Chapter - 11

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Elian

Keuchend riss ich meine Augen auf.

Schmerzen splissen meinen Kopf auf. Meine Kehle brannte als stände sie in Flammen. Mein Körper juckte und kochte.

»Elian!«

Ruckartig zuckte mein Kopf nach oben. Direkt erblickte ich die besorgten und panischen Augen von Silvan. Mein Kopf lag auf seinem Schoß und er klammerte sich krampfhaft an mich.

»Du musst dich beruhigen!«, befahl er und benutzte dabei seine Alpha-Stimme. Wieso benutzte er sie denn bei mir? »Hörst du? Du musst dich beruhigen!«

Und dann bemerkte ich es selbst.

Die Kette auf meiner Brust glühte und die Hitze, die von ihr ausging, brannte sich in mein Fleisch. Es roch selbst nach verbrannten Fleisch und der dichte Gestank von Magie lag in der Luft.

»Beruhig dich, okay? Hör auf meine Stimme. Hör mir einfach zu. Du darfst dich nicht nochmal verwandeln. Nicht nochmal. Wir haben es uns versprochen. Also bleib ganz ruhig. Ganz ruhig. Ich bin hier. Ich bin hier. Ich gehe nicht. Ich bleibe. Atme, Elian. Atme!«

Sanft strich er mit seinen Daumen über meine Wangen und beugte sich zu mir runter, um seine Stirn an meine zu legen. Ich spürte ihn zittern. Hörte seinen lauten Herzschlag. Ich merkte seine Panik und Furcht. Ich wusste, er fürchtete mich zu verlieren.

Angst durchzuckte mich. Denn so wie ich ihn spürte, fühlte ich die Falschheit in mir. Ich wusste, dass sich einzelne meiner weißen Strähnen wieder schwarz gefärbt hatten.

»Silvan?«, krächzte ich und zuckte zusammen, als ich mich selbst hörte. Meine Stimme klang ganz verzerrt. Nicht wie meine. Nicht normal. Nicht wie die eines Waldgeistes. Es war die eines Dämons. Wie die Stimme aus meinen Erinnerungen.

»Shh...«, wimmerte er. »Ich bin hier... Du musst dich der Dunkelheit nicht hingeben, okay? Du brauchst dich nicht verwandeln... Ich weiß, was auch immer du fühlst, bereitet dir große Schmerzen. Aber bitte. Elian, bitte. Nicht noch einmal. Wir haben uns versprochen zusammen alt zu werden.«

Tief atmete ich immer wieder ein und aus. Versuchte Kontrolle über mich zu gewinnen. Ich kämpfte, obwohl mich die Finsternis so träge machte. Obwohl es so viel einfach er war, aufzugeben.

Aber langsam, so unheimlich langsam, beruhigte sich mein pochendes Herz. Kurz darauf schwanden die Schmerzen und die Dunkelheit zog sich verbittert in mein Inneres zurück. Die Kette vibrierte noch, doch ihr Glühen dimmte und sie hörte auf sich in mein Fleisch zu brennen.

Trotzdem brannte noch mein Hals.

Mein Hals, den sie damals durchtrennt hatten. Ein Phantomschmerz? Aber warum tat es so weh? Konnte es so sehr weh tun, wenn ich es mir nur einbildete?

Sanft stützte Silvan mich, als ich mich aufsetzte und meine Finger zittrig zu meinem Hals führte. Er beobachtete mich und seine eigenen Augen weiteten sich schockiert, als meine Finger eine wulstige Narbe berührten. Ein Ring um meinen Hals.

Grollend fuhr er herum. »Wer seid ihr? Was macht ihr in meinem Territorium? Was wollt ihr von Elian?«, knurrte Silvan und ließ mich verschreckt aufsehen.

Vor uns standen drei Waldgeister, wobei der Jaguar auf seine Knie gefallen war und seine Arme schlaff an seinen Seiten herunter hingen. Kain. Das war Kain. Der Kain aus meinen Erinnerungen — mein bester Freund.

Aber hatte der Dämon nicht gesagt...

Langsam wurden auch die letzten Bruchstücke meiner Erinnerungen klarer und deutlicher. Die Weißhaarigen bekamen Gesichter, mit denen sie mich anstrahlten und anlachten. Sie waren meine Familie. Die Königsfamilie des Reichs der Waldgeister — Nelantulis.

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