Kapitel 52 - Janey
»Ich bin so froh, dass die Familie wieder zusammen ist. Ich hab euch beide sehr lieb«, sagte meine Mutter, während sie den Blick zwischen Jake und mir hin und her warf.
»Und ich freue mich, dass ihr beide heiratet!«
Sie drückte Lucys Hand. Ich bemühte mich darum knapp zu lächeln und stimmte meiner Mutter zu. Es war nicht so, dass ich mich nicht freute. Ich freute mich, dass sie endlich heirateten, aber meine Gedanken lagen bei Max. Egal wie sehr ich versuchte ihn zu vergessen. Egal wie sehr ich versuchte mich auf mich zu konzentrieren, wie sehr ich versuchte ihn aus meinem Leben zu verbannen. Ich schaffte es nicht und die Tatsache, dass er seit zwei Tagen vor meinem Haus parkte, machte es nicht einfacher.
Der Abend, an dem ich ihn wieder gesehen hatte, hatte mich fertig gemacht. Erst das Drama mit Julian und dann mit ihm, das war zu viel für mich gewesen. Ich hatte die ganze Nacht nicht schlafen können, ich konnte sowieso nicht mehr gut schlafen, seitdem Max gegangen war.
Etwas wurde gegen meinen Kopf geworfen.
»Hey Janey, wovon träumst du?«
Ich wirbelte zu meinem Bruder herum und starrte in sein unverschämt grinsendes Gesicht. Er hatte mir eine zerknüllte Serviette an den Kopf geworfen.
»Lass das, deiner Schwester geht es im Moment nicht so gut«, mischte meine Mutter sich in das Gespräch. »Die Trennung von Julian, dann die neuen Lebensumstände.«
War ihr bewusst, dass ich neben ihr saß und hörte, was sie sagte? Ich war seit Tagen gereizt und ihr Gerede machte es nicht besser. Obwohl ich froh war wieder zu Hause zu sein, fühlte es sich nicht mehr nach zu Hause an. Bei Max hatte ich mich zu Hause gefühlt.
Mein Bruder lächelte mich lieb an. »Das geht vorbei, glaub mir«, er zwinkerte.
Ich hatte Jake natürlich von Max erzählt. Die Sache, dass er ein Profikiller war, hatte ich weggelassen. Genau wie dass man versucht hatte mich zu töten, das war zu viel des Guten. Jake wusste, was wirklich los war. Meine Mutter nicht.
Jemand stellte sich zu uns an den Tisch, ohne dass ich aufsah, spürte ich seine Anwesenheit. Das durfte doch wohl nicht wahr sein. Max räusperte sich.
»Hallo Miss Reese, wenn ich mich kurz vorstellen darf, ich bin Max, der Freund Ihrer Tochter.«
Er streckte meiner Mutter seine Hand entgegen. Meine Mutter, die sichtlich verwirrt schien, reichte ihm aber höflicherweise die Hand. Zum ersten Mal sah ich, dass jemand geschafft hatte, dass es meiner Mutter die Sprache verschlug. Sie lösten sich voneinander.
Max nickte in Jakes und Lucys Richtung so als ob sie sich kennen würden und beide erwiderten sein Lächeln in Verbindung mit einem Nicken. Es kam noch schlimmer. Max ließ sich auf einen der freien Stühle nieder, die bei uns am Tisch standen. Mir klappte die Kinnlade herunter. Ich wusste, dass Max Dinge tat, die nicht normal waren, aber das hier war alles andere als normal. Er setzte sich einfach zu uns an den Tisch und tat so, als ob alles in Ordnung sei.
»Hallo Janey«, sagte er, als er sich mir zuwendete. Ich schloss die Augen in der Hoffnung, dass er wieder verschwinden würde, doch das tat er nicht.
Die Stimme meiner Mutter drang hervor. »Ich wüsste nicht, dass meine Tochter einen Freund hat.«
»Das wüsstest du, wenn du Janey ab und zu mal zuhören würdest, Mutter«, sagte Jake und drückte meine Hand. »Du solltest ihn wirklich anhören, Janey.«
Ich konnte es nicht fassen, dass mein Bruder darüber Bescheid wusste. »Du wusstest Bescheid, dass er herkommt?«
Jake, dessen Augen noch grüner waren als die meinen, zuckte die Schultern. »Wie sollte ich nicht Bescheid wissen! Max parkt vor eurem Haus, Janey.«

DU LIEST GERADE
Atme, wenn du kannst
Gizem / GerilimEigentlich sollte es für Janey ein entspannter Urlaub vor ihrer Hochzeit werden, aber eine Begegnung mit einem überaus attraktiven Mann, bringt sie in ungeahnte Schwierigkeiten. Schon bald muss sie sich entscheiden, will sie leben oder sterben? Jan...