Josefine hatte eine Weile von dem Trank geschlafen. Ihr Schlafsaal war lichtdurchflutet, als sie das nächste Mal ihre Augen öffnete. Die Kopfschmerzen waren verschwunden, ihre Gedanken hatten sich allmählich zur Ruhe gesetzt. Langsam schlürfte Josefine in das Badezimmer und nahm eine ausgiebige Dusche. Das mitleiderregende Gesicht, welches ihr im Spiegel entgegenblickte, brachten neue Tränen hervor. Josefine fühlte sich elendig, doch sie wollte nicht länger in ihrem Bett liegen. Sie wollte zu Draco. Nein, sie musste zu Draco. Seit langem hatte sich Josie nicht mehr so sicher und geborgen gefühlt, wie in Dracos Armen. Auch wenn es einen kleinen, bitteren Nachgeschmack hinterließ, wusste Josefine, dass Draco ihre Antwort auf viele Fragen war. Und vor allem wusste sie, war sich sicher, dass sie Draco liebte und ihre Gefühle für ihn nicht abgeschwächt waren. Im Gegenteil, je klarer ihr Kopf wurde, umso stärker wurden ihre Gefühle.
Josefine zog sich an, wickelte sich eng in Dracos grünen Schal ein und machte sich auf den Weg zum See. Die Gänge der Schule waren wie ausgestorben, waren sämtliche Schüler im Unterricht. Doch dafür war Josefine mehr als dankbar, sie wollte niemandem begegnen. Außer natürlich Draco, mit ihm würde sie jederzeit gerne Zeit verbringen.
Während sie den kleinen Weg neben dem See entlang lief, erblickte sie in der Ferne eine Person. Eine ganz bestimmte Person. Draco saß im Schneidersitz auf einem der großen Felsen und starrte auf den See. Er schien komplett in Gedanken zu sein, da er ihre Anwesenheit nicht bemerkte. Als sie kurz neben den Felsen zum Stehen kam und Draco noch immer nicht aufblickte, räusperte sich Josefine kurz.
Draco zuckte zusammen und blickte sie überrascht an. Er öffnete den Mund, doch kein Wort verließ seine Lippen. Seine Augen waren ebenso rot wie die von Josefine und sein Gesichtsausdruck wechselte zwischen Freude, Trauer, Hoffnung und dem Anblick, als würde er vor Schmerz zerreißen.
„Darf ich?", Josefine nickte zum Felsen, ihre Stimme war leise. Draco nickte und sie ließ sich neben ihm nieder. Für einen Moment herrschte eine angenehme Stille zwischen den beiden. „Wie geht es dir?", flüsterte Draco schließlich. Josefine holte tief Luft und schon machten sich erneut Tränen auf ihrem Gesicht breit. Schnell wischte sie diese weg, doch die kleine Bewegung entging Draco nicht. Er nahm ihre Hand in seine und Josefine lehnte ihren Kopf an seine Schulter. „Ich hab Angst."
Ein einfacher Satz. Ein Geständnis. Nichts als die Wahrheit.
Draco legte seinen Arm um Josefine und zog sie noch enger an sich. Sein Kinn ruhte an ihrer Stirn und Draco schloss für einen Moment die Augen. Er selbst hatte ebenfalls Angst - davor dieses wundervolle Mädchen zu verlieren. Doch Erinnerungen kamen in ihm hoch und Draco fiel ihr Gespräch zu ihrer Familie wieder ein. Sein Gefühl sagte ihm, das viel mehr hinter all dem steckte und sich seine Zukunft hier und jetzt entscheiden würde. Er war sein eigenes Glücks Schmied und Draco wusste genau, was er tun musste. Sagen musste. „Ich bin für dich da."
Ein weiterer, einfacher Satz. Ein Versprechen. Ein Schlüssel zum richtigen Schloss.
Josefines Tränen wurden mehr und mehr, während Draco sie in seinem Schoß zog und sich das Mädchen an ihn klammerte, als wäre er ihre letzte Hoffnung. Immer und immer wieder strich Draco ihr über den Rücken, wippte ganz leicht hin und her, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren und ließ Josefine all ihre Emotionen fühlen. Es waren keine weiteren Worte nötig, um die Verbindung zwischen den beiden spüren zu können. Ein Band, so stark, dass niemand es zerreißen konnte, eine Liebe, welche so rein war, mit all ihren Kanten und Ecken, aber vor allem eins. Sie war real.
Dieser Moment war Wirklichkeit. Draco hielt sie tatsächlich in den Armen, Josefine hatte keinerlei Probleme ihn zu berühren, fühlte sich scheinbar geborgen in seiner Gegenwart und das alles ganz ohne Liebestrank. Vielleicht hatte das Schicksal sie zu ihm geführt, vielleicht waren es die schönen Erinnerungen, welche sie beide am See teilten. Die Ruhe, weit weg von neugierigen Augenpaaren, wo jeder von ihnen sein konnte wie er war. Keine Maske, keine falsche Freundlichkeit, kein geheucheltes Interesse. All ihre Gefühle waren echt. Dracos Glück, welches ihn durchflutete und ihm so viel Wärme schenkte, war wirklich echt.
Die Zeit verging und die beiden Schüler saßen einfach da, eng umschlungen, ohne ein Wort zu sagen. Josefine hatte aufgehört zu weinen, doch noch immer waren ihre Hände fest in Dracos Hemd gekrallt. Als würde ihr etwas Schreckliches passieren, sollte sie ihn loslassen. Josefines Kopf ruhte weiterhin an Dracos Schulter.
Langsam schaute Josefine nach oben und konnte Dracos wundervolles Gesicht sehen. Seine markanten Gesichtszüge, welche ihr nun ein liebevolles zartes Lächeln schenkten. Josefine verlor sich in seinen Augen und für einen Moment schien die Welt komplett stillzustehen. Draco senkte seinen Kopf die wenigen Zentimeter nach unten, bis sich ihre Nasenspitzen berührten. In dieser Sekunde war Josefine sich sicher, je näher Draco ihr kam, genau das war alles, was sie wollte. Josefine wollte Draco. Sie liebte ihn, selbst das letzte bisschen Zweifel in ihr war verschwunden.
Und dann küsste sie Draco, als wäre es das Letzte, was sie in ihrem Leben machen würde. Draco erwiderte den Kuss innig und verlangend, als würde sein Leben ebenfalls davon abhängen. Sie waren füreinander geschaffen.
Eng umschlungen schwiegen sie weiter, starrten auf den See hinaus. Die Stille war keineswegs unangenehm, doch Draco wusste, sie mussten miteinander reden. Über das was war, über ihre Gefühle und wie es weitergehen sollte. Ihre gemeinsame Zukunft. Draco konnte nicht anders, als bei diesem Gedanken zu lächeln. Er hatte es geschafft. Er würde wirklich eine Zukunft mit Josefine Turner haben. Für einen weiteren Moment genoss Draco die Ruhe. Bis er schließlich einen tiefen Atemzug nahm, sein Herz begann schneller zu schlagen in seiner Brust.
„Wir müssen reden."
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Love Potion
FanfictionDie Schlacht um Hogwarts ist vorbei. Harry Potter hat gesiegt. Voldemort ist tot. Für die jungen Zauberer und Hexen fängt das alltägliche Schulleben wieder an. Draco Malfoy erhofft sich endlich ein entspanntes Jahr. Aber das Schicksal hat ganze ande...
