Chapter - 5

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Elian

Selbst in meiner Geistergestalt, spürte ich den bitteren Schmerz, der meine Seele zerfraß, obwohl er sonst dumpfer war. Immer wieder sah ich sein blasses Gesicht. Machte mir Hoffnungen, er würde sich Sorgen um mich machen.

Doch dann tauchten all die anderen Bilder auf. Die Mädchen. Die Momente, wenn ich im Bett zusammen gekrümmt lag und ihnen beim Sex zuhörte. Seine Ignoranz. Er machte sich keine Gedanken um mich. Er würde mich niemals lieben.

An seinem Geburtstag würde er mich ablehnen.

Meine Beine trugen mich immer weiter voran, bis ich stehen blieb. Die Gegend kam mir bekannt vor, aber ich wusste nicht, wann ich es gesehen hatte. Irritiert drehte ich meinen Kopf herum und musterte die Bäume und den Boden.

Aber warum sollte es mich kümmern. Dies war mein Wald. Ich sollte ihn inn und auswendig kennen.

Auch wenn ich keine Erschöpfung spüren konnte, ließ ich mich zu Boden sinken. Meinen Kopf legte ich auf den Waldboden und schloss meine Augen.

Unaufhaltsam schweiften meine Gedanken zu ihm. Kreisten nur um ihn — gehörten nur ihm.

Wieder zuckte ein Schmerz durch mich hindurch. Ob das Mädchen wohl noch da war, mit dem er es vorhin getan hatte und die in meinem Zimmer gestanden hatte? Sicherlich. Wieso sollte sie auch nicht? Man konnte nicht leugnen, dass sie hübsch war. Und Silvan hatte nur hübsche Mädchen. Er verdiente die hübschesten Mädchen.

Aber ich war weder ein Mädchen, noch hübsch.

Meine weißen Haare waren unnormal zu all den anderen. Normal waren sie wild verwuschelt und waren kaum zu bändigen. Jetzt waren sie nur noch platt und spiegelten meinen Zustand wieder. Genauso wie meine Augen. Solch ein helles Blau vermischt mit Türkis war nicht normal.

Silvan würde mich nie schön finden. Und er würde mich nie akzeptieren. Ich war unnormal und dazu noch ein Mann. Ein Waldgeist. Warum war ich nur ein Waldgeist?

Ich fühlte Kälte sich in mir ausbreitete, wo sonst eine seltsame Wärme war. Erschrocken hob ich meinen Kopf und schaute zu meinem Brustkorb. Mein weißer Rauch färbte sich, an der Stelle wo sich mein Herz befand, schwarz.

Das schwarze Wasser stieg an und ich würde ertrinken.

Panisch sprang ich auf und taumelte nach hinten als könnte ich vor der Wahrheit fliehen.

Nein...!

»Er wird dich nie akzeptieren!«, rief eine krächzende Stimme in meinen Kopf. Wieder ein Schmerz und die Schwärze wurde größer. Mehr Wasser stieg. Treibsand saugte mich in die Tiefe.

Verängstigt versuchte ich an etwas Gutes zu denken. Versuchte mir irgendwas einzureden, nur um nicht der Dunkelheit zu verfallen. Dem Dämonen in mir, der die ganze Zeit nur auf einen Moment der Schwäche gewartet hatte. Eine lauernde Bestie, die mit Geduld ihre Beute beobachtete.

»Warum sollte er dich an seiner Seite haben wollen?«, wieder ertönte diese Stimme und ließ einen erneuten Schmerz durch mich gleiten. Meine Hufe fingen an dunkler zu werden, nahmen ein dunkles Grau an.

Müsste ich atmen, bekäme ich keine Luft. Die Unfähigkeit nicht atmen zu müssen, machte mich umso panischer. Furcht baute sich in mir auf und der Dämon nahm es als sein Futter.

Der Waldboden unter mir vertrocknete rasend schnell. Er wurde unfruchtbar. Er starb. Ich tötete meinen Wald.

Entsetzt schaute ich mich um.

Nein! Nein! Nein!

Die Bäume um mich herum verloren ihre Flüssigkeit, die Blätter trockneten aus und fielen zu Boden, wo sie zerbröselten. Ich spürte wie die Luft schlecht wurde und die Blumen am Boden verwelkten. Alles starb.

Forest SpiritWo Geschichten leben. Entdecke jetzt