Chapter - 28

892 48 7
                                        

Elian

»Dieses oder dieses Blau?«

Casjopaia hielt mir zwei dunkelblaue Tücher ins Gesicht, die für mich ein und dieselbe Farbe besaßen. Sie konnte mir noch so viel erzählen, aber das war dieselbe Farbe. Wo sollte da der Unterschied sein?

Mit gehobenen Augenbrauen sah ich zu ihr auf, und zeigte ihr deutlich mit meinem Blick, dass ich keinen Unterschied erkannte. Frustriert schnaubte sie.

Wir verbrachten schon mehrere Stunden in meinem Arbeitszimmer und sie wollten meine endgültigen Entscheidungen für die Krönung hören. Als ob ich ihnen nicht einfach freie Hand ließ. Sollten sie doch entscheiden. Ich hatte schon genug zu tun, als mir über Farben den Kopf zu zerbrechen, die ganz eindeutig dieselbe verdammte Farbe besaßen!

»Und was ist, wenn wir gar keine Vorhänge benutzen?«, schlug ich am Ende meiner Nerven vor.

So schüchtern und fast schon ängstlich Casjopaia meistens auch war, so konnte sie zu einer wirklichen Furie werden, wenn sie die Verantwortung für etwas trug. Ich nannte es nicht mit Stress und Druck klar kommen — nicht, dass ich ihr das ins Gesicht sagen würde. Wenn ich das tun würde, riskierte ich noch, dass sie mir die Augen auskratzte.

»Nein!«, kam stattdessen von Balthasar, der auf einem Sofa, vor dem erloschenen Kamin saß. »Du verkörperst zwar Leben und Licht, aber trotzdem würde der ganze Thronsaal zu hell sein, wenn gar keine Vorhänge hängen.«

Seufzend strich ich mir über mein Gesicht und lehnte mich in meinem Sessel zurück.

Was war an diesen Farben bitte so unterschiedlich? Beide waren in einem dunklen Blau und verdammt nochmal nicht zu unterscheiden!

»Nehmt das Linke?«

Ich verzog mein Gesicht und wedelte mit meiner Hand, damit sie mir endlich diese Teile aus dem Gesicht nahmen. Ich wollte sie nicht länger anstarren müssen, ansonsten würde ich mich noch mit dem Kopf voraus aus dem Fenster werfen.

»Die Farbe YInMn, also.« Was auch immer diese Farbe sein sollte. Recht zufrieden legte Casjopaia den Stoff zurück auf den kleinen Tisch und notierte sich etwas. »Deine Krone hast du ja bereits erhalten«, murmelte sie dann nachdenklich und knabberte an der Kappe des Füllers.

Ich gab nur einen zustimmenden Laut von mir.

Meine Krone lag in einer Vitrine auf einem kleinen Beistelltisch neben meinem Schreibtisch.

Jeder Herrscher erhielt seine eigene Krone bei der Zeremonie des Geisterherzes. Nur der Wolf bekam eine Krone geschmiedet, da er keine direkte Verbundenheit mit dem Geisterherz hatte und somit auch keine magische Zeremonie. Silvans Verbindung mit der Natur würde über die Verbindung zu mir funktionieren.

Aber nach ihren Worten zu urteilen war Silvans Krone noch nicht fertiggestellt. Eine Kleinigkeit, die bestimmt auch nicht mehr lange dauern würde.

»Du erinnerst dich an den Ablauf?«, hakte Balthasar nach.

»Ist ja nicht so, als wären wir den Ablauf schon tausende Male durchgegangen«, brummte ich resigniert.

Er und Casjopaia hoben beide mahnend ihre Augenbrauen, als wollten sie mir deutlich zu verstehen geben, dass ich jetzt nicht eingeschnappt spielen sollte. Mir war auch bewusst, dass sie alles nur perfekt haben wollten, aber trotzdem waren wir alles schon so viele Male durchgegangen, dass mir der Schädel brummte.

Vor allem hatte es bereits mehrere Proben gegeben. Für die Zeremonie, Tanz, Reden und was nicht noch alles. Silvan war Abends immer völlig fertig ins Bett gefallen. Nicht nur einmal hatte ich ihm seine schmerzenden Waden massiert. Normalerweise hätte sowas zu mehr Intimität geführt, aber nein, wir waren wegen all dem so müde, dass wir direkt eingepennt waren.

Forest SpiritWo Geschichten leben. Entdecke jetzt