Fawn
»Prinzessin, ich lege Eure frischen Kleider auf Euer Bett«, informierte meine Zofe mich. Lächelnd nickte ich ihr zu und schloss die Badtür hinter mir, um mich dann seufzend daran zu lehnen.
Heute hatte ich Papa ein wenig bei der Arbeit über die Schulter schauen sollen. Es erstaunte mich noch immer, dass er täglich so konzentriert, für einen langen Zeitraum, über viel zu viele Dokumenten hocken konnte. Vor allem da mein Papa sich auch mal viel zu gerne versteckte und allem Stress entging.
Nachdem er aus seinem unendlichen Schlaf aufgewacht war, hatte Papa sofort die Arbeit übernommen, die Papa in seiner Abwesenheit gemacht hatte. Er hatte beinahe so getan, als wäre nie etwas gewesen.
Natürlich gab es deshalb nicht nur einmal Streit zwischen meinen Vätern, weil Papa nicht wollte, dass Papa sich überarbeitete. Selbst mir war damals schon mulmig dabei gewesen, ihn direkt hinter den Papierstapeln zu sehen.
Aber so hatte Papa immer von ihm erzählt. Ein verantwortungsvoller König, der alles andere über seine eigene Gesundheit stellte. In einer Art hatte ich immer ein Bild von ihm. Durch das Portrait von meinen Vätern, wusste ich wie Papa aussah.
Und wenn ich Papa bei der Arbeit beobachtet hatte, hatte ich nicht den Wolfskönig gesehen, sondern den weißen Hirsch, der sich Gläser auf die Nase schob und seine Haare zu einem unordentlichen Zopf gebunden hatte. Ihn nach seinem Erwachen wirklich hinter dem Schreibtisch zu sehen, erfüllte alle Vorstellungen, die ich über die lange Zeit von ihm hatte.
Als ich älter wurde, hatte Papa mir erzählt, wie verzweifelt er gewesen war, als er niemanden im Palast gesehen hatte. Seine Magie noch zu unterbrochen mit seinem Verstand, um andere Waldgeister zu spüren. Wie er aber Papa gespürt hatte und dem Gefühl gefolgt war. Wie er durch den Wald gerannt war und ein Gefühl ihn gestoppt hatte, das dem eines Gefährten glich, als er Faolans und meine Stimme hörte.
Ich erinnerte mich noch zu gut an jenen Tag, als er uns im Wald gegenüber stand. Ein verlorener König, der so wild und verzweifelt ausgesehen hatte. Aber selbst wenn er so dunkle Emotionen ausgestrahlt hatte, konnte ich mich nur an den mächtigen weißen Hirsch erinnern, der dort gestanden hatte. An den König, der sich mein Papa nannte.
Seufzend stieß ich mich von der Tür ab und ließ meine Kleider zu Boden fallen. Entspannt glitt ich in das warme Badewasser und legte meinen Kopf mit geschlossenen Augen auf dem Rand ab. Meine langen Haare fielen über den Rand zu Boden.
Ich war damals noch klein gewesen, aber selbst dann war ich und auch jeder Waldgeist dazu fähig gewesen, zu spüren, wie sehr Papa trauerte. Wie sehr er auf das Erwachen von Papa wartete. Wir alle hatten die bittere Verzweiflung einer einsamen Seele gespürt, die auf ihr Gegenstück wartete. Es war furchtbar schwer ihn anzusehen gewesen. Ich hatte Papa jede Minute im Arm halten wollen, damit er sich nicht mehr so einsam fühlte. Aber gleichzeitig konnte ich nichts gegen seine Einsamkeit tun.
Erst, als er Papa wirklich gegenüber stand und all diese Gefühle in seinen Augen erschienen, erkannte ich, was für ein Segen und Fluch die Verbindung zwischen Gefährten war.
Manchmal hatte ich hinterfragt, wie Papa diese Grausamkeit Papa antun konnte. Wie er ihn hatte so lange alleine lassen können. Am Ende wusste ich aber auch, dass es nicht seine Schuld war, dass er solange fort war. Wenn es in Papas Hand lag, wäre er nie so lange fort gewesen.
Ich hasste ihn nicht dafür. Niemals hatte ich Papa für sein Opfer gehasst. Ich konnte es gar nicht. Er hatte den Köder gespielt und die Aufmerksamkeit des Dämonenkönigs auf sich gezogen, damit Onkel Kain Adonai töten konnte. Sein Opfer hatte den Krieg beendet. Er hatte uns eine Welt geboten, in der wir in Frieden aufwachsen konnten.
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Forest Spirit
FantasiCover Credits gehen an @Beyond_Borderland ! Danke für dieses fantastische Cover! ☪ Elian, der verfluchte Waldgeist, der zu einem Walddämonen wurde und seinen Gefährten in der Geschichte von Harper fand, erhält nun seine eigene Geschichte. Liebe wäc...
