Geteilte Ängste

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Kyos Sicht:

Mit gemischten Gefühlen lief ich durch die leere Straße.
Der Kopierninja ist gerade erst weg und trotzdem vermisse ich ihn schon.

Es war anders als sonst.
Eine andere Angst, als die, die ich sonst verspüre, wenn er auf eine Mission geht.

Die Sorge, dass er nicht wiederkommt war natürlich wieder da.
Trotzdem war da noch was anderes. Etwas was ich nicht erläutern konnte.

Auch seine Worte lösten etwas in mir aus.
Der Name, den er gesagt hat.
Nyoko...

Ein bisschen bereue ich es, dass ich ihm nicht hinterhergerufen habe, wie schrecklich dieser Name war.
Auch wenn das eine Lüge gewesen wäre.

Insgeheim mochte ich den Namen.
Es hatte etwas besonderes an sich.

Sofort stellte ich mir ein kleines Mädchen in Kakashis Armen vor.
Die Vorstellung brachte mich zum lächeln.

Trotzdem war ich mir sicher, dass es ein Junge wird.

Bevor ich mich versah, stand ich auch schon vor dem Krankenhaus.
Zum Glück wusste ich schon, in welchem Zimmer sie liegt, weshalb ich es auch schnell fand.

Ich klopfte an und ging rein.
Kurenai lag auf dem Bett. Sie wirkte ziemlich blass.

,,Hallo" schloss ich die Tür hinter mir.
,,Oh Kyo" lächelte sie mir zu.

Ich schnappte mir den Stuhl, der am Fenster stand und schob ihn näher zu Kurenai.,,Wie geht es dir?"

,,Keine Sorge. Mir geht es gut. Ich bleibe, aus Sicherheitsgründen, bis zur Geburt hier."

,,Hauptsache es geht euch gut. Dir und deiner Tochter" antwortete ich.

Kurz lächelte Kurenai.,,Versuch es erst gar nicht, Kyo. Ich werde dir nicht verraten, welches Geschlecht das Baby hat."

,,Warum nicht?" stöhnte ich frustriert.,,Ich bin deine beste Freundin. Mir kannst du es doch wohl sagen."
,,Hab etwas Geduld, Kyo."

,,Ist es ein Jungs oder Mädchenname?" versuchte ich es weiter.

Wieder war sie am Lächel.,,Vielleicht kann man den Namen für jedes Geschlecht nutzen."
,,Das bringt mich nicht weiter" seufzte ich.

,,So genug über mein Kind geredet. Was hast du wieder angerichtet?"

,,Garnichts" verteidigte ich mich.,,Du kannst nicht immer erwarten, dass ich Ärger mache."

Prüfend schaute Kurenai mich an.,,Irgendwas ist aber."
Ich nickte zögernd.

,,Ich weiß, dass ich gerade im Krankenhaus liege und somit nicht zu jeden Zeitpunkt für dich da sein kann. Trotzdem kannst du mit mir reden, Kyo."
Aufmunternd schaute sie mich an.

Ich zögerte.
Vielleicht tut es mir ganz gut, mit jemanden darüber zu sprechen.

,,Kakashi ist heute schon aufgebrochen und ich weiß noch nicht wie... Ich glaube ich muss es einfach noch verarbeiten" gestand ich.

,,Du hast Angst, dass er nicht wiederkommt. Nicht wahr?"

Ich nickte.
Es fiel mir gerade ziemlich schwer etwas dazu zu sagen.

,,Kyo, dass ist verständlich. So wird es uns allen gehen. Jeder der zurückbleiben muss, hat diese Sorge. Trotzdem ist es wichtig, dass du diese Sorge mit jemandem teilst. Du bist nicht allein damit."
,,Ja das weiß ich. Trotzdem ist es... ach ich weiß auch nicht" seufzte ich.

,,Es ist einfacher gesagt als getan, das weiß ich. Aber wir müssen glauben. An die Menschen, die uns was bedeuten. Mehr können wir nicht tun."

Lächelnd schaute ich sie an.
Irgendwie hatte sie schon Recht. Ich muss an Kakashi glauben.
Auch wenn die Angst so groß war.

,,Weißt du, was mich auch stört?" Versuchte ich das Thema etwas zu ändern.
,,Nein" schüttelte meine Freundin den Kopf.

,,Hätten wir gestern Nacht noch Sex gehabt, wäre der bestimmt großartig gewesen. Abschiedssex ist bestimmt toll" war ich ganz frustriert.

Anstatt Sex zu haben, haben wir gestern aber lieber geerdet.
Dabei hätten wir doch beides tun können.

Ganz perplex schaute Kurenai mich an, kicherte dann aber.,,Mit dieser Aussage habe ich jetzt nicht gerechnet."
,,Aber es stimmt doch."

,,Keine Sorge, Kyo. Es wird ein nächstes Mal geben" war sie immernoch am Grinsen.

,,Ja hoffe ich."

,,Du musst darauf vertrauen, Kyo. Kakashi ist stark. Er wird zurück kommen."

,,Ja" nickte ich.,,Danke, Kurenai."
Es half wirklich, mit ihr zu sprechen.

Plötzlich klopfte es an der Tür.
Eine Ärztin kam rein.,,Entschuldigt, die Störung. Aber der Gesundheitscheck steht an. Es wird auch nicht lange dauern."

,,Ich gehe solange einen Kaffee holen" stand ich auf.
Ich musste da nicht unbedingt dabei sein.

,,Warte, Kyo! Wie viele Tassen hattest du heute schon?"
,,Hey, ich hatte heute Morgen keine Zeit. Also darf ich noch eine Tasse trinken" verteidigte ich mich.

Ein Lächeln konnte sie sich nicht verkneifen, nickte dann aber.

,,Ich komme gleich wieder" verließ ich das Zimmer.

Stumm lief ich durch die Krankenhausflure.
Irgendwie wirkte heute alles so grau. Einfach nur farblos.

Ich wurde Kakashi auch einfach nicht los. Die Sorge ließ einfach nicht nach.
Was ist, wenn er unser Kind nie kennenlernt?

Nein, Kyo!
Ich muss aufhören so zu denken!
Er hat schon vieles überstanden. Er wird wiederkommen. Sicherlich!

Um mich abzulenken, schaute ich mir einige Flyer im Eingangsbereich an.
Was spannendes war da aber nicht dabei.

Seufzend legte ich die schnell wieder zurück.
Wo bin ich im Leben eigentlich falsch abgebogen, dass ich mir freiwillig irgendwie Prospekte anschaue?

Danach macte ich mich dann wirklich auf den Weg Kaffee zu holen.

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Zufrieden schaute ich mir meinen Kaffee an, als ich mich wieder auf den Weg in Kurenais Zimmer machte.
Es gibt doch nichts besseres als am Morgen einen Kaffee zu trinken.

Auch das war eine Sache, die mich an der Schwangerschaft nervte.
Ich muss auf meinen Kaffee- beziehungsweise Koffeinkonsum achten.

,,Und ist alles in Ordnung?" betrat ich wieder das Zimmer.
,,Ja, alles ist gut. Es verläuft alles nach Plan" lag meine beste Freundin immer noch im Bett.

Mit dem Kaffee setzte ich mich wieder hin.
Wir unterhielten uns noch eine Weile über erfreuliche Sachen.

Es tat ihr gut und auch mir.
Unsere Gespräche brachen wenigstens etwas Normalität in diesen Tag.

Als ich auf die Uhr schaute, merkte ich, wie spät es schon war.

,,Oh ich muss los" stand ich auf.,,Ich muss bald zur Akademie und einige Kinder beruhigen."

,,Ich habe mich schon gefragt, warum du so lange hier bleiben konntest."
,,In den letzten Tagen hat die Akademie etwas später angefangen. Wir sind nunmal in einer Ausnahmesituation" erklärte ich.,,Doch ab morgen muss ich wieder früher hin."

,,Gut, dann wünsche ich dir viel Spaß."
,,Danke, Kurenai. Es hat wirklich geholfen, mit dir zu sprechen" bedankte ich mich.
,,Geht mir genauso. Immerhin bist du meine beste Freundin" antwortete sie mit einem Lächeln.

Zum Abschied, umarmte ich sie vorsichtig, machte mich dann aber auf dem Weg nach Hause, um mich für die Arbeit fertig zu machen.

Gerade als ich das Krankenhaus verließ, fing es leicht an zu regnen.
Doch das störte mich nicht.

Obwohl es schon Oktober war, war es noch außergewöhnlich warm, weshalb ich es genoss, dass es regnete.

Sofort schossen mir Kakashis letzte Worte in den Kopf.
,,Ich liebe dich, Kyo. Pass auf dich und die kleine Nyoko auf."

Sofort musste ich lächeln.
Wenn es wirklich ein Mädchen wird, ist dieser Name perfekt.

Danke Kakashi, dass du diesen Namen ausgesucht hast.

Ein VersprechenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt