Magnus
Ich sitze in einem weißen kahlen Raum neben Alecs Krankenbett und warte bereits seit Stunden, dass er aufwacht. Er sieht nicht gut aus. Dunkle Augenringe, blasse Haut, sehr erschöpft und kraftlos. Sein Körper konnte das nicht mehr und deswegen musste ich eine schwere Entscheidung treffen. Die Ärzte hätten Alec wieder aufpäppeln können, aber es wäre klar gewesen, dass er es nicht schafft. Ich hätte mich jetzt gerne in seine Arme gelegt und von ihm gesagt bekommen, dass alles gut wird, während er mir beruhigend durch die Haare streicht, doch das geht jetzt nicht. Ich weiß nicht, wie ich meine Gefühle ausdrücken soll. Was soll man sagen, wenn man sein Kind verliert? Ich weiß, Alec wird sich die Schuld geben, aber er trägt keine. Wir hatten nie eine Garantie, dass es wirklich funktionieren würde und ein zweites Mal wäre zu unglaublich gewesen. Wir können uns glücklich schätzen, dass Rafael völlig gesund und munter ist. Allerdings dürfen wir auch trauern und für Alec ist es vielleicht noch schwieriger. Es hat ihn viele Wochen Kraft gekostet und er hätte es bis zum Ende durchgezogen, aber das hätte ich nicht zugelassen. Ich brauche ihn.
Ich drücke einmal fest seine Hand, um meine Tränen unter Kontrolle zu bekommen und atme tief durch. Langsam lehne ich mich auf dem Stuhl zurück und streiche mit meinem Daumen über seine Hand, als er seine Finger plötzlich leicht bewegt. Sofort bin ich wieder bei ihm. „Magnus.", murmelt er leise und öffnet flatternd die Augen. „Ich bin da.", versichere ich ihm schnell und drücke ein weiteres Mal seine Hand. „Wie geht es dir? Ist alles ok? Hast du Schmerzen?", überhäufe ich ihn vermutlich mit Fragen, doch ich bin sehr froh, dass es ihm soweit körperlich gut zu gehen scheint. „Was ist passiert?" Alec versucht sich schwerfällig aufzusetzen, wobei ich ihm helfe und den Polster richte. Seine freie Hand und sein Blick wandern zu seinem Bauch und ich kann sehen, wie ihn der Schock erfasst. „Nein.", haucht er, während sich mein Herz zusammenzieht. „Alec.", will ich ihn in meine Arme ziehen, doch er weicht zurück. „Nein.", wiederholt er sich. „Das kann nicht sein. Mir ging es gut. Dem Baby ging es gut. Unserem Baby. Meinem Baby." Eine Träne läuft ihm über die Wange, während er seine Hände auf seinen Bauch legt. Ich nehme ihn in die Arme und spüre, wie sein Körper zu zittern beginnt. „Ich weiß.", flüstere ich. „Ich weiß. Aber dir ging es nicht gut, Alec. Du warst immer erschöpft. Dein Körper konnte das nicht und deswegen musste ich so entscheiden. Ich hätte dich nicht verlieren können.", erkläre ich vorsichtig. Ich merke, wie er sich anspannt und aus meinen Armen löst.
„Du hast das entschieden? Du weißt gar nicht, wie es mir geht. Ich hätte durchhalten können. Mir ging es gut und du ... du ..." Seine Stimme wechselt von wütend zu schluchzend und er legt sich wieder hin. „Alec, was glaubst du warum wir im Krankenhaus sind? Dein Körper hat das nicht mitgemacht. Du hättest es nicht geschafft und ich hätte zwei Personen verloren, die ich liebe.", werfe ich ihm vor. „Du hättest mich mitentscheiden lassen müssen. Es war nicht dein Recht über mein Kind zu entscheiden.", fährt er mich an, während er sich wieder aufsetzt. Gerade als ich verletzt etwas erwidern möchte, geht die Tür auf. „Was ist hier denn los? Ehestreit?", fragt uns Julian belustigt. Ich stehe auf und entferne mich einen Schritt von Alec, während sich der Arzt ihm nähert, um ihn zu untersuchen. „Ich muss sowieso noch Catarina anrufen und nachfragen, wie es Rafael geht, und dann auch noch deine Familie und Freunde.", murmele ich und schnappe mir meine Jacke. Ich verlasse den Raum, ohne mich noch ein weiteres Mal umzudrehen. Vielleicht fängt er sich wieder und ich kann später mit ihm sprechen. Schließlich ist es gerade erst aufgewacht.
Ich lasse mich im Wartebereich des Krankenhaus nieder und hole mein Handy aus der Hosentasche hervor. Nachdem mir Catarina versichert hat, dass es Alecs Kind gut geht und er noch schläft und ich Alecs Familie und Freunde in Panik versetzt habe und sie auf dem Weg hier her sind, lasse ich es wieder in meiner Hose verschwinden und lehne mich auf dem Stuhl zurück.
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Malec Oneshots & Short storys (german)
FanfictionJa, was soll ich sagen ... verschiedene Oneshots und Kurzgeschichten über Malec und ihr Leben.💖 [mit Smut natürlich] [Charaktere gehören größtenteils Cassandra Clare] begonnen: 10.04.2020 ------------ 1# oneshots - 24.02.2021 9# lightwood-bane -18...