Breathe - Atme wenn du kannst - Teil 17

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Kapitel 17 - Janey 

»Janey Elisabeth Reese ... Wo bist du?«, schrie sie in den Hörer. Innerlich zuckte ich zusammen. Ich hatte absolut keinen blassen Schimmer, was ich ihr sagen sollte. Ich konnte ihr weder von Max erzählen, noch wo ich war. »Mom«, sagte ich, doch meine Stimme war kaum hörbar. »Du kommst jetzt sofort her und erklärst mir, was hier los ist. Deine Sachen wurden eingepackt und nach Hause geschickt. Dein Zimmer wurde leer geräumt, was ist denn nur los?«

Das musste Max veranlasst haben, denn davon wusste ich nichts. Ich löste mich aus seinem Blick und setzte mich in einen Sessel, der in einer Ecke des Zimmers stand. »Mom ich, ich...«

Verzweifelt suchte ich nach Worten, doch ich fand keine. Ich hörte, dass meine Mutter seufzte. »Janey tue mir das nicht an. Ich ertrage nicht noch ein Kind das...«

Sie brach ab und ich hörte, dass sie leise schluchzte. Es zerriss mir das Herz und erneut drückten sich Tränen an die Oberfläche. Meine Mutter hatte Angst und ich musste sie ihr irgendwie nehmen. Mit einem Mal wusste ich, was ich sagen konnte. »Mach dir keine Sorgen, Mom.«

»Janey!« unterbrach sie mich, doch ich ließ sie nicht. »Mom ich verspreche dir, dass ich zurückkomme. Ich brauche nur etwas Zeit für mich alleine... Bitte«, flehte ich. »Ich lasse dich nicht alleine, doch jetzt brauche ich Zeit für mich.«

Ich hatte mit allem gerechnet und war auf alles vorbereitet, nur auf die Worte, die sie dann sprach nicht. »Okay Liebes, auch wenn ich das nicht gern sage, nimm dir die Zeit, die du brauchst und dann kommst du zurück. Versprich mir das.« Nickend und mit einem erstickten. »Ja!« versprach ich es ihr.

Sekunden starrte ich mein Handy an und war verwundert darüber, dass meine Mutter es ohne großes Theater hingenommen hatte. Das Gespräch von heute Mittag hatte anscheinend gewirkt. Dennoch war ich nicht glücklich. Meine Mutter war unheimlich verletzt und obwohl sie anstrengend war und ich so sehr aus meinem Leben ausbrechen wollte, liebte ich sie doch.

»Alles okay?«, fragte Max und ich nahm meinen Kopf hoch. »Was glauben Sie? Sie denkt das, ich sie genau wie mein Bruder verlasse.«

»Janey«, sagte Max und richtete sich etwas auf. »Ich verspreche Ihnen, dass ich alles tun werde, damit Sie bald wieder zu ihrer Familie zurückkönnen.«

Ja natürlich. Irgendwie war ich immer noch sauer, obwohl er mir helfen wollte. Obwohl er mein Leben beschützte, mich beschützte, doch er war auch der Grund, warum ich in dieser Situation war. Ich seufzte, erhob mich und gab ihm wortlos mein Handy zurück.

»Wir sollten was essen, draußen gibt es ein Gasthaus«, teilte er mir mit, währenddessen er mein Handy verstaute. Ja, ich hatte Hunger, doch ich verspürte auch einen ganz anderen Drang. Ich wollte mich betäuben und was bot sich da besser an als eine Kneipe.

Das Gasthaus lag direkt hinter unserem Motel. Es wirkte schon sehr mitgenommen. Das ließ vermuten, dass hier viele Schlägereien stattfanden. Doch hey, was solls, ich war mit einem Killer unterwegs. Schlimmer konnte es doch nicht mehr kommen! Das Licht war eher gedimmt, als wir eintraten, dadurch wirkte alles noch schummriger. Wir setzten uns an einen der freien Tische. Es war nicht wirklich voll. Eine Handvoll Männer saßen an der Theke und lachten lautstark, während sie redeten. Ein paar vereinzelte Tische waren ebenfalls belegt. Die Kellnerin kam sofort zu uns an den Tisch, nachdem wir uns gesetzt hatten und natürlich galt ihre ganze Aufmerksamkeit nur Max. »Hallo ihr zwei, was kann ich euch bringen?«

Sie sah nicht mal in meine Richtung. Ich verdrehte die Augen, wenn die wüsste. »Was kann man bei euch essen?«, fragte Max. Die Kellnerin, die aussah, als wäre sie einem achtziger Jahre Film entsprungen, drückte ihre Brüste raus und lächelte noch viel breiter als zuvor. »Das Tagesmenü beinhaltet Burger und Pommes, sehr zu empfehlen.«

Atme, wenn du kannstWo Geschichten leben. Entdecke jetzt