Hebt eure Köpfe

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Ein jeder hob seinen Kopf dem Himmel entgegen und so unendlich viele Zeigefinger wollten diesen berühren, dass das Zählen länger als ein Leben angedauert hätte. Beinahe jeder Bewohner Auroras blickte gespannt dem fliegenden mit Lichter umrandeten Schiff entgegen und bestaunte und bewunderte es mit Begeisterung.

Es war die 1. Kompanie. Die stärksten der Starken, der Stolz von Aurora und damit auch von Nebula. Schon jetzt, wo das Schiff noch mehrere Meter über den Köpfen der Menschen schwebte, konnte man die mühsam mit Hand eingeschnitzten Figuren am Rand des Schiffes sehen. Es waren allerhand Wesen, die von den Humanisten als heilig angesehen wurden. Sie zeigten sich jedoch selten bis nie, weil sie einfach nichts mit den Zerstörern ihrer selbst, zu tun haben wollten.

Jedes Schiff hatte seinen eigenen Stil und je höher die Kompanie, desto höher auch der Stand des Fabelwesen (Wobei man 'Stand' nur auf die Beliebtheit der Fabelwesen, bei den Humanisten beziehen konnte.) So ragten bei dem Schiff der ersten Kompanie, hölzerne Einhörner ihre Köpfe in den Himmel, wobei sie ihre Mäuler zu stummen Wiehern geöffnet hatten, welche jedoch nie in den Ohren der Humanisten, die sie so anbeteten, erklingen würden.

Sie eilte in der Traube des Menschenstroms auf den Hauptplatz, auf dem das Schiff landen würde.
Als wäre es eine einstudierte Choreografie rutschten alle einige Meter zurück und sanken auf ihre Knie herab, als würde ihnen die Queen Nebulas selbst einen Besuch abstatten. Aber so ähnlich war es auch. Kompanie 1 genoss einen so hohen Ruf wie die Fürsten Nebulas selbst. War man in Kompanie 1, dann hatte man es geschafft. Es war wie ein Ritterschlag, die Ehre zu besitzen, von der Queen Nebulas zur Kompanie 1 befähigt zu werden.
Sie hatte ihren Kopf wie alle anderen gesenkt, während sie ihren Blick starr auf den dreckigen Boden richtete. Ihre dunklen Haare wehten nach hinten, als das 15 Meter lange Schiff krachend landete.

Es herrschte absolute Stille. Es war als würde die gesamte Stadt den Atem anhalten. Sie hörte Schritte, langsame, stolze Schritte, dann ertönte, die von allen ersehnte, raue Stimme des Kommandanten Fate.

»Bürger Auroras. Hebt eure Köpfe.«, er sprach nicht sehr laut und doch schwang in seiner Stimme eine so unendlich große Macht mit, dass sie eine Gänsehaut auf ihren Armen vernahm und das lag nicht einmal daran, dass die Sonne sich hinter den - plötzlich aufkommenden - Wolken verzogen hatte.
Sie hob wie alle anderen den Kopf.

Kommandant Fate war bereits 45 und ein leichter 3-Tage-Bart zierte sein Gesicht. Kleine Fältchen zeichneten sich bereits sehr deutlich an seinen Augen ab.

Rechts neben ihm stand Kommandantin Jenna, eine blonde, schlanke Frau, die von jedem Mann in Nebula angebetet wurde. Sie interessierte sich jedoch nur für Ash, welcher links von Fate stand und komplett desinteressiert in den Himmel starrte. Er hatte seine - mit Narben befleckten - Arme vor der Brust verschlungen und sein schwarzes Haar wehte im aufkommenden Wind. Es bildete den perfekten Kontrast zu seinem bleichen Gesicht.
Mit einem eleganten Sprung verließen die 3 Kommandanten die Borde des Schiffes.

»Wir müssen uns leider sofort entschuldigen. Wir haben eine Audienz bei der Königin.«, erklärte Fate und die Menschentraube bildete sofort einen freien Gang für ihre Helden.
Die restliche Kompanie stieg nun auch aus dem Schiff, wobei sie kleine Behälter heraustrugen, in denen die kleinen wichtigen Lichter umhergeisterten. Irrlichter.
Erst als auch diese den Platz verlassen hatten, erhoben sich die Humanisten langsam und begannen, ihrem eintönigen Leben erneut nachzugehen.

Bloß sie blieb da und musterte das ebene, handgeschliffene Holz genau. Sie versuchte, sich jedes der schwungvollen Muster genau einzuprägen, bis es wieder in den Himmel aufsteigen würde.

Wie gerne würde sie mitkommen. Doch für jemanden wie sie es war, war dies völlig und gänzlich unmöglich.

Lumière (Deutsch) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt