Grinsend sah ich in den Spiegel im Hausflur. Heute stand ein ganz anderer Mann vor mir. In meinen Augen schien ein Glanz, der nur so vor Energie und Lebensfreude strotzte. Meine schwarzen Haare hatte ich im Gegensatz zu sonst ordentlich nach hinten gekämmt und meine Kleidung, die ich wieder von Aarón hatte, war ungewohnt sauber und fein.
Schließlich war heute ein besonderer Tag. Zumindest für mich.
„Hast du auch gefrühstückt, Ace?", rief Julia mir aus der Küche zu, die für die Kinder den Tisch deckte.
„So halb."
Ich hörte wie sie die Teller abstellte und wenig später streckte sie den Kopf in den Flur. „Wie kann man denn halb frühstücken?"
„Das heißt in seinem Fall, dass er nur Kaffee hatte", mischte sich Cosmo aus dem Esszimmer ein und ich konnte ihn förmlich durch die Wand grinsen sehen.
Tadelnd sah Julia mich an, wurde aber durch die Zwillinge unterbrochen, die die Treppe hinunterkamen und gleich ins Esszimmer abbogen. „Morgen, Ace", begrüßten sie mich energiegeladen, ohne mich anzusehen, und setzten sich zu meinem Bruder an den Tisch. Der Morgen war, wie fast jeder andere auch, sehr chaotisch. Und als dann auch noch Helena nach unten kam, verließ ich schnell das Haus.
Etwas zu viel Gewusel am Morgen für meinen Geschmack. Außerdem wollte ich Julia entkommen, die mich vielleicht noch gemästet hätte, weil ich zu wenig aß.
„Wow, was ist denn deine Mission heute?" Keno.
Leicht genervt hob ich den Kopf und zog die Augenbraue hoch. „Probleme mit meiner Kleidung?"
„Nein", meinte er sofort und deutete auf meine Haare. „Du siehst nur so zivilisiert aus."
Schnaubend steckte ich meine Hände in die Taschen. Vielleicht war es keine gute Idee den heutigen Tag auszuwählen. Aber es ging auf den Winter zu und mir war Das eben sehr wichtig. Bis auf Aarón wusste aber niemand von meinem Vorhaben. Es war eine Sache, die ich nicht in der Welt herumposaunen wollte. Nur bei Cosmo hatte ich etwas angedeutet, wollte ihn aber nicht gleich überfordern, weil er in der Glaubenssache noch nicht so weit war.
„Manuel hat sich übrigens bei mir gemeldet", murmelte Keno nach Minuten der Stille. „Er... hat uns eingeladen zu seinem Geburtstag."
Überrascht riss ich die Augen auf. „Uns?!"
„Jap." Seufzend verzog der Braunhaarige sein Gesicht. „Ich weiß noch nicht, ob ich hingehe, aber ich glaube, dass er uns etwas entgegenkommen will. Er sucht Anschluss. Wenn ihr geht, gehe ich auch."
„Ich werde mal mit Cosmo darüber reden", antwortete ich gleichgültig. Letztlich war mir die Feier egal. Mit Manuel würde ich höchstwahrscheinlich nie eine Freundschaft aufbauen, aber vielleicht konnten wir ja irgendwann Frieden schließen. Das würde sich auch Aarón wünschen, der noch bei den Kühen war und somit der Grund, wieso ich warten musste.
Manuels Kumpel war seit jener Nacht verschwunden. Keiner wusste, wo er hin war. Und niemand kannte den Grund.
Nur ich. Nicht einmal Cosmo hatte ich erzählt, was passiert war. Auch Aaróns Familie wusste von nichts. Die Geschehnisse dieser Nacht würde ich mit ins Grab nehmen. Meine Abwesenheit hatte niemand bemerkt. Am nächsten Morgen fielen nur meine Verletzung und meine Erschöpfung auf. Zwar schöpften Keno und Cosmo sofort Verdacht, aber ich schwieg. Bis heute.
Knapp ein Monat war seither vergangen.
Meine Verletzung war gut geheilt, der Alltag ging normal weiter, wir besuchten die Gemeinde... Alles war wie immer. Nur ich war anders. Gelassener. Glücklicher. Erlöst von meiner Angst. Das war auch meinem Bruder aufgefallen, der seit längerem komplett auf Haarfarbe und Kontaktlinsen verzichtete. Er hatte sich selbst akzeptiert und ließ die Vergangenheit los. Ebenso wie ich.
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Hope in the Darkness
ActionAls Auftragskiller und ehemaliger Obdachloser hatte Ace es nicht immer einfach. Seine Weltansicht ist dementsprechend negativ. Doch als er eines Nachts einen entscheidenden Fehler macht und sich ungewollt mit der Mafia anlegt, wird der Jäger zur Fl...
