Elian
»Silvan, wovon redest du?«, fragte ich nochmal und drückte ihn sanft von mir weg. Ich verzog mein Gesicht zu einer Grimasse, als er aus mir glitt, kommentierte es aber nicht weiter. Viel wichtiger war sein seltsames Verhalten.
Er blickte starr zur Tür, als würde dort jemand stehen und mit ihm reden, doch dort war niemand. Ich hätte gespürt, wenn jemand hier wäre. Oder...?
Meine Beine fühlten sich schwach durch die vorige Position an, weshalb ich mich abstützte, um zu dem Haken zu kommen, an dem die Bademäntel hingen und schlang einen um mich und dann um ihn. Er sah aus, als würde er jeden Moment aus dem Raum stürmen und das sollte er ganz sicher nicht nackt tun.
Was war los mit ihm?
»Hey... Rede mit mir, Silvan. Was ist los?«, redete ich sanft auf ihn ein und legte meine Hände an seine Wangen.
»Hörst du die Trommeln nicht?«, fragte er mich verwirrt und wie in Trance. Nervös sah mir in meine Augen. Unruhig huschten meine Augen über sein Gesicht.
»Ich weiß nicht, wovon du sprichst. Welche Trommeln?«
Er runzelte frustriert seine Stirn. »Ich höre sie doch klar und deutlich! Trommeln, als würde jemand zum Kampf rufen oder sowas. Wie bei Festen, wo die Leute ums Feuer tanzen. Keine Ahnung, wie ich das erklären soll. Du musst sie doch auch hören!«
Ich schüttelte meinen Kopf schockiert. Ich hörte nichts, was auch nur ansatzweise ähnlich zu Trommeln klang.
»Silvan, ich höre gar nichts. Da sind keine Trommeln. Bist du dir sicher, dass du dich nicht verhörst?«
Seine Augen funkelten vor Wut. Er war nie wütend auf mich und es machte mit Angst. »Ich höre sie doch! Warum glaubst du mir nicht?«, bellte er laut und fast schon aggressiv.
»Ich glaube dir doch! Ich glaube dir, dass du sie hörst. Ich höre sie aber nicht. Ich verstehe also nicht, was du meinst. Was für Trommeln genau meinst du?«
Er fuhr sich gestresst durch seine Haare und sah sich um, als würde er sich hinterfragen, ob er nicht verrückt wurde. Mit meiner Frage wollte ich ihn nicht verunsichern, aber ich hörte einfach nichts und ich wollte verstehen. Ich wollte ihm helfen.
»Ist es eine Nebenwirkung...? Weil ich kein Geist bin, aber in der Geisterwelt bin?«, fragte er dann mit zitternden Augen. Angst und Furcht ganz deutlich in ihnen zu sehen und seine Emotionen übertrugen sich auf mich.
»Davon habe ich noch nie gehört. Soweit ich weiß, war aber auch kein Sterblicher für einen so langen Zeitraum hier. Aber das hier ist keine einfache Geisterwelt, sondern Nelantulis. Die Welt der Waldgeister. Wir sind keine normalen Geister, wie nach dem Tod. Wir werden von der Natur selbst geboren.«
Er schnaufte erschöpft. »Klugscheißer.«
»Weiß ich doch. Aber jetzt beruhigen wir uns beide für eine Sekunde, damit wir die Situation verstehen können.« Sanft zog ich ihn hinter mir her in unser Zimmer und drückte ihn aufs Bett. »Ich lasse nach Lord Asker rufen. Er müsste vielleicht schon mal von solchen Symptomen gehört haben.«
Verunsichert nickte Silvan und ließ sich zurück in die Kissen fallen und legte seinen Arm über seine Augen. Meine Lippen legte ich kurz auf seine Wange, bevor ich mir schnell etwas vernünftiges anzog und unser Zimmer verließ.
»Dakota«, rief ich die Kriegerin, die heute Nachtdienst hatte und in einem der näheren Korridore Wache hielt.
»Euer Majestät«, begrüßte sie mich perplex und verbeugte sich respektvoll.
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Forest Spirit
FantasyCover Credits gehen an @Beyond_Borderland ! Danke für dieses fantastische Cover! ☪ Elian, der verfluchte Waldgeist, der zu einem Walddämonen wurde und seinen Gefährten in der Geschichte von Harper fand, erhält nun seine eigene Geschichte. Liebe wäc...
