Kyos Sicht:
Ich starrte weiter auf Kakashis Hand, die meine hielt.
,,Ich weiß, dass es schwer zu glauben ist, aber der Krieg ist vorbei."
Auch wenn es eine erfreuliche Nachricht war, fühlte es sich so surreal an.
Der dritte Shinobiweltkrieg hatte so lange gedauert, weshalb ich auch bei dem vierten mit einer längeren Zeitspanne gerechnet habe.
,,Es ist wieder Frieden. Wir haben gewonnen."
Stumm nickte ich und schaute Kakashi wieder ins Gesicht.,,Und du bist okay?"
,,Ja mir geht es gut. Ich habe keine ernsthaften Verletzungen."
Misstrauisch betrachtete ich seine Kleidung.
Das X auf seiner Weste war tief. Er wurde von einer scharfen Klinge geschnitten, oder?
An seinen Ärmeln waren Schnitte und an einigen Stellen getrocknetes Blut.
,,Ist das alles dein Blut?" fragte ich nach.
Kakashi nickte.,,Das meiste schon. Aber keine Sorge."
Besorgt griff ich nach seinem linken Arm.,,Das sieht schlimm aus. Hast du dich schon untersuchen lassen?"
,,Nein" schüttelte Kakashi den Kopf.,,Es sind nur oberflächliche Verletzungen."
Von mir gab es keine Antwort. Ich starrte weiterhin auf seine Verletzungen.
,,Kyo, das Schlimmste habe ich schon hinter mir" drückte er meine Hand etwas fester.
Ich nickte zögernd.
,,Soll ich dir was von Zuhause mitbringen? Deine Haare sind ganz verwuschelt und ich weiß, wie wahnsinnig dich das machen kann" wechselte er das Thema.
,,Nein. Ich möchte erst erfahren, ob ich bald entlassen werde" schüttelte ich den Kopf.,,Außerdem bin ich, dank dir, schon an verwuschelte Haare gewöhnt."
,,Ich frage nach."
Als Kakashi aufstehen wollte, griff ich nach seiner Hand.,,Du bleibst sitzen und ruhst dich aus. Du sollst dich mal um dich kümmern."
,,Aber ich kümmere mich um mich, indem ich mich um dich kümmere."
Ich seufzte.,,Du bist echt blöd."
Plötzlich öffente sich die Tür und die Krankenschwester von heute Morgen kam rein.
Sie hielt inne, als sie Kakashi sah.,,Das hier ist kein Untersuchungszimmer."
Grinsend schaute ich Kakashi an, wie er wiederwillig aufstand.,,Auf Wiedersehen, Kakashi."
,,Die Untersuchung wird nicht lange dauern. Ich bin also gleich wieder da" funkelte er mich böse an.
Doch ich schaute ihn grisend hinterher, wie er das Zimmer verließ.
Die Schwester kam auf mich zu und überprüfte meine Vitalzeichen.
,,Wir wollen, dass Sie die Nacht über noch hier bleiben. Nur um sicherzustellen, dass Sie sich vollkommen erholen und um das Baby im Auge zu behalten" erklärte sie mir.
Ich nickte, auch wenn ich gerne wieder nach Hause gehen würde.
,,Wieso hat mich die Panikattacke überhaupt so ausgelaugt?"
,,Nicht jede Panikattacke ist gleich. Es gibt welche, die den Körper stärker belasten als andere. Vor allem in der Schwangerschaft. Es ist normal, dass Sie sich erschöpft fühlen."
Ich schaute auf den Druckverband an meinem Arm.
Die letzten Stunden waren wirklich anstrengend gewesen.
Jetzt, wo alles etwas klarer war und meine Sorgen um Kakashi deutlich weniger wurden, hatte ich das Gefühl, dass meine Kraft langsam zurückkam.
Ich wollte jetzt nur noch raus.
Die Krankenschwester folgte meinem Blick zum Fenster.,,Hier zu liegen kann langweilig sein, das verstehe ich. Doch Sie müssen sich ausruhen. Wenn alles in Ordnung ist, können Sie später spazieren gehen."
Seufzend ließ ich mich ins Kissen sinken.
,,Ich lasse Sie jetzt in Ruhe. Wenn etwas ist, drücken Sie einfach den Knopf" sagte die Krankenschwester, als sie zur Tür ging.
Ich nickte nur, als sie das Zimmer verließ.
Doch sobald ich alleine war, begann der Kreislauf von vorn.
Sofort schossen mir Bilder von Kakashi in den Kopf. Von dem getrockneten Blut und seiner dreckigen Kleidung.
Was ist, wenn es doch schlimmer ist, als er zugeben will.
Kakashi war schon immer jemand, der ungern über seinen Schmerz sprach.
Plötzlich öffente sich die Tür.,,Hallo Kyo" kam Iruka rein.
,,Iruka" lächelte ich leicht.
,,Wie geht es dir?" fragte er besorgt.
,,Besser... glaube ich?" So genau wusste ich es selbst nicht.
Er setzte sich auf den Stuhl neben meinem Bett, auf dem Kakashi vor nicht einmal einer Viertelstunde noch gesessen hatte.
,,Danke, dass du mich ins Krankenhaus gebracht hast."
,,Das ist doch selbstverständlich" lächelte er.
Ich beobachtete Iruak, wie er einen kleinen Stapel Papier auf den Nachttisch legte.
,,Ich habe dir etwas mitgebracht. Die Kinder waren heute zu aufgewühlt für das Training."
Verwirrt nahm ich den Stapel und blätterte ihn durch.
Es waren lauter Bilder. Zeichnungen von bunten Blumen mit einer Sonne in der Ecke.
Auf einigen Bildern wurde versucht mich zu malen.
,,Das ist total putzig" kicherte ich.
,,Die Kinder wollten zeigen, dass sie an dich denken. Sie haben sich sehr viel Mühe gegeben."
Vorsichtig legte ich sie wieder zur Seite.,,Danke, Iruka."
,,Du musst dich doch nicht bei mir bedanken. Die Kinder haben die doch gemalt."
,,Aber du hattest die Idee, oder? Außerdem hast du sie mir mitgebracht" antwortete ich.
Er lächelte nur und gab mir keine Antwort.
Ich atmete noch einmal ein. Langsam wurde ich müde.
,,Weißt du schon, dass Kakashi zurück ist?" änderte Iruka das Thema.
Ich nickte.,,Ja, ich habe ihn schon gesehen. Er wird gerade untersucht. Ich mache mir wegen seinen Verletzungen aber Sorgen."
,,Verständlich. Doch Kakashi ist stark, genauso wie du."
,,Es ist trotzdem alles so überwältigend. Der Krieg hat mir viel Kummer bereitet, dann diese Panikattacke und... ach, ich weiß auch nicht. Ich denke zurzeit einfach alles schlecht und das tut mir nicht gut" seufzte ich.
Iruka griff nach meiner Hand.,,Es ist viel passiert. Doch denk auch an die positiven Dinge. Du bist in Sicherheit und deinem Baby geht es gut. Der Krieg ist vorbei und Kakashi ist lebend zurückgekommen."
Ich nickte langsam.
Er schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln und stand dann auf.,,Wenn es in Ordnung ist, werde ich jetzt gehen. Ich möchte noch nach einigen ehemaligen Schülern sehen."
,,Geh ruhig, Iruka. Ich bin sowieso müde" gestand ich.
Sobald Iruka das Zimmer verließ, schloss ich die Augen.
Zu wissen, dass ich nicht allein bin, gab mir die Sicherheit, etwas Ruhe zu finden.
Vielleicht wird doch alles gut.
DU LIEST GERADE
Ein Versprechen
FanfictionSeit Jahren hat Kyo keinen festen Wohnsitz. Geld hat sie nicht, deswegen gibt es für sie keine andere Möglichkeit als zu stehlen. Doch was passiert, wenn sie eines Tages erwischt und dann nach Konohagakure gebracht wird? Wird sie dort bleiben und v...
