Chapter - 46

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Elian

Meine Beine trugen mich ohne zu zögern voran, meine Schritte hallten an den vermoderten Wänden wider. Der Wind trug das Wispern mit mir. Es folgte mir, wie ein treuer Begleiter und zerbarst alle Türen, an denen wir vorbei schritten. Es ließ alle Gefangenen frei. Die Gefangenen, die angekettet wurden, wurden vom Wind befreit. Sie taumelten aus ihren Zellen und folgten uns. Waldgeister — Gefangene wie wir.

Ich marschierte den langen Trakt entlang, bis mich das Wispern plötzlich aufhielt. »Stopp.« Es tanzte um mein Ohr.

Der Wind führte mich zu einer offenstehenden Zelle, in die ich wachsam hinein spähte. Lauerte hier ein Dämon? Musste ich mich auf einen Angriff bereit machen? Meine Wachsamkeit fiel, als ich die Zelle genauer in Augenschein nahm.

Eine tote Wölfin — ein Waldgeist — lag zusammengerollt um ein sich noch bewegendes Bündel. Sie war nicht einmal mehr fähig Teil der Natur zu werden, weil die Welt der Dämonen keine Natur besaß. Mitleidig runzelte ich meine Stirn.

Eilig lief ich auf das Bündel zu und entdeckte einen Säugling, der sich in ihr Fell kuschelte. Seine Nabelschnur war zwar abgetrennt, doch er war noch voller Schleim und ich war mir sicher, dass seine Mutter zu mehr nicht fähig gewesen war — sie sah bereits so schwach aus. Sie hatte ihn wohl nur noch im Schutz ihres Fells ablegen können, bevor sie vor Schwäche gestorben war.

Vorsichtig hob ich den Kleinen auf meine Arme und strich über sein Gesicht. Sofort schmiegte er sich an meine Finger. Er konnte kaum älter als Fawn sein. Stunden, höchstens wenige Tage. Aber ohne Nahrung wäre er schon gestorben.

»Dein Sohn. Faolan«, flüsterte Elladan.

Perplex blinzelte ich. Mein Sohn? Aber nur Fawn war mein Kind, meine Tochter... Er war ein Wolf. Die Erkenntnis traf mich unerwartet.

Mein Sohn.

»Nehmt ihren Körper mit. Wenn ihr andere verstorbene Waldgeister seht, nehmt sie ebenso mit. Ich weiß, ihr seid geschwächt. Aber hier werden sie nicht Teil der Natur, wie sie es verdient haben.« Die anderen Waldgeister setzten sich sofort in Bewegung und hoben die Mutter von Faolan hoch.

Ich drehte mich geschwind um, Faolan an meine Brust gepresst und führte unseren Weg fort. Wenn wir Verstorbene fanden, nahmen wir sie mit. Ansonsten ließen wir uns von nichts aufhalten.

Ich folgte dem Wispern. Dem Gesang und Ruf, der mir klar und deutlich den Weg durch das Labyrinth zeigte. Und hinter einer dieser ewigen Türen fand ich es. Hirana — mein Schwert. Die Dämonen hatten es einfach einem Waffenraum in eine Ecke geworfen. Dass sie es nicht versucht hatten zu zerstören, war bewundernswert. Aber Hirana war nicht zerstörbar.

Mit einem eisigen Blick umfasste ich den Griff. Die Klinge schimmerte mir in ihren zwei Farben entgegen.

»Mein Schwert«, sagte Vater beeindruckt. Als ich mit immer noch glühenden Augen zu ihm sah, erblickte ich seine loyale Klinge. Ihr Griff war in rotes Leder gehüllt, während die Klinge in dem tiefsten Schwarz leuchtete.

»Komm«, sagte ich zu ihm und er nickte entschlossen. Die Waldgeister bewaffneten sich ebenso und stahlen immer wieder Blicke in meine Richtung.

Bevor wir die Kammer jedoch verließen, griff ich nach einem Leinentuch, welches über einer Kiste mit Waffen geworfen war und wickelte Faolan darin ein.

Gerade als wir wieder auf die Gänge traten, kamen uns entstellten Gestalten entgegen. Ein Knurren donnerte zu ihnen rüber, ausgelöst von meinem Vater.

Ich hob mein Schwert in ihre Richtung, drückte Faolan schützend an mich und dann stürmte ich auf die Dämonen zu. Ihre Schreie rutschten in den Hintergrund, einzig bekam ich mit, wie meine Klinge immer wieder in ihre Herzen fuhr und sie tötete. Und als der letzte von ihnen zu Boden fiel, sah ich zu meinem Vater, der mich beeindruckt und fassungslos zugleich anstarrte.

Forest SpiritGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt