Elian
Ein Schauer rann meinen Rücken bei dem Grinsen des Dämonen hinab. Seine Visage war so fürchterlich anzusehen, dass mir schlecht wurde. Doch egal, wie sehr es mich auch einschüchterte, ich erlaubte mir nicht, mich davon beirren zu lassen. Durfte es einfach nicht.
Meine Hufe schlug ich mit einer solchen Wucht auf den Boden, dass das Gestein unter mir nachgab und der Knall wie ein Donner über das Schlachtfeld schallte. Riesige Wurzeln und Ranken schossen aus dem Gewässer unter der Brücke. Sie schossen empor wie die Tentakeln eines gigantischen Seeungeheuers, das ein Schiff umschlang und in die Tiefen des Meeres entführen wollte.
Meine Ranken und Wurzeln umschlangen Adonais Körper. Ich wollte die kontrolliert fester ziehen. Erlaubte ihnen gleichzeitig ihren eigenen Willen und verstand. Sie sangen mir zu. Sangen zu mir Lieder ihres Beistandes. Doch sobald sie nur in Berührung mit Adonai kamen, vertrockneten sie. Ihre Schreie hallten schrecklich in meinen Ohren wider, als ich sie nicht nur sterben hörte, sondern auch spürte.
Verbittert scharrte ich mit meinem Huf.
Dennoch hatte ich es geschafft eine Reaktion in Adonai zu entfachen. Ihm war sein amüsiertes Grinsen von seinem Schädelgesicht vergangen. Brodelnder Zorn erschien dafür unter der verwesten Skeletthülle.
Sein Brüllen ging mir durch Mark und Bein, als er auf mit so einer Geschwindigkeit auf mich zu stürmte, dass ich ihn erst wahrnahm, als er mich schon am Geweih gepackt hatte. Mit einer brutalen Kraft warf er mich in die Höhe und schleuderte mich über den Rand der Brücke.
Kurz zuckten meine Augen zu den anderen, damit er sich nicht auf sie stürzte, doch als mein Körper auf die Wasseroberfläche traf und nicht versank, war seiner Aufmerksamkeit noch immer auf mich gerichtet.
Ich sollte fasziniert sein, dass ich nicht versank. Denn so wie ich in meinem Seelenspiegel auf meinem See laufen konnte, tat ich es nun hier auch. Das hielt jedoch mein Fell nicht davon ab, triefend nass zu sein. Die Wassertropfen fielen plätschernd von mir hinab, als ich mich erhob.
Ich wartete nicht lange, um drohend mein Geweih zu senken und auffordernd zu stampfen.
Mir blieb auch nichts anders übrig, als immer wieder aufzustehen und ihn herauszufordern. Ich musste mein Volk in Sicherheit wissen. Ich musste mein Versprechen erfüllen. Und ich konnte mein Ziel nur erreichen, wenn ich diesen Dämonen hinrichtete. Ich musste ihn provozieren und angreifen, bis ich eine offene Angriffsfläche sah und zuschlagen konnte.
Ein kleiner, winziger Punkt reichte mir schon aus.
»Ich begleite dich«, hörte ich Elladans Wispern.
Mein Magie pulsierte mit jedem Sprung meiner Hufe immer kräftiger. Kraftvoll trugen sie mich über das Wasser direkt auf ihn zu. Wild begann mein Herz in meiner Brust zu pochen, als ich sah, dass er sich zu meiner Familie gedreht hatte, die sich versucht hatte zurückzuziehen.
Ich zögerte keine Sekunde länger und befahl Wurzeln über die Brücke zu jagen und ihn zu packen. Selbst wenn sie bei direkten Kontakt verdorben, so stürzte er dennoch zu mir ins Wasser. Nur im Gegensatz zu mir versank er. Das dimmte seine eigentliche Größe trotzdem nicht gerade ein.
Tief neigte ich ihm mein Geweih entgegen. Schwerter, geformt aus purem Mondlicht, erschienen um mich herum und bohrten sich im selben Moment in seinen Körper, wie ich mein Geweih in ihn rammte.
Zornig brüllte er auf. Deutlich hörte ich die Qual aus seinem Gebrüll. Mein Licht flutete ihn und seine erbarmungslose Verdorbenheit. Zu verkeilt in seinen Knochen, ergriff er die Chance und packte mich mit so einer Kraft, dass meine Knochen unter ihm brachen. Sein Heulen, als mein Geweih sich aus ihm riss, war unverkennbar voller Pein. Doch ich hörte es kaum, als ich ich mich noch im Flug verwandelte und auf der Brücke abrollte.
DU LIEST GERADE
Forest Spirit
FantasiaCover Credits gehen an @Beyond_Borderland ! Danke für dieses fantastische Cover! ☪ Elian, der verfluchte Waldgeist, der zu einem Walddämonen wurde und seinen Gefährten in der Geschichte von Harper fand, erhält nun seine eigene Geschichte. Liebe wäc...
