Elian
»Müsst Ihr wirklich schon wieder gehen?«, fragte eines der Kinder mit großen traurigen Augen und hielt Silvan am Finger fest.
Es sollte später noch regnen. Nicht anders wie in anderen Welten, waren wir an die Regeln der Natur gebunden. An alle vier Jahreszeiten, sowie Wetterschwankungen von Regen bis Sonnenschein. Obendrauf zu dem Wetter würden wir noch einige Zeit brauchen, bis wir wieder am Schloss angekommen waren.
Zwar hätten wir noch bis morgen warten können, wenn wir nicht durch den Regen reiten wollten, doch Silvan musste morgen schon wieder wegen der Schule los. Und ganz sicher konnten wir auch nicht sein, dass der Regen nicht noch bis morgen anhielt.
Mit einem sanften Lächeln ging Silvan vor dem Mädchen in die Hocke. »Leider, ja. Aber ich bin mir sicher, dass wir in naher Zukunft nochmal zu Besuch kommen werden. Ich verspreche, dann auch wieder mit euch zu spielen.«
Sofort strahlten die Kinder übers ganze Gesicht und nickten eifrig. Er hatte mehr Zeit mit den Kindern verbracht, als mit mir. Aber es war jedes Mal ein erfrischender Anblick ihm dabei zuzuschauen. Um ehrlich zu sein, genoss ich es mehr ihn dabei zu beobachten, als mich mit ihm im Bett zu wälzen.
»Verzeiht, dass ich ihn euch jetzt wegnehmen muss«, summte ich entschuldigend. Die Kinder murmelten ein paar Verabschiedungen und ließen Silvan los.
Mit etwas mehr Talent als vorher schwang er sich in Shays Sattel. Beeindruckt nickte ich ihm zu und er grinste stolz. Ich selbst saß schon auf Mikleo und blickte nochmal zu Kain, der noch vor Sovrin stand und bei ihm war Zeeva.
»Du hast übrigens recht. Man merkt, dass zwischen den beiden was ist«, flüsterte Silvan mir amüsiert zu.
Großvater hatte Zeeva offiziell von ihren Pflichten freigegeben. Zwar würde sie noch als heilige Wölfin gelten — wegen ihres Fells und ihrer Fähigkeiten — doch die Wahl ihres Partners stand ihr nun frei zu. Sie war nun nicht mehr an mich gebunden und das gab auch Kain freie Bahn. Aber so wie ich die beiden kannte, waren sie noch zu stur, um ihre gegenseitigen Gefühle einzusehen.
»Die brauchen noch etwas ihre Zeit, bevor sie es sich gegenseitig gestehen werden, aber ich bin mir sicher, dass es nicht mehr sehr lange dauern wird. Und dann vögeln die schlimmer als die Karnickel.«
Früher oder später würden die beiden soweit sein und endlich zusammenkommen. So wie sie es schon seit langer Zeit verdient hatten. Wenn nicht, würde ich eingreifen. Lange hielt ich es nicht mehr aus, wenn sie sich nur mit ihren Blicken auszogen und ich wie das dritte Rad am Wagen zuschauen durfte. Sie würden mir später für meine Einmischung danken.
Silvan summte zustimmend und sah zu Lyrelle, die sich in die Nähe von Silvan gestellt hatte. Mir war aufgefallen, dass sie im Gegensatz zu Kain recht schweigsam war. Aber dadurch glich sie Zurio. Ein stiller Beobachter.
Zukünftig würde es noch schwer werden, wenn ich genauer darüber nachdachte.
Er und ich wollte zwar beieinander bleiben und er wollte unsterblich werden. Doch mit seiner Unsterblichkeit, würde er auch seine Familie und Freunde alt werden und sterben sehen. Er gab alles auf, während ich nichts verlor, wenn er zu mir kam.
In irgendeiner Weise würde er seinen Posten als Alpha aufgeben, auch wenn er dann eventuell ewig der Anführer des Rudels sein würde. Er würde seine Sterblichkeit aufgeben. Seine Freunde und seine Familie. Alles...
Es war egal, ob das Schicksal, die Mondgöttin, das Geisterherz oder was auch immer es so wollte. Wir, oder in diesem Fall Silvan, war derjenige, der Opfer brachte. Dann war es auch okay, wenn wir uns gegen diese höhere Macht stellten, wenn sie uns einen Weg vorschrieb, der uns nicht gefiel.
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Forest Spirit
FantasyCover Credits gehen an @Beyond_Borderland ! Danke für dieses fantastische Cover! ☪ Elian, der verfluchte Waldgeist, der zu einem Walddämonen wurde und seinen Gefährten in der Geschichte von Harper fand, erhält nun seine eigene Geschichte. Liebe wäc...
