Elian
»Alles okay bei dir?«
Seufzend legte ich meinen Kopf auf dem Badewannenrand ab und sah zu Silvan, der langsam durch die offene Tür auf mich zu kam, bevor vor der Wanne in die Hocke ging.
»Ich hatte gehofft, dass diese Unterhaltung einfacher ausgehen würde...«, murmelte ich erschöpft.
Er fing an durch meine Haare in kreisenden Bewegungen zu streicheln. Genüsslich schmiegte ich mich näher an seine Hand und seufzte. Ohne ihn hätte ich das alles nicht geschafft.
»Was hast du erwartet?«, fragte er — nicht böswillig. »Sie haben so lange auf dich gewartet. Nein schlimmer. Sie glaubten die ganze Zeit du wärst tot. Natürlich sind sie aufgebracht und überfordert.
»Ich kann auch vollkommen verstehen, dass sie ausgeflippt sind, als du sagtest, dass du nun sterblich bist. Deine Familie hat dich gerade zurück bekommen und dann stirbst du unter ihren Händen erneut weg. Vielleicht jetzt noch nicht, aber wenn du ihre Unsterblichkeit mit deinen paar sterblichen Jahren vergleichst, dann bleibt dir in ihren Augen nicht mehr viel Zeit.
»Sie sind verletzt. Nimm ihnen nicht übel, dass sie es sind. Wir unterscheiden uns vielleicht von unseren Wesen her, aber irgendwie sind wir alle gleich. Und Menschen sagen oft Dinge, die verletzend sind, wenn sie selbst verletzt sind. Wenn sie nicht wissen, wie sie mit ihren eigenen Emotionen umgehen sollen. Sie brauchen Zeit. Aber sie sollten sich auch nicht zu viel Zeit lassen, wo deine begrenzt ist.«
Ich öffnete wieder meine Augen und presste meine Lippen missmutig aufeinander.
Er hatte ja Recht, aber trotzdem machte ich mir einfach Sorgen. Ich war nach so vielen Jahren zurückgekehrt und sie schrien mich an und warfen mir vor, dass ich gegangen wäre, weil ich es nicht mehr mit ihnen ausgehalten hätte.
Klaus besaß eine scharfe Zunge, hatte er schon immer, aber sowas hatte ich niemals aus seinem Mund erwartet.
Es zerriss mich zu wissen, dass sie alle so dachten. Hatten sie schon immer so gedacht? Was war ich wirklich für sie, wenn sie so von mir dachten?
»Komm. Morgen sieht alles schon wieder ganz anders aus. Du brauchst deinen Schlaf nach heute. Du siehst schon wieder so aus, als hättest du wochenlang nicht geschlafen.« Sorgenvoll runzelte Silvan seine Stirn. »Das ist mehr die Verwandlung als deine Familie, oder?«
Ich ließ es kommentar los und das war ihm Antwort genug.
Silvan umschloss meine Hand und zog mich aus der Wanne, bevor er zu dem Handtuch griff und es um meine Hüfte wickelte.
Ich fühlte mich so unheimlich erschöpft. Ich war müde und wenn ich einmal meine Augen schloss, würde ich bestimmt für Tage schlafen können. Es war heute viel zu viel gewesen. Nach der Verwandlung hätte ich mich erst ausruhen sollen. Ich hätte nicht mit Kain sprechen sollen. Ich hätte nicht nach Nelantulis zurückkehren sollen. Ich hätte wenigstens einen Tag warten sollen, um mich zu erholen.
Sanft legte Silvan seine Hände an meine Wangen und küsste meine Lippen zärtlich, bevor er mich zu dem großen Bett führte, das Platz für mehr als zwei Personen bot.
Aus seinem gepackten Rucksack holte er frische Kleider. Schwerfällig zog ich mich um, bevor ich zusammen mit Silvan unter die samtig weiche Decke kletterte. Sanft zog er mich gegen seinen Brust und schmiegte sich an meinen Rücken. Er schenkte mir die Wärme, die meinem Körper fehlte.
»Schlaf gut, mein Waldgeist«, flüsterte Silvan. Deutlich hörte ich das neckende Schmunzeln aus seinen Worten.
»Schlaf gut, mein Alpha«, murmelte ich zurück. Etwas lieblos, aber er nahm es mir nicht übel. Und dann schliefen wir beide ein. Wenn auch unruhig.
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Forest Spirit
FantasyCover Credits gehen an @Beyond_Borderland ! Danke für dieses fantastische Cover! ☪ Elian, der verfluchte Waldgeist, der zu einem Walddämonen wurde und seinen Gefährten in der Geschichte von Harper fand, erhält nun seine eigene Geschichte. Liebe wäc...
