Ich riss meine Augen auf. Welchen Freund meinte er bitte?! Doch nicht etwa- Ein ungutes Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus und ich drohte zu ersticken.
„Wen meinst du?"
Sein Mund verzog sich zu einem Grinsen. „Du kannst dich glücklich schätzen, er hat dich bis zur letzten Sekunde verteidigt. Dich nicht verraten. Wollte dich sogar warnen. Aber etwas naiv war er. Telefonate kann man immerhin abhören."
Telefonate? Verwirrte kniff ich die Augen zusammen. Cosmo und ich hatte doch gar nicht- Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Tai.
„Du scheinst zu wissen, wen ich meine", murmelte er selbstgefällig. „Aber keine Sorge, er hatte einen schnellen Tod. So wie du auch."
Das kalte Metall drückte kräftiger gegen meine Stirn und meine Augen füllten sich unweigerlich mit Tränen. Tai hatte das nicht verdient. Es war doch meine Schuld. Meine! Nie wollte ich ihn da mit hineinziehen. Ich wollte nie irgendjemanden mit hineinziehen! Er war meinetwegen tot. Und dabei wollte er mir nur helfen. Hatte dafür sein Leben aufs Spiel gesetzt als er mich damals angerufen hatte. Und so wurde ihm seine Treue gedankt.
Gequält schluchzte ich auf. Meine Schwäche war ja so erbärmlich. Früher wäre es mir egal gewesen, doch jetzt hatte ich etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnte. Mein Leben hatte einen Sinn, ich wollte es nicht einfach wegwerfen!
Nur hatte ich kein Mitspracherecht.
Kalt sahen mich die blauen Augen meines Gegenübers an. Strahlten dabei puren Hass aus. Aber noch mehr als das. Leid. So unglaublich großes Leid und tiefe Trauer, als wäre er gebrochen. Als hätte er jedes Licht und jede Hoffnung verloren. Und in dem Moment wurde es mir klar. Wir waren nicht nur unglaublich ähnlich, er war quasi ich. Nur ohne Gott.
„Jetzt kann dir dein Gott auch nicht mehr helfen. Ruf ruhig nach ihm, es bringt dir nur nichts", knurrte er mir entgegen.
Seine Finger streckte er nochmal aus, legte sie dann an den Abzug und sah mir tief in die Augen.
Sofort kniff ich sie zusammen. Wünschte mich an einen anderen Ort. Wollte den Knall nicht hören. Den Schmerz nicht spüren. Den Mafiosi nicht mehr sehen. Was würde wohl Cosmo denken, wenn er morgen allein in unserem Bett aufwachen würde? Was würde Aarón sagen, wenn ich nicht zum Frühstück kommen würde? Wenn ich gar nicht mehr auftauchen würde und man irgendwann meine Leiche in den Bergen finden würde?
Ich wollte diese Vorstellung nicht. Wollte mir nicht vorstellen, dass ich sie wahrscheinlich alle nie wiedersehen würde und meine letzte Tat wohl war, dass ich ihnen Kummer bereitete.
Meine Atmung hatte ich eingestellt. Ich hörte nur die schnellen Luftzüge meines baldigen Mörders. Ich war dem Tod so nahe und verspürte dennoch eine innere Ruhe. Frieden. Zwar wollte ich mein irdisches Leben nicht loslassen, aber der Gedanke daran, dass es nach dem Tod weiterging und ich gerettet wäre, ließ mein Herz wieder langsamer schlagen.
Leicht bewegte sich die Pistole auf meiner Stirn. Ich hörte etwas Klacken. Vielleicht eine Sicherung?
Dann drückte er ab.
Trotz der Vorbereitung zuckte ich zusammen. Spürte das leichte Zittern meiner Hände, die neben mir im Gras lagen. Moment, meine Hände? Ich spürte meinen Körper noch? Irritiert öffnete ich die Augen und sah zu dem Mafiosi auf. Ich lag noch immer im Gras auf dem Plateau. Spürte den Streifschuss im Oberarm und die Pistole auf meiner Stirn. Was zum-
„Wie?" Ebenfalls schockiert nahm mein Angreifer die Pistole von meiner Stirn und schüttete sie. „Das kann doch nicht wahr sein!"
Fluchend stand er von mir auf. Öffnete seine Waffe und sah nach der Ladung. Anhand seines Gesichtsausdrucks konnte ich mir schnell denken was los war. Er hatte keine Munition mehr. Oder sie war kaputt, was eher unwahrscheinlich war. Doch egal was es war, am Ende schmiss er sie schreiend einige Meter weiter weg.
DU LIEST GERADE
Hope in the Darkness
AkcjaAls Auftragskiller und ehemaliger Obdachloser hatte Ace es nicht immer einfach. Seine Weltansicht ist dementsprechend negativ. Doch als er eines Nachts einen entscheidenden Fehler macht und sich ungewollt mit der Mafia anlegt, wird der Jäger zur Fl...
