Breathe - Atme wenn du kannst - Teil 37

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Kapitel 39 - Max

Ein ungutes Gefühl begleitete mich, seitdem ich heute Morgen aufgewacht war. Ich versuchte es zu ignorieren, es zu verdrängen, aber es schimmerte durch mich durch. Meine Analyse über die letzte Nacht hatte eher positiv geendet. Meine Sorge darüber, dass Janey etwas Schlimmes zustoßen könnte, war die letzten zwei Wochen komplett verflogen. Warum sorgte ich mich mit einem Mal so darum, dass ihr etwas passieren könnte?

Meine Gedanken schien nicht normal zu sein. Nachdem wir diese zwei schrecklichen Nächte hinter uns gelassen hatten, verspürte ich den Drang, sie nicht auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Während der ganzen Zeremonie meiner Schwester hatte ich Janey angeschaut. Von der Trauung selbst, hatte ich kaum etwas mitbekommen, weil ich ihr mit den Augen gefolgt war. Genau wie auf der Feier, während ich mich mit Leuten unterhalten hatte, hatte ich Janey die ganze Zeit im Auge behalten. Es widerstrebte mir, dass sie erst nicht mit uns zu Isa hineinwollte und es widerstrebte mir, dass Filiz sie mit hinausgenommen hatte. Meine Killerinstinkte waren wieder voll einsatzfähig und von den letzten zwei Wochen, die ich mit ihr verbracht hatte, schien nichts mehr übrig.

Ich wollte sie einfach nur beschützen und sie ganz nah bei mir haben. Doch wenn ich ihr das sagte, würde sie mich für verrückt erklären. Wie erklärte man jemanden, dass man dabei war, sich in einen kompletten Stalker zu verwandeln? Mein Handy vibrierte in meiner Hosentasche. Während ich genau wie zuvor mit den Augen an Janey hing, die dabei war, ein paar Bilder von den Leuten auf der Tanzfläche machen, holte ich es hervor und las Alex Namen auf dem Display. Mit einem Grinsen auf den Lippen nahm ich das Gespräch an.

»Hallo Zuckerpüppchen, wird auch Zeit!«

Eine dunkle Stimme. Eine Stimme, die ich nicht in Verbindung mit Alex hören wollte, räusperte sich: »Hallo Max!«

Mir war augenblicklich klar, was jetzt folgen würde.

Mit einem letzten Blick auf Janey, die in diesem Moment ihre Kamera runternahm und mich anlächelte, verließ ich das Zelt. Jerry lachte: »Hat es dir die Sprache verschlagen? Keine Sorge, deinem Zuckerpüppchen geht es noch gut.«

Ich war nicht sauer auf Alex. Nein, wie sollte ich das auch. Ich hatte ihr gesagt, dass sie untertauchen sollte, doch sie konnte nicht anders als immer wieder aufzutauchen. Dennoch hatte ich gehofft, dass sie blieb, wo sie war.

»Jerry...«, sprach ich ruhig, »... das wird kein gutes Ende nehmen!« Er lachte lauter als zuvor. »Da sind wir uns das erste Mal einer Meinung, doch nicht für mich.«

Jerry dachte tatsächlich nur, weil er Alex hatte, dass er nicht sterben würde. Er hatte damit quasi sein Todesurteil eingefordert. »Hier ist der Deal, Max. Du hast vierundzwanzig Stunden Zeit, den hübschen Arsch von deiner reichen Göre und dir, hier herzuschaffen. Dann ist Alex raus.«

Die Deals waren immer so eine Sache. Sie waren der letzte Ausweg für ungelöste Probleme. Ich war untergetaucht, Jerry konnte mich nicht finden und behielt sich jetzt den Trumpf mit Alex in der Hand. Zu dumm nur, dass ich mich nicht auf seinen Deal einlassen würde. Es war schon amüsant zu wissen, dass er so geblendet davon war nach mir zu suchen, anstatt über die Konsequenzen, die ihn erwarteten nachzudenken. Ich machte mir auch nicht die Mühe, ihm irgendwas davon zu erklären. Das Gespräch war unnötig geworden. Er würde jetzt definitiv sterben.

»Hier ist mein Deal. Ich komme ohne Janey. Ich werde dich töten. Alex mitnehmen und das ganze dauert weniger als vierundzwanzig Stunden.«

Noch bevor er etwas darauf erwidern konnte, hatte ich aufgelegt. Ein paar Sekunden starrte ich das Display an und dann steckte ich es zurück in meine Hosentasche. Als ich mich wieder umdrehte, stand Filiz hinter mir. Panik stand ihr ins Gesicht geschrieben. »Was ist los?«

Atme, wenn du kannstWo Geschichten leben. Entdecke jetzt