Elian
Erschöpft lehnte ich mich in meinem Sessel zurück und massierte mir meine schmerzende Nasenwurzel. Diese nervige Lesebrille sollte angeblich helfen Kopfschmerzen zu vermeiden — ich spürte nichts von so einem Effekt. Jedenfalls war zu meinem Glück der Sessel bequem.
Ich hatte ganz vergessen, was für ein Papierkram sich anhäufte, wenn man auf dem Thron saß. Zwar hatte ich schon als Thronfolger vieles übernommen, um meine Mutter zu entlasten, doch jetzt realisierte ich erst wirklich das Ausmaß an Aufgaben, das sie übernommen hatte.
Mein Vater hätte auch einiges übernehmen sollen, doch durch den Krieg war es unmöglich und Silvan konnte ich schlecht Aufgaben andrehen, von denen er keine Ahnung hatte. Dazu musste er sich auf seinen Abschluss konzentrieren.
Noch einmal sah ich den Stapel an, der nicht kleiner zu werden schien und seufzte frustriert. Ich sollte mir definitiv einevi rechte Hand zu legen.
Lord Lance war die rechte Hand meiner Mutter und um ehrlich zu sein, würde ich auch gerne jemand anderen als meine haben, wenn er sich angeboten hätte — was er nicht getan hatte.
Ich brauchte jemanden, der mich bei Diskussionen nicht zu sehr frustrierte und Lord Lance hatte das Talent, mich — so sehr ich ihn als eine Art Onkel liebte — auf die Palme zu bringen.
Zwar half Kain mir momentan aus, aber er war an erster Stelle nur meine Leibwache. Ganz zu schweigen von seiner Aufgabe als General der dritte Garde.
Ich brauchte einen Aide —- Assistenten — ansonsten würde ich noch die Wände hochrennen.
»Erschöpft?», neckte Kain und stellte einen weiteren Stapel mit Unterlagen auf den Tisch ab.
Ich presste meine Lippen zu einer Linie und sah ihn unterkühlt an. Auf meinen erdolchenden Blick, reagierte er nur mit einem Schulterzucken. Arschloch.
»Dann sollten du und Silvan es vielleicht nicht dann treiben, wenn du dich ausruhen solltest.« Anzüglich wackelte er mit seinen Augenbrauen. Eingeschnappt schnaubte ich. »Ich sags ja nur«, summte er und nahm sich grinsend den fertigen Stapel von drei weiteren unfertigen.
Er wollte gerade mein Arbeitszimmer verlassen, als ihm scheinbar noch etwas anfiel. »Ach ja. Ich soll dich noch informieren, dass deine Mutter mit Harper in die menschliche Welt unterwegs sind. Sie meinte irgendwas davon, dass sie sehen will, wo ihr Sohn die letzten Jahre gelebt und was er gemacht hat. Und du sollst dir keine Sorgen machen. Sie sind vorhin aufgebrochen.«
Ich nickte, obwohl sich direkt die Sorge in mir breit machte, dass ihr etwas zustoßen konnte. Dämonen waren immer noch unterwegs und auch wenn ich vertraute, dass Harper alles daran setzen würde, meine Mutter zu schützen und Wachen auch dabei waren. Meine Sorge würde nicht nachlassen. Nicht bis ich sie wieder zu Gesicht bekam.
Jetzt wo Mutter nicht mehr die Königin war, hatte sie alle Zeit der Welt. Hatte sie in der Art schon immer gehabt — Unsterblichkeit und so. Aber nun hatte sie freie Zeit. Und von früher wusste ich noch, dass sie schon immer die menschliche Welt besuchen wollte.
»Harper?«, fragte ich in Gedanken, wusste, dass unsere Verbindung funktionieren würde, egal wie weit wir entfernt waren — so auch bei Silvan.
Denn seit der Zeremonie war diese Verbindung noch stärker geworden und hatte einige neue Fähigkeiten mit sich gebracht, die ich alle noch herausfinden musste. Wie Elladan gesagt hatte, ich wurde zum mächtigsten weißen Hirsch, der je existiert hatte.
»Gibt es irgendein Problem?«, antwortete sie sofort und ließ mich ausatmen.
»Wie viele Wachen hat meine Mutter mitgenommen?«
DU LIEST GERADE
Forest Spirit
FantasiaCover Credits gehen an @Beyond_Borderland ! Danke für dieses fantastische Cover! ☪ Elian, der verfluchte Waldgeist, der zu einem Walddämonen wurde und seinen Gefährten in der Geschichte von Harper fand, erhält nun seine eigene Geschichte. Liebe wäc...
