Kapitel 22 - Max
Der Geruch von Eiern und Speck stieg mir in die Nase, als ich die Küche betrat. Filiz stand am Ofen und bereitete das Frühstück zu. So wie sie immer für mich sorgte, wenn ich hier war, erinnerte sie mich an unsere Mutter. Ich stellte mich neben sie, gab ihr einen Kuss auf die Wange und griff nach einem Stück Speck.
»Guten Morgen Schwesterchen.«
Sie tadelte mich mit ihrem Blick, genau wie meine Mutter. »Guten Morgen«
Ich stopfte mir das heiße Stück Speck in den Mund und kaute zufrieden. Während ich mich zum Kühlschrank aufmachte und eine Milchtüte rausholte, sah ich im Augenwinkel, dass Filiz mich genau beobachtete. Ihr Grinsen verriet mir, dass ich ihr einiges zu erklären hatte und sie mich nicht eher aus dieser Küche gehen ließe, bis sie nicht über jedes Detail Bescheid wusste. Sie war mir sehr ähnlich. Nicht nur ihr Aussehen, sondern ihr Charakter, wenn sie etwas wollte, dann hielt sie nicht lange hinterm Berg.
Ich stellte die Milchtüte auf den Tisch und begann den Tisch zu decken. Mir war klar, dass sie innerlich vor Neugier platzte. Ich liebte es, sie zu ärgern. »Okay, wenn du mir nicht sofort erzählst, was los ist, dann brate ich dir eins mit der Pfanne über!«
Laut lachte ich auf. Sie redete so, als wäre es die wichtigste Nachricht, die sie in nächster Zeit erfahren würde. »Ist sie deine Freundin Kil?«
Das war die alles entscheidende Frage, die ich ihr nicht beantworten konnte. Ich beschützte Janey, vor meinesgleichen. Und ich hatte mit ihr geschlafen. Diese Nacht war, ich wusste selbst nicht, wie ich das finden sollte, aber es waren Gefühle an mein Bewusstsein gelangt, die ich in der Art noch nicht gefühlt hatte. Sie nagten an mir wie ein Nager, der sich festgebissen hatte. Ich wünschte, es wäre so einfach, doch es war viel zu kompliziert. Janey hatte meinen Namen mit solcher Inbrunst und solchen Verlangen gesagt, dass ich ihr alles gegeben hätte. Und ich würde ihr alles geben, ich würde ihr geben wonach sie verlangte. Ich würde der Freund sein, wenn sie ihn wollte. Ebenso würde ich der Killer sein, wenn sie ihn wollte, aber ich würde auch der Liebhaber sein, wenn sie ihn wollte. Ich entschied mich, Filiz, die Wahrheit zu sagen.
»Sie ist verlobt, es ist kompliziert.«
Meiner Schwester fiel buchstäblich die Kinnlade herunter. Sie drehte den Herd runter, legte den Wender beiseite und setzte sich an den Tisch.
»Das musst du mir genau erklären«, verlangte sie.
Ich setzte mich zu ihr an den Tisch. »Sie hat in einem Hotel in Frankreich zusammen mit ihrem Verlobten und ihrer Mutter Urlaub gemacht. Wir sind uns ein paarmal begegnet. Sie...«, ich zögerte kurz »...sie ist in einem Auftrag von mir geplatzt und na ja...«
Ich zuckte die Schultern. »Ich konnte sie nicht gehen lassen«
Filiz begann, den Kopf zu schütteln. »Du hast sie entführt!«
Empört starrte sie mich an. Ich warf ihr einen scharfen Blick zu, sie hob die Hände. »Okay, okay, du hast sie nicht entführt, was hast du gemacht, sie zu Tode genervt?« Meine Schwester kannte mich gut, sie wusste, dass ich sowas konnte, alleine nur durch meine bloße Anwesenheit.
»Ich hatte ein Auge auf sie.«
»Also hast du sie gestalkt!«
Ich seufzte. »Filiz!«
»Was? Ich weiß, dass du sowas machst!«
Sie strich sich eine Strähne hinters Ohr. »Ich kenne dich, Kil du, lässt nie locker. Das arme Mädchen hat sich wahrscheinlich zu Tode erschrocken und du hast sie voll gelabert.«
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Atme, wenn du kannst
Mystery / ThrillerEigentlich sollte es für Janey ein entspannter Urlaub vor ihrer Hochzeit werden, aber eine Begegnung mit einem überaus attraktiven Mann, bringt sie in ungeahnte Schwierigkeiten. Schon bald muss sie sich entscheiden, will sie leben oder sterben? Jan...