Chapter - 1

2.5K 76 10
                                        

Elian 

Gähnend drehte ich mich auf die Seite und öffnete blinzelnd meine Augen. Sonnenlicht fiel in warmen Strahlen durch das Fenster hinein. Meine Haut fühlte sich nicht nur warm wegen ihnen an, sondern auch wegen der Stimme, die meine Ohren nur einen Moment später erreichte.

»Stehst du endlich mal auf?«

Mein Herz pochte in einem viel zu schnellen Rhythmus. Gänsehaut breitete sich auf meiner ganzen Haut aus. Und oh, ich wollte schaudern wegen all der überschwemmenden Gefühle. Wollte mehr von ihm fühlen, denn er war derjenige, der für mein viel zu schnell schlagendes Herz verantwortlich war.

Silvans braune Augen starrten mich von oben herab an. Wenn er meine Schwärmerei für seine Augen hören würde, hätte er mir sicherlich bereits in den Arsch getreten. Doch ich konnte nicht anders. Vor allem nicht im warmen Sonnenlicht.

Sie waren keine dunkle braune Farbe. Sie besaßen ein reiches Braun, das mich an die saftige Erde erinnerte. Er verkörperte einen Wald in ihnen, der mir so viel Möglichkeit gab zu wachsen und stärker zu werden. Er war der Boden auf dem ich meinen Wald wachsen konnte und ich war sein Waldgeist.

Mit gerunzelter Stirn stand er nur in Boxershorts bekleidet vor meinem Bett und hatte die Arme vor seinem definierten Oberkörper verschränkt. Für sein noch recht junges Alter besaß er schon genug Muskeln. Seinen Wolfgenen hatte er bestimmt einen Großteil davon zu verdanken.

Unbemerkt — hoffentlich — schluckte ich und versuchte ihn nicht wie ein sabbernder Hund anzustarren. Denk an sein verdammtes Alter, Elian!

»Hallo?« Er wedelte mit seiner Hand vor meinem Gesicht herum und schaute mich mit schief gelegten Kopf an.

»Äh...Ja«, murmelte ich völlig neben mir.

Er wusste nicht, dass ich schon bald sein Gefährte sein werde, oder es wohl besser schon war. Ich spürte die Verbindung — er nicht. Vielleicht fühlte er eine gewisse Verbundenheit zu mir, doch nicht das richtige Gefährten Band.

Und ich durfte es ihm auch nicht verraten. Frustrierend wie es war.

So stand es in den Regeln der Wölfe. Beide Gefährten mussten sich erst gegenseitig erkennen, bevor sie sich verbinden konnten. Somit durfte ich ihm nicht verraten, dass er mein auserwählter Gefährte war. Durfte nicht gegen die Traditionen seines Rudels verstoßen. Nicht, wenn ich ihnen bereits so viele Probleme bereitet hatte. Nicht, wenn ich ewig in Harpers — der Lunas — Schuld stand.

Aber es fiel mit schwerer, als manch einer glauben würde. Und es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Je näher der Tag seiner Reife rückte, desto schlimmer wurde es.

Es war pure Qual.

Jeden Tag sah ich ihn. Hatte den Drang und das Flüstern in mir, mich mit ihm zu verbinden. Ich wollte ihm meine Gefühle gestehen und alles in meinem Herzen und meiner befleckten Seele ausschütten. Ich wollte seine Nähe genießen. Ich wollte in seinen Armen einschlafen.

Seine Nähe einfach nie wieder missen müssen.

Jeden Tag wuchsen meine Gefühle für ihn und doch blieben sie unerwidert. Verborgen. Ein Geheimnis. Denn selbst wenn er mich jetzt schon erkennen würde, war sein Alter moralisch noch ein Faktor, den ich nicht überstehen konnte.

Da waren zu viele Wenn und Abers, und Hin und Hers. Zu viele Probleme, die nicht so einfach gelöst werden konnten. Lieber hielt ich die Qual aus und wartete auf seine wahre Antwort, als ihn zu verwirren oder sonst noch ein Problem auszulösen.

Schlussendlich stand ich kopfschüttelnd auf und nahm mir frische Kleidung aus meinem Schrank. Als ich mich umdrehte, um ins Badezimmer zu gehen, stand Silvan noch immer da. Diesmal aber mit seinem Kopf herumgedreht und mit starrenden Augen auf mich gerichtet.

Forest SpiritWo Geschichten leben. Entdecke jetzt