Chapter - 14

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Elian

Wir ritten über eine breite, steinerne Brücke, die über einen riesigen Fluss führte. Er zog sich durch das ganze Zeit und schloss Nelantulis wie ein Kreis. Er war ein Vorbote vor den Grenzen. Er kündigte das baldige Ende des unendlich großen Reichs an.

Er wurde auch »Fluss der Irrlichter« genannt. Denn bei Nacht sammelten sich kleine Lichter, ähnlich zu Glühwürmchen, am Wasser und tanzten gemeinsam zu einer stillen Melodie. Näherte man sich ihnen jedoch, versteckten sie sich so schnell, dass man bis heute nicht erfahren hatte, was dieser Lichter wirklich waren.

Sie würden ein ewiges Geheimnis bleiben.

Wir hatten den ersten Wald hinter uns gebracht, der zwischen Fluss und Grenze lag, und ritten nach der Brücke durch weitläufige Landschaften von Feldern. Goldenes Getreide, Gewässer mit Reis, Haine voller Früchte und so viel mehr wurde hier angebaut. Alles unabhängig von jeglichen Jahreszeiten.

Waldgeister in den verschiedensten Erscheinungen, standen in dem kniehohen Wasser der Reisfelder und trugen wegen der hochstehenden Sonne große Strohhüte. Ihre Hosen waren hochgekrempelt und am Weges Rand standen Karren die von Yakulen gezogen wurden.

Die meisten Waldgeister hatten tierische Aspekte, die sich selbst in ihrer menschlichen Form zeigten.

Kinder huschten durch die langen Reihen an Apfelbäumen. Kichernd verschwanden sie zwischen den rosa Kirschbäumen. Körbe häuften sich mit gepflückten Orangen und Zitronen an.

Waldgeister sahen auf als sie uns bemerkten und winkten uns lachend zu.

»Es ist wunderschön«, hauchte Silvan leise und drückte sich näher an mich, bevor er seine Wange zwischen meinen Schulterblättern anlehnte und weiter die Landschaft betrachtete. »So wunderschön...«

Säuselnd begleitete uns das Rauschen eines Baches. Die gespaltenen Hufe der Yakule trampelten über den Boden und die Laute der Arbeiter erfüllte mein Herz. Grillen zirpten im hohen Gras. Aus den Wäldern und aus der Luft hörte man Vögel liebliche Lieder zwitschern.

Ich hörte die Natur zu mir singen. Ich wusste, Silvan hörte nicht dasselbe Lied wie ich. Vielleicht taten es nicht einmal die anderen Waldgeister. Aber ich hörte all die Natur zu mir singen. Sie hielten ein ganzes Orchester für mich. Ein Hymne für meine Rückkehr.

Die idyllische Ruhe wurde jedoch im nächsten Moment schon wieder unterbrochen, als ein kleines Kind schreiend aus einem der Getreidefelder rannte. Das kleine Mädchen weinte und schrie, wie am Spieß, sodass mir die Ohren klingelten und Silvan abrupt seinen Kopf von meinem Rücken wegzog.

Dann sah ich den Grund für ihre Panik.

Etwas sprang kreischend und mit aufgeplustertem Gefieder aus dem Getreide und jagte das Mädchen.

Amüsiert zuckten meine Mundwinkel in die Höhe, als ich mir ein Lachen nicht unterdrücken konnte.

Es war ein Löwenhahn.

Sie waren eine Art des Greifen, wenn man es so beschreiben wollte. Sie sahen wie normale Hähne oder Hühner aus — der Fall vor uns war ein Hahn — nur, dass sie einen Löwenschwanz und ihre Mähne besaßen. Genauso wie ihr Schnabel mit ziemlich scharfen Zähnen gefüllt war.

Ihre Art war dafür da, um kleine Räuber, wie geflügelte Hasen, von der Ernte fernzuhalten. Sie waren kleine Biester, die noch hinterhältiger und gerissener waren als ein Fuchs. Wenn sie in einer Horde kamen, konnten ganze Ernten zerstört werden.

Die Lösung waren die kreischenden Löwen.

»Was zur— Was ist das?« Silvan machte große Augen.

Kain und Seth hatten den Spaß ihres Lebens, als sie sich vor Lachen schüttelten. Mit einem Schenkeldruck, trieb Seth seinen Yakul voran und packte sich das Mädchen am Kragen, um sie vor sich in den Sattel zu ziehen.

Forest SpiritWo Geschichten leben. Entdecke jetzt