bei einem weiteren Fall geholfen haben." Der Mann in Uniform klopft meinem Freund auf die Schulter. Meinem Freund? Ist er das denn überhaupt? Das war jetzt ganz automatisch gedacht. Wunschdenken vermutlich.
„Ich ... ja, es ist kompliziert, aber ich muss Ihnen danken, Officer." Alec legt einen Arm um meine Schultern, während der Polizist nickend wieder geht. „Was war das?", schmunzele ich und drehe mich in seinen Armen, während ich mich an seine Brust kuschele. „Du hast einmal gesagt, dass ich einsam wäre. Auch wenn das nicht stimmt, war mein Leben eintönig und nachdem du wieder weg warst, habe ich beschlossen, mich mit der Polizei zusammenzuschließen. Zuerst musste ich ihnen zwar beweisen, dass ich niemanden umgebracht habe, der es nicht verdient hat, aber irgendwann waren sie froh, mich zu haben." Er lächelt mich zufrieden an und ich merke, wie viel entspannter er jetzt ist, wo ich nicht mehr so sauer bin. Auch wenn ich ihm noch nicht vollends vergeben habe, bin ich ebenfalls sehr froh, dass er wieder bei mir ist und vor allem lebt.
Gerade als ich erwidern will, wie stolz mich das macht, läutet mein Handy. Verwirrt hole ich es aus meiner Hosentasche und sehe, dass meine beste Freundin Catarina anruft.

„Du schuldest mir übrigens noch ein Handy, da du mein letztes ins Wasser geschmissen hast.", lächle ich, während ich abhebe und mir mein Mobiltelefon an das Ohr halte. „Magnus! Was ist passiert? Andrew hat gesagt, ihr wart in der Nähe des Unfalls und jetzt schreist du Alec Lightwood an. Ist alles ok?" Sie ist eindeutig besorgt, was mich lachen lässt. „Ja, es ist alles mehr als ok, Cat." Ein glückliches Lächeln kann ich mir nicht verkneifen. Die Hoffnung, dass jetzt alles besser wird, ist zu groß. „Ich will sie kennenlernen.", flüstert Alec, während er seine Arme um meine Taille legt und mich dadurch näher zieht. „Sag ihr, sie soll zu dem Hafen kommen." Alecs Lippen liegen an meinem Ohr, weshalb ein Schauer ausgelöst wird, der über meinen Rücken läuft. „Cat, ich würde dir gerne jemanden vorstellen. Komm bitte zu dem Hafen. Den einzigen, den du kennst." Ohne ihre Antwort abzuwarten, lege ich auf und lasse mein Handy wieder in der Hosentasche verschwinden.
„Dein neues Handy bekommst du, sobald ich Zeit habe, dir eines zu holen.", lächelt Alec und steckt mich damit an. „Wie lange haben wir denn jetzt, bis deine Freundin bei unserem Schiff ist?", fragt er verführerisch, was mich die Augen verdrehen lässt. „Du kannst nur daran denken." Ich lasse von ihm ab und gehe ein Stück, bevor ich mich wieder zu ihm umdrehe, weil ich nicht weiß, wo ich hinmuss. „Wohin gehst du?", lacht er provokant, weshalb ich ihm die Zunge rausstrecke, als wäre ich vier. „Fick dich.", murmele ich. Vielleicht bin ich doch noch sauer auf ihn.
„Hilf mir dabei.", lächelt er und zieht mich an einer meiner Jeansschlaufen näher zu ihm. „Cat sollte in einer Stunde bei dir sein." Alec beginnt verschmitzt zu lächeln und zieht mich zu seinem Auto, das zwar ein paar Schrammen abbekommen hat, aber noch gut intakt ist. Da die Unfallstelle sowieso abgesperrt ist, konnte Alecs Auto hier stehen bleiben.

Fortsetzung folgt...

Malec Oneshots & Short storys (german)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt