* 22 *

31 6 1
                                    

Froboscha und Farline saßen immer noch an Deck, als nach mehreren Stunden die beiden Männer wieder aus der Kabine traten. Beide machten einen gutgelaunten Eindruck, was die beiden Frauen in Erstaunen versetzte. „Ich glaub, die haben sich geeinigt," flüsterte Farline. „Ja," entgegnete Froboscha ebenso leise. „Fragt sich nur, auf was. Und was das für uns bedeutet."

Die beiden gingen zum Aufgang Richtung Brücke, als seien sie gute Freunde.

„Sag mal, Ulgur," bemerkte der Schwarze Korsar mit einer beiläufigen Kopfbewegung zu den beiden Gefangenen hin, „willst du die beiden eigentlich verhungern lassen? Falls nicht, solltest du da vielleicht auch etwas unternehmen."

Mit diesen Worten und ohne sich auch nur nach seinen ehemaligen Gefährtinnen umzudrehen stieg er die Treppe zum Steuerruder empor.

Ulgur zögerte kurz. Dann befahl er einem seiner Männer: „Was zu essen für die zwei. Und Wasser, macht schon." Er drehte sich um und brüllte mit machtvoller Stimme:

„Leute! Herhören! Segelsetzen und dann Kurs Nord-Nordost. Ich übernehme das Ruder." Damit folgte er seinem Kollegen nach oben auf die heckseitigen Aufbauten des Schiffes, wo sich das Steuerruder befand.

Froboscha schüttelte den Kopf. „Ich verstehe es nicht. Wohin wollen die? Anscheinend hat unser Pirat diesem ... diesem Ulgur irgendwas versprochen. Sonst wäre der doch nicht plötzlich so zufrieden."

Farline nickte. Sie war erleichtert, dass man ihr nicht mehr getan hatte, zugleich aber auch enttäuscht, dass ihr ehemaliger Gefährte sich so plötzlich mit dem Feind verbündet hatte.

„Vielleicht hat er ihm versprochen, dass er uns auf dem Sklavenmarkt verkaufen darf."

Froboscha schüttelte den Kopf. „Das kann der doch sowieso tun, wenn er will. Nein, es muss etwas anderes sein, dort, wo wir jetzt hinsegeln. Ich frag mal..." und bevor die ängstliche Farline sie daran hindern konnte, war die Zwergin aufgestanden und wandte sich an eine Piratenfrau, die gerade mit einem Wasserschlauch und Schiffszwieback auf sie zukam:

„Wisst ihr, wo die hinwollen?"

Die Frau, eine ältliche, dunkelhäutige Person mit ledriger, zerknitterter Haut verzog ärgerlich das Gesicht:

„Hinsetzen! Aber sofort, sonst gibt's statt Essen die Dreiköpfige!" Sie warf Farline den Zwieback und den Wasserschlauch in den Schoß.

Froboscha setzte sich gehorsam, war aber ansonsten nicht sehr eingeschüchtert.

„Gut, ich sitze wieder. Und wohin fahren wir?"

„Ich möchte' wissen, was euch das angeht!" Die Frau zögerte und antwortete dann doch: „Ich glaub' der Schwarze bringt uns zu seinem Schatz." Dabei glitt ein breites Grinsen über ihr Gesicht. „Was nur gerecht ist. Der hat uns früher mal übel betrogen."

Sie beugte sich vor, und das Grinsen machte einem drohenden Ausdruck Platz: „Und euch rate ich: benehmt euch lieber ganz, ganz unauffällig. Wenn ihr uns auf die Nerven geht, landet ihr nicht in Al-Anfa, sondern als Hai-Futter im Meer."

Damit wandte sie sich ab und verschwand.

Farline seufzte. „Wenn sich unser Pirat jetzt so gut mit diesem Ulgur versteht, konnte er eigentlich was tun, um uns zu helfen."

Froboscha, die gierig ein Stück Zwieback verschlang, blickte sie verwundert an. „Das tut er doch. Hast du das nicht gemerkt?"

„Ich hab nur gemerkt, dass er ihm vorgeschlagen hat, uns in Al-Anfa zu verkaufen."

„Und damit dafür gesorgt, dass man uns vorerst in Ruhe lässt." bemerkte die Zwergin und nahm einen großen Schluck Wasser.

* * *

Perlenmeer Teil 2: EfferdWo Geschichten leben. Entdecke jetzt