„Suuriii! Alarmstufe doppelrot! Ich brauch deine Hilfe!"
Der Schrei aus ihrem Handy war so laut, dass Suri das Gerät reflexartig ein paar Zentimeter von ihrem Ohr wegzog. Ihr Herz machte einen Satz, weniger aus Sorge als aus purer Überforderung. Warum, wirklich warum, war sie überhaupt rangegangen?
„Dir auch einen wunderschönen guten Morgen, Jisung", brummte sie mit rauer, eindeutig noch schlaftrunkener Stimme. Sie blinzelte gegen das diffuse Licht in dem Gästezimmer ihrer Großeltern und zog die Decke ein Stück höher über ihre Schultern.
„Hast du noch geschlafen?", fragte Jisung ehrlich überrascht.
„Nein", setzte sie an, warf einen Blick auf die Uhr ihres Handys und stockte. „Ich steh am Wochenende immer um..." – sie kniff die Augen zusammen – „...sechs Uhr auf."
Einen Moment herrschte Stille, dann fügte sie trocken hinzu: „Jisung, wenn du mich nicht leiden kannst, sag es mir doch bitte einfach. Das wäre ehrlicher."
Sie rieb sich müde mit Daumen und Zeigefinger über die Stirn, während sie versuchte, ihre Gedanken zu sortieren.
„Oh! Äh... soll ich später noch mal anrufen?", fragte er vorsichtig.
Da riss ihr endgültig der Geduldsfaden. „Jisung, jetzt bin ich wach. Also raus mit der Sprache. Was ist los?"
Er holte hörbar Luft. „Können wir uns treffen? Im Zentrum? Ich erklär dir alles. Du bekommst auch Kuchen."
Kuchen.
Suri schloss kurz die Augen. Das war unfair. Absolut unfair.
„Ich bin am anderen Ende der Stadt", murmelte sie ergeben, „aber ich frag meinen Großvater, ob er mich fahren kann. Nicht vor zehn."
„Deal!", kam es sofort begeistert zurück.
Nachdem sie aufgelegt hatte, drehte sie sich noch einmal in die weiche, warme Decke. Doch an Schlaf war nicht mehr zu denken. Ihr Kopf war wach, ihre Gedanken sprangen bereits hin und her.
„Danke auch, Jisung", murmelte sie in die Stille hinein.
❄️
Pünktlich um zehn Uhr stand sie vor dem Einkaufszentrum, dick eingepackt und mit einem Becher dampfendem Kaffee in der Hand. Jisung wartete bereits unruhig vor dem Eingang, die Hände in den Jackentaschen vergraben, den Blick suchend.
„Okay", sagte sie, kaum dass sie bei ihm angekommen war. „Ich bin hier. Jetzt will ich Kontext."
Sie betraten gemeinsam die helle, geschäftige Passage. Menschen strömten an ihnen vorbei, Stimmen, Musik und der Geruch von frisch gebackenen Waffeln mischten sich in der Luft.
„Also...", begann Jisung zögernd und fuhr sich durch die Haare. „Ich bin der Wichtel von einem Mädchen."
Suri hob eine Augenbraue. „Und?"
„Und das erste Geschenk war schon ein Kampf", gestand er. „Dass ich überhaupt was gefunden hab, war mehr Glück als Verstand. Ich hab... ich hab doch noch nie wirklich ein Mädchen beschenkt."
Sie sah ihn von der Seite an. „Doch eigentlich schon", neckte sie.
„Ja, aber... nicht so", verteidigte er sich hastig. „Ich brauch einfach deine Hilfe."
Da machte es klick.
„Du magst sie", stellte Suri ruhig fest.
Jisung blieb stehen. Sein Blick wanderte zur Seite, seine Ohren färbten sich verräterisch rot.
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✨️ Winterzauber ✨️
Fanfiction✨️ Wenn Nähe mutiger ist als Angst ✨️ Der Winter legt sich wie ein leiser Schleier über die Stadt, als Suri versucht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Zwischen Schule, Theaterproben und stillen Momenten in der Bibliothek hält sie an einer Ho...
