Chapter - 50

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Silvan

Lächelnd beobachtete ich meine zierliche Tochter, die auf der Wiese kniete und Wildblumen pflückte. Ihre weißen Haare fielen ihr schon so lang über den Rücken, dass wir sie ihr zu einer Flechtfrisur hochstecken mussten, damit sie nicht noch aus Versehen auf sie trat und stolperte.

Das blaue Band Elladans zierte dabei ihr Haar. Sie erlaubte nicht, dass jemand ihr die Haare schnitt. Sie war genauso stur wie ihr Vater. Es trieb mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen.

Ameisen krabbelten über ihre nackten Füße, aber nicht eine der winzigen Waldbewohner störte sie. Nein, sie hieß ihre kitzeligen Begrüßungen sogar kichernd willkommen.

Ihre reinen Augenfarbe, ähnelten so sehr der von Elian, dass ich mir in all den Jahren immer wieder wünschte, sie wäre mit anderen Augen geboren worden. Ich wollte nicht an die schmerzhafte Sehnsucht und Einsamkeit erinnert werden, die mich stetig zerfraß und schlimmer wurde, wenn ich in ihre Augen blickte.

Gleichzeitig sollte sie aber auch keine andere Augenfarbe besitzen, denn es waren seine Augen. Augen, die ich so sehr vermisste. Nach denen ich mich verzerrte. Denen ich so sehr wieder entgegen blicken wollte.

Mein Sohn dagegen spielte mit seinem Falken, dessen Gefieder braun rötlich glänzte. Er hatte ihn vor einigen Jahren gefunden. Das Nest war zu Boden gestürzt. Die anderen Eier zerstört und die Eltern hatten es verlassen. Nur dieses Ei hatte überlebt. Faolan hatte lange auf die Rückkehr der Eltern gewartet. Als keiner kam, hatte er es mitgenommen, ausgebrütet und den Raubvogel aufgezogen.

Immer wieder warf er ein Säckchen in die Höhe, das der Falke auffing und wieder zu Faolan brachte. Seine goldenen Haare waren zu einer wahrlichen Mähne geworden, wenn ich zurück an die wenigen Haarfussel auf seinem Kopf dachte, die er als Säugling besessen hatte.

Das Gold seiner Augen hatte schon damals den Kronen von Königen aus alter Zeit geglichen. Und je älter er wurde, desto mehr leuchtete das Gold. Die strahlende, warme Sonne war ein Nichts gegen seine hitzigen, majestätischen goldenen Augen.

»Papa, kann ich die an Papas Grab legen?«, erschreckte Fawn mich unbewusst.

Ich hatte gar nicht bemerkt, dass sie näher gekommen war. Benommen blinzelte ich ich erstmal registrieren musste, was sie mir entgegen hielt. Es war ein bunter Straus aus den Wildblumen, die sie gerade frisch gepflückt hatte.

Ich hatte nicht einmal realisiert, dass sie einen gemacht hatte, obwohl ich sie die ganze Zeit von meiner Stelle unter den Bäumen aus beobachtet hatte. Bitter stellte ich fest, dass ich mich wieder zu sehr in ihren Augen verloren hatte. Dass ich mich wieder nach ihm verzerrt hatte, obwohl er nicht hier war.

Pure Schmerzen schossen durch meinen Brustkorb. Auch wenn ich jetzt schon lange mit der Unsterblichkeit lebte, so war meine alte Sterblichkeit nie ganz von mir gewichen. Die Jahre gingen zwar schnell vorbei, dennoch fühlten sie sich elend lang an. Ohne Elian an meiner Seite fühlte es sich an, als würde ich einem Film in Zeitlupe zuschauen, obwohl die Welt sich in doppelter Geschwindigkeit bewegte.

Grab...

Er war nicht tot. Er war nicht tot. Er war nicht tot.

Bewusst ballte ich meine Hände zu Fäusten und bohrte meine Fingernägel in meine Handflächen. Der kleine Schmerz betäubte den in meiner Brust, meinem Kopf und in dem ganzen Rest meines Körpers.

Grab— es war kein Grab. Er war nicht tot. Es war kein richtiges Grab. Er war nicht tot. Kein Grab. Er lebte. Ich wartete.

Zittrig lockerte ich meine Faust und spürte sofort, wie sich die Wunden an meinen Handflächen durch meine Heilung schlossen. Meine Heilung war stärker geworden, nachdem ich meine Magie mehr bändigen konnte. Sie war nun so stark, dass sie fast an die von Elian in seinem letzten Kampf heran kam.

Forest SpiritGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt