Pov: Unbekannt:
„Ich war ungefähr zwölf, als man mich dazu zwang, zum Mörder zu werden."
Der Boden unter meinen Füßen war kalt, feucht, mit Nadeln und altem Laub bedeckt. Die Luft roch nach Erde, Blut und Feuer. Und nach ihm – meinem Vater. Sein Geruch lag überall in diesem Wald wie ein Fluch, den man nicht abschütteln konnte.
Ich stand da. Nackt, bis auf das Blut, das getrocknet an meiner Haut klebte. Meine Handgelenke brannten noch von den Ketten. Meine Schultern zitterten unter dem Gewicht der letzten Tage. Zwei Nächte hatte ich gehangen. Zwei Nächte ohne Schlaf, ohne Licht, ohne ein Wort. Nur das metallene Tropfen von Wasser. Nur mein eigener Atem. Nur mein Wille, der langsam zu Staub zerfallen war.
Und jetzt das hier.
Der Mann kniete ein paar Schritte vor mir. Hände gefesselt, den Kopf erhoben, der Blick klar. Kein Flehen in seinen Augen. Keine Angst.
Er wartete.
Wahrscheinlich auf Mitleid. Auf Menschlichkeit.
Ich hatte beides nicht mehr.
„Töte ihn", sagte mein Vater ruhig.
Seine Stimme war das Messer, das er nicht in der Hand hielt.
„Er ist ein Gesetzesbrecher. Ein Feind. Ein Narr, der geglaubt hat, er könne unsere Grenzen überqueren."
Ich starrte den Mann an. Er war größer als ich, stärker – und doch war ich derjenige mit dem Urteil.
Ich spürte, wie mein Magen sich verkrampfte.
Ich wollte nicht.
Ich wollte nicht.
Aber was ich wollte, spielte keine Rolle.
„Was zögerst du?", kam es schärfer.
„Oder willst du mir beweisen, dass du doch nur ein Feigling bist?"
Feigling.
Wieder dieses Wort.
Er hatte es mir schon als Kind ins Gesicht geschleudert, als ich nicht laut genug geschrien hatte. Als ich gezuckt hatte vor Schmerz. Als ich mich geweigert hatte, einem Wolf den Fangzahn auszubrechen.
Feigling.
Wertlos.
Enttäuschung.
Ich spürte, wie mein Brustkorb sich verengte. Ich konnte kaum atmen – nicht vor Angst, sondern vor diesem nagenden Hunger, es ihm zu beweisen. Ich war nicht schwach. Ich war sein Sohn. Ich war kein Fehler.
Ich hörte meinen Vater um mich kreisen, spürte seinen Blick wie glühendes Eisen in meinem Nacken.
„Sieh ihn dir an. Er würde dich töten, wenn ich es ihm erlaubte. Und du? Du zitterst. Willst du ewig der kleine, nutzlose Junge sein, der bei jedem Blick zu Boden schaut?"
Ich schloss die Augen.
Für einen Moment war da nichts.
Dann kam der Schmerz zurück.
Nicht der körperliche – der andere. Der tiefere.
Die Scham, seine Stimme zu fürchten.
Die Hoffnung, wenn er mich lobte – diese eine, kalte Sekunde, in der ich bedeutend war. In der ich gesehen wurde.
Ich wollte das wieder. Ich wollte, dass er sah, dass ich nicht schwach war.
Ich verwandelte mich.
Das Knacken meiner Knochen war lauter als der Wind, der durch die Bäume raste.
Meine Haut spannte sich, riss, verwuchs. Klauen schoben sich aus meinen Fingern, Zähne durch mein Fleisch.
Mein Herz raste.
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The Alpha
Loup-garouBösewichte werden nicht geboren. Sie werden erschaffen. Er war ein Junge, bevor er zum Monster wurde - geformt aus Schmerz, Verrat und Blut. Pia wollte nur ihre Schwester retten. Doch nun steht sie allein zwischen Wahrheit und Wahnsinn. Ein Rudel ze...
