Kang Taehyun ist hochbegabt, doch nur mit seinem leistungsstarken Verstand und seiner Vorliebe für Zahlen bekommt er keinen großen Freundeskreis. Was Taehyun nicht unbedingt stören würde, wäre da nicht seine große Leidenschaft.
Das Fußballspiel.
Daf...
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Ob irgendwie auf der Homepage der Schule stand, warum diese Mädchen eine andere Farbe auf ihren Röcken hatten?
Es triggerte mich.
Sie passten einfach nicht in das Gesamtsystem der Schule, also wieso konnten die Mädchen auf der Mehrheit herumhacken? Ich war doch immerhin ein Beispiel dafür, dass man ausgegrenzt wurde, wenn man anders war. Nachdenklich öffnete ich die Haustür, starrte vor mich hin und legte eher nebensächlich alles dorthin, wo es hingehörte. Die Schuhe rechts von der Tür, auf eine Matte. Die Jacke musste darüber hängen in einer dafür vorgesehenen Schutzfolie, damit nicht die Hundehaare von Haengbogi – der Name bedeutete ›Happy‹ und gehörte einem Korea Jindo Dog – ständig auf meiner Schuluniform klebten. Wobei es bei der Hose längst zu spät war.
Ich klopfte Haengbogi sanft auf den Kopf, aber mein eigener war komplett woanders, wodurch ich Orientierung verlor und einfach nur dastand, um den Hund zu streicheln.
»Alles okay?«, riss mich die Stimme meines Bruders Hyanggu aus meiner Konzentration und ich sah zu ihm auf. Er stand in einem T-Shirt da, das er schon seit drei Tagen trug und rieb sich mit den Fingerknöcheln über sein kurzes, dunkles Haar.
Fünf Sekunden lang starrte ich ihn an, ließ mir von Haengbogi über die Hand lecken und fragte dann nur: »Kann ich an die Playstation?«
Ein kurzer Lacher entwischte ihm und er rieb sich über den Bauch. Hyanggu hatte bestimmt schon seit einer ganzen Weile nichts anderes getan als PlayStation gespielt und ich würde es ihm nicht übel nehmen. »Bist du noch immer in der FIFA-Sucht?«, fragte er.
Ich zuckte mit den Schultern.
Konnte ihm schwer sagen, dass mein Training ausgefallen war, weil eine komische Gruppe von Mädchen meinen Platz belegt hatten.
Die abgeleckte Hand wischte ich an meiner Hose ab, schulterte nur einen Träger meines Rucksacks und sah meinen Bruder mit schief gelegtem Kopf an. »Das ist keine Sucht. Es ist ein Hobby, wenn man es nur an Zeiten macht, die einem zur Verfügung stehen. Du dagegen siehst aus wie ein Arbeitsloser. Warst du heute schon einmal unter der Dusche?«
Mit gerunzelter Stirn stemmte Hyanggu seine Hände in die Hüften.
»Ich habe frei«, protestierte er.
Mein großer Bruder ging zur Universität und studierte dort Design. Ich hatte jedoch keine Ahnung, ob es ihm überhaupt gefiel, weil mir noch nie aufgefallen war, dass Hyanggu sich für Design interessierte. Jedenfalls hatte er es nie behauptet und ich war sonst ein guter Beobachter. »Außerdem dusche ich am Abend, ich hatte eben was zu tun.«
»Okay, darf ich jetzt an die Playstation?«, wiederholte ich meine Frage und trat einen Schritt auf ihn zu.
Wieso konnte niemand mir eine direkte Antwort geben?
War das wirklich so schwer?
Die letzten 35 Minuten zogen schon wahnsinnig an meinen Nerven. Die Sache mit der Schuluniform ließ mir keine Ruhe. Außerdem hatte ich selbst nicht spielen können und meine Tagesroutine war ziemlich vollgepackt. Ich hatte ein straffes Zeitfenster, wobei mir heute wirklich der Gedanke kam, dass ich eine Ausnahme machen sollte. Mit dem Wissen, dass ich für den Rest des Tages oder spätestens Morgen genervt sein würde, weil man mich derart aus dem Rhythmus gebracht hatte.