Chapter - 35

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Elian

Wir ritten in einem gemächlichen Tempo durch den Wald, der immer dunkler und dichter wurde. Selbst der Weg war ziemlich bewachsen durch die tiefhängenden Äste. Das Gestrüpp raschelte um uns herum, und bei jedem Rascheln, merkte ich, wie Silvan sich versteifte.

Paranoia, dass etwas im Wald lauerte, das für uns eine Gefahr darstellen konnte. Silvan würde sich verwandeln und uns verteidigen, das war mir klar, aber hier lauerte keine Gefahr. Nelantulis besaß vielleicht ein paar Kreaturen und Orte, die nicht ganz ungefährlich waren, weil dort die Magie so alt war, aber an sich war Nelantulis ein Ort des Friedens.

Kain und Lyrelle waren dagegen völlig tiefenentspannt. Sie wussten schon, dass das Geraschel nur von den Mitglieder des Canis Clans kam. Sie hatten uns schon aus der Entfernung gerochen und eskortieren uns nun im Schatten zu ihrem Lager. Dabei verursachten sie absichtlich das Rascheln, um ihre Anwesenheit zu zeigen. Normalerweise konnten sie nämlich unbemerkte Jäger bleiben.

Canis war der lateinische Begriff für Hund. Deshalb konnte man sagen, dass der Canis Clan nicht nur aus Wölfen bestand, sondern von allen Tieren vertreten waren, die unter den Begriff Canis und Lupus fielen. Doch die Wölfe — Lupus — waren die älteste Familie der Canis.

Das war auch der Grund, wieso Waldgeister mit dem Tier eines Wolfs zwei Nachnamen trugen 'Canis-Lupus'.

Der zweite Nachname war aber über die vielen Jahre mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Man kannte ihn natürlich und auf dem Papier stand er auch, aber innerhalb und außerhalb ihres Clans, hoben die Wölfe sich nicht besonders hervor. Sie wollten sich unter ihres Gleichen nicht in eine höhere und wichtigere Rolle stellen nur weil sie aus einer älteren Blutlinie stammten. Deshalb bezeichneten die meisten Wölfe sich auch nur als Canis.

Die Bäume teilten sich und wir trabten auf eine riesige Lichtung, auf der viele dutzende Holzhütten gebaut waren.

Kinder sprangen lachend umher. Sie spielten Hüpfspiele, Fangen und noch andere Spiele, die sie alle so herzlich lachen ließen. Manche spielten in ihrer tierischen Form, andere hatten eine mehr menschliche Form angenommen.

Junge Teenager kämpften spielerisch miteinander, während die Mädchen entweder mitmachten oder angewidert bei den Raufereien zu sahen.

Frauen mit jungen Säuglingen saßen alleine oder beisammen auf der Wiese und unterhielten sich herzhaft. Auch sie präsentierten sich in unterschiedlichen Formen. Manche Säuglinge kuschelten sich in das Fell ihrer Mütter und manche in ihre Arme.

Männer arbeiteten, trainieren oder saßen bei ihren Partnern. Welche von ihnen spielten mit den Kindern. Andere halfen dabei neue Hütten zu bauen.

Links und rechts von uns trotteten verschiedene Hundearten aus dem Wald und begrüßten uns mit vor Freude leuchtenden Augen, Bellen und Knurren.

»Waren sie die ganze Zeit da?«, fragte Silvan überrascht, als er seine Augen von den Kulissen vor sich abwandte und die Hunde um uns herum bemerkte.

»Jap«, lachte ich. »Du hast sie durch das Rascheln gehört, aber wahrscheinlich nicht gewittert.«

»Waldgeister riechen mehr wie die Natur.« Er nickte. »Ihr seid unsichtbar für meine Sinne, wenn ihr euch verstecken wollt.«

Ich grinste ihn an und warf dann einen Blick nach vorne, weil ein älteres Paar meine Aufmerksamkeit erregte.

Die Haare der älteren Dame waren grau von ihrem Alter geworden und die vielen Jahre ihrer Existenz sah man ihr deutlich an. Über den Boden schleifte hinter ihr eine graue Rute her, die nur noch an wenigen Stellen dunkelgrau war. Fleckige grauen Wolfsohren ragten aus ihrem Kopf, doch hingen schlaff herunter, als hätte sie keine Kraft dazu, sie aufrecht zu halten.

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