Breathe - Atme wenn du kannst - Teil 23

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Kapitel 23 - Janey 

»Magst du noch einen Kaffee trinken?«, fragte Filiz als ich dabei war, die Teller in den Schrank zu räumen, zu dem sie mich gewiesen hatte. Ich schloss die Tür und drehte mich zu ihr um. »Nein danke.« Sie lächelte lieb und spülte weiter das Geschirr ab. »Geht die nicht?« Ich zeigte auf die Geschirrspülmaschine. »Doch, aber zwischendurch mag ich es selber zu spülen.«

Ich musste etwas grinsen, das wäre bei uns zu Hause undenkbar. Meine Mutter hatte die beste Spülmaschine und nicht nur das, ihr eigenes Personal hatte sie auch. Vorsichtig fragte ich: »Wie lange seit du und Mark schon zusammen?«

Ich hatte sie beim Frühstück genau beobachtet, sie waren sehr vertraut und schienen glücklich miteinander.

Filiz seufzte. »Ach, viel zu lange. Er ist ein großer Mann, mit dem Verstand eines Kindes. Ich versuche schon seit vier Jahren ihn loszuwerden, aber er geht einfach nicht.« Sie riss die Augen weit auf und anhand ihres leichten Lächelns merkte ich, dass sie scherzte. Ich musste ebenfalls grinsen.

»Und du, wie lange bist du mit deinem Verlobten zusammen?«

Max hatte ihr gesagt, dass ich verlobt war. Nach der Nacht, die ich mit ihm hatte, hatte ich gedacht, dass wir uns noch näher gekommen waren. So wie er mich angesehen hatte, was er gesagt hatte und mich genommen hatte. Ich konnte alles um mich herum vergessen. So ein Gefühl hatte ich bei Julian niemals gehabt. Und dann heute Morgen beim Frühstück, wie er mich umsorgt hatte, mir buchstäblich jeden Wunsch aus den Augen gelesen hatte, mich beobachtet hatte. Ich hatte mich auf Anhieb noch nie so wohlgefühlt, doch hier tat ich es. Es war ein Dämpfer, der mich zurückversetzte. Ich schluckte und wusste nicht, was ich ihr darauf antworten sollte. Als ich heute Morgen aufgewacht war und meinen Ring, den Ring, der mich an Julian ketten sollte, gesehen hatte, hatte ich ihn abgenommen und ihn in die Nachttischschublade gelegt. Es schien mir nicht richtig, ihn noch länger zu tragen.

»Entschuldige, wenn ich dir zu nahe getreten bin, das wollte ich nicht«, riss Filiz mich aus meinen Gedanken.

»Nein, schon gut«, erwiderte ich. »Es scheint nur alles so weit weg, nach allem, was passiert ist.«

Was hatte ich denn gedacht, dass Max und ich zusammen in den Sonnenuntergang ritten? Nein, Max war ein Killer. Ich war eine Frau, die irgendwie darein gerutscht war und wir hatten miteinander geschlafen. Er schlief ständig mit Frauen, ich war da keine Besonderheit. Ich versuchte mich in einem Lächeln und erklärte:

»Seitdem wir sechzehn sind. Wir waren erst Freunde und hinterher wurden wir ein Paar.«

Sie zog den Stöpsel aus dem Waschbecken und begann mich eindringlich zu mustern. »Das ist lang, kann man in so einem Alter schon die Liebe seines Lebens finden?«

Das war eine gute Frage. Am Anfang, nachdem Julian mir seine Liebe gestanden hatte, war ich der Meinung, aber mittlerweile, sah ich das ganz anders. Ich zuckte die Schultern, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und musterte mich. Ihre Augen erinnerten mich dabei sehr stark an die ihres Bruders. »Bist du glücklich mit ihm?«

Beinahe hätte ich gelacht. Filiz sah nicht nur aus wie Max. Nein, sie war auch genauso neugierig wie er. »Es ist kompliziert!«

Sie legte den Kopf schief. »Das habe ich heute schonmal gehört.«

Mir war klar, dass Max und sie über meine Situation geredet hatten. Ich hatte im gesamten den Eindruck, dass sie sich sehr gut verstanden und da sie ja über seine Tätigkeit Bescheid wusste, hatte ich es mir gedacht.

»Ich habe trotzdem noch eine Frage«, sagte sie und grinste bis über beide Ohren.

Irgendwie begann mein Herz in diesem Moment schnell zu rasen. Sie würde mich doch nicht fragen, ob ich mit ihrem Bruder schlief.

Atme, wenn du kannstWo Geschichten leben. Entdecke jetzt