Chapter - 51

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Elian

»Wache auf, Elian.«

Grelles Licht blendete mich so sehr, als ich meine schweren Augenlider öffnete, dass ich erst glaubte blind zu sein. Verschwommen starrte ich vor mich hin bis ich langsam blaue Umrisse erkennen konnte. Ich blinzelte, um mich meine Sicht zu klären. Selbst wenn es dauerte, wurde meine Sicht mit der Zeit schärfer.

Irritiert stellte ich fest, dass das Geisterherz über mir schwebte. Ein pulsierendes Licht verband es und mich. Es hüllte mich wie eine zweite Haut ein. Eine zweite Haut, die mich nicht zwang liegen zu bleiben, aber freundlich darum bat. Ich gehorchte.

Ich wartete geduldig. Verarbeitete in der Zeit, warum ich hier lag. Und je länger ich das Geisterherz anstarrte, desto mehr verstand ich, warum. Verstand, was vorgefallen war und welche Entscheidung getroffen wurde.

Das Pulsieren verebbte. Es wurde schwächer bis es vollständig aufhörte mich einzuhüllen.

Meine Hände verkrampften sich um den Gegenstand in meinen Händen. Ich brauchte nicht darüber nachdenken, was es war, denn ich konnte fühlen, dass es Hirana war.

Langsam setzte ich mich in dem Bett aus Geäst auf. Sanft strich ich mit meinen Fingern über die weißen Äste mit den hellen Blättern. Weiße Strähnen fielen in mein Gesicht. Verwirrt sah ich auf und folgte den langen Strähnen, die sich weit um mich herum über das ganze Podest verteilten. Einige der Strähnen hingen sogar über den Rand des Turmes und wiegten sich sanft im Wind.

Wie lange lag ich schon hier, dass sie so lang geworden waren? Die Erkenntnis traf mich wie ein Hammerschlag. Wie lange lag ich hier wirklich? War ich wirklich am Leben? War ich ein Teil der Natur geworden? Hatte ich—

Panik machte sich in mir breit. Zitternd legte ich meine Hand auf meine Brust. Dort hatte Adonai seine Krallen reingerammt. Dort hatte er mein schlagendes Herz umschlossen. Dort hatte er es bewegt. Doch alles was ich dort zu fühlen bekam, war eine geschlossene Brust und ein schlagendes Herz.

War ich tot? War das ein Traum?

Aber alles fühlte sich zu echt an, um ein Traum zu sein. Ich schob die seidige Kleidung etwas beiseite und entdeckt an der Stelle meines Herzens eine gigantische Narbe, die mir genau zeigte, dass ich nicht träumte. Es war wie die Narbe, die an meinem Hals existierte. Sie zeigten mir, wie knapp ich dem Tod entkommen war.

Müdigkeit machte sich in mir breit. Erschöpft ließ ich meine Schultern hängen. Ich war der Unsterblichkeit müde. Müde davon, ewig diese Kämpfe zu führen. Ich konnte nicht länger Krieg führen. Ich wollte Frieden.

Mein Gedächtnis war schwammig — verloren. Benommen starrte ich auf mein Schwert hinab.

Ich war woanders gewesen, erinnerte ich mich.

Ich war mit meiner Seele in dem Meer aus Sternen gewesen. War dort wie eine verlorene Seele herumgewandert. Ich hatte mich mit Elladan unterhalten, der mir Gesellschaft geleistet hatte. Als verschmolzene Seelen konnten wir uns auch nicht trennen. Er hatte mich unterrichtet. Hatte mich gelehrt, wie ich die wahre Macht eines weißen Hirsches nutzen konnte.

Die Zeit in der Unendlichkeit aus Sternen war anders gewesen. Ich spürte einfach, dass es einen Unterschied gab. Aber gleichzeitig konnte ich mein Zeitgefühl dort auch nicht beschreiben. Es war, als würde die Zeit stillstehen, gleichzeitig aber auch mit einem um die Wette rennen.

Im Inneren des Geisterherzes, wurde man taub allem gegenüber und doch fühlte man so viel auf einmal. Deshalb konnte ich es auch nicht anders beschreiben als wie eine verlorene Seele im Nichts und doch in Allem zu wandern. Dass man so lange wanderte, bis der Punkt endlich kam, auf den man so unendlich lange gewartet hatte.

Forest SpiritGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt