unerwarteter Anruf

6.6K 237 5
                                        

Nachdem wir uns von Louis verabschiedet hatten, führte Zayn mich nach unten in eine etwas kleine Tiefgarage und fuhr einen nagelneuen, schwarzen BMW raus. Ich blickte ihn an "Gehört der Wagen dir?" fragte ich und blickte ihn dabei ungläubig an. War nicht ein wenig zu jung um ein so teures Auto wie dieses zu fahren. Er zuckte nur mit den Schultern und grinste stolz "Ja. Gefällts dir?" Ich zuckte ebenfalls mit den Schultern und neigte den Kopf leicht zur Seite "Ich frage mich woher du das Geld für so ein Auto hast..."; Er sah mich an "Na los, Steig ein." forderte er mich auf. Ohne zu Zögern tat ich ihm den Gefallen und ließ mich auf den mit schwarzem lederbezogenen Beifahrersitz fallen.

Der Motor schnurrte und er fuhr los "Wow. Das Auto von meinem Bruder hat immer total Krach gemacht wenn wir losgefahren sind." fing ich an zu erzählen, doch ich stoppte als er mir einen merkwürdigen Blick zuwarf "Was?"; Ein nachdenklicher Ausdruck lag auf seinem Gesicht "Normalerweise guckst du immer traurig, wenn du auch nur mit einem Wort die Vergangenheit erwähnst, aber jetzt funkeln deine Augen und...das sieht extrem süß aus." Berührt schaute ich zu Boden und ein kleines Lächeln stahl sich in mein Gesicht. "D-danke" stotterte ich während mir die Röte in die Wangen stieg. Hatte er gerade wirklich gesagt, ich sehe süß aus? Und hatte ich gerade mal wieder kein vernünftiges Wort rausgekriegt? Typisch...Ich sah in seine Augen und auch er wurde minimal rot, bevor er sich verbissen auf die Straße konzentrierte. 

"Wer sind eigentlich deine Eltern? Was machen sie so beruflich? und wie ist dein Verhältniss zu ihnen?" brach Zayn das peinliche Schweigen, das über uns gefallen war. "Also mein Vater ist Architekt und meine Mutter Maklerin. Eigentlich sind sie nicht sehr erfolgreich, aber sie arbeiten trotzdem sehr viel außerhalb der Stadt." Ich machte eine kurze Pause "Ich glaube manchmal sie gehen mir aus dem Weg." äußerte ich meinen Verdacht das erste Mal laut vor jemandem. Gespannt wartete ich  seine Reaktion ab. "Kenn ich."; "Den Beruf deiner Eltern kannst du mir nicht verraten, oder?" hakte ich nach. "Du weißt, dass ich das nicht darf, Mary." erklärte er seufzend. In meinen Gedanken verfolgte ich diese Frage zwar weiter, aber ihn fragte ich nicht noch mal. Den Rest der Fahrt schwiegen wir.

"Wir sind da." sagte Zayn stieg aus und hielt mir die Tür auf. Die Innenstadt von Bradford. Ein vertrauter Anblick voller Erinnerungen. Hier war ich immer mit meinen Freunden gewesen und ich wäre warscheinlich auch gestern hier gewesen, wenn ich nicht entführt worden wäre. Ich trat aus dem Auto und wartete bis Zayn es abgeschlossen hatte. "Wo wollen wir zuerst hin?" fragte Zayn und nahm meine Hand. Zuerst irritierte mich das ein wenig, aber ich nahm an, dass er die Illusion von uns beiden als Pärchen aufrecht erhalten wollte, falls jemand aus seinem Kreis hier unterwegs war. "Mir egal." antwortete ich achselzuckend "Zeig mir doch einfach mal deine Lieblingsgeschäfte." Zayn lächelte und führte mich von einem Geschäft ins Nächste. Wie sich herausstellte hatten wir beide genau die gleichen Lieblingsläden und deshalb hatten wir auch mächtig viel Spaß miteinander.

Am Ende des Tages hatte zwei neue Jeans, eine neue Lederjacke und drei Oberteile. Nicht das ich die Tatsache ausnutzte, das Zayn mir alles bezahlt. Nein, eigentlich war mir das sogar etwas unangenehm, aber er drehte mir die Kleidung förmlich an. Als ich ihn darauf ansprach erwiderte er einfach nur (wie immer) "Akzeptier es einfach."

"Zayn?" sprach ich ihn an, sobald wir wieder im Auto saßen "Du hast doch gesagt, dass ich wieder nach Hause darf, oder?" Er wirkte ein bisschen beleigigt "Ja, aber erst am Ende der Ferien."; "Können wir nicht kurz bei mir vorbeifahren und meinen Eltern bescheid sagen, dass es mir gut geht und damit ich ein paar Sachen holen kann?" bettelte ich, "Ich weiß nicht..." antwortete Zayn nachdenklich. "Bitte, Zayn. Ich will doch nur ein paar Sachen holen."; "Ist das ein Trick" Misstrauisch zog er seine dunklen Brauen zusammen. "Nein." erwiderte ich verwundert. Ein Weile schwieg er "Na gut, aber ich komme mit dir."; "Danke" sagte ich und lehnte mich vor um ihn zu umarmen. "Und noch etwas Mary" Ich schaute ihn wieder an "wehe, du missbrauchst mein Vertrauen." Ich schwieg, denn genau das hatte ich vor. Fragt mich nicht woher dieser plötzliche Sinneswandel kommt, aber jetzt gab er mir die perfekte Möglichkeit zu entkommen und die wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich grinste, bald würde ich wieder bei meinen Eltern im Haus leben. Vorrausgesetzt sie waren da.

Nach etwa einer Viertelstunde waren wir da. Missmutig betrachtete Zayn das Haus von außen und stieg aus. Ich tat es ihm gleich und überquerte die Straße um zu dem roten Backsteingebäude zukommen. Er folgte mir auf Schritt und Tritt. Mein Blick blieb an den Fenstern hängen. Irgendetwas stimmte hier nicht. Die Fenster waren allesamt dunkel, dabei war es gerade mal sechs Uhr abends. Wo waren meine Eltern. Schnell kramte ich den Ersatzschlüssel aus dem Blumentopf neben der Tür und schloss sie auf. "Hallo? Ist hier jemand" rief ich und schaltete das Licht an. Alles war wie immer ordentlich gestapelt und sortiert. Aber wo waren meine Eltern. Sie hätten schon seit gestern wieder da sein müssen. Ich wandte mich zu Zayn um "Meine Eltern...wo sind sie?" Er zuckte mit den Schultern und betrachtete eins der Familienbilder an der gegenüberliegenden Wand. "Geh einfach und hol deine Sachen."; "Aber..." Er unterbrach mich "Vielleicht sind sie unterwegs. Das ist gut so, dann können wir uns Zeit lassen und du brauchst sie nicht anzulügen." Ich hatte gar nicht vorgehabt sie anzulügen, im Gegenteil ich hatte vorgehabt ihnen die ganze Wahrheit zu sagen, damit sie mich befreiten. Doch ausgerechnet jetzt waren sie nicht da. 

Deprimiert stapfte ich hoch in mein Zimmer und war wahllos Sachen in meine Tasche. Ich will hier bleiben. Ich will nicht zurück zu diesen Gangstern. dachte ich, während ich nach einer Fluchtmöglichkeit suchte. Doch es war aussichtslos. Zayn hatte mein Handy und ich kannte die Nummern, die darauf gespeichert waren nicht auswendig. Und aus dem Haus zulaufen kam auch nicht in Frage. Er würde mich sofort kriegen und dann warscheinlich nie wieder fortlassen. Halte durch, befahl ich mir, bald wirst du wieder zu Hause wohnen.

Ich packte gerade Unterwäsche in meine Tasche, als plötzlich das Telefon klingelte. Wer das sein konnte? "Hallo, hier ist Mary Armstrong" meldete ich mich "Guten Abend. Mein Name ist West, ich bin vom Jugendamt." Jugendamt? Was wollte das Jugendamt denn von uns? "Wie kann ich ihnen helfen?" wollte ich wissen. "Ich bin froh, dass ich sie endlich erreichen konnte. Es geht um ihre Eltern..." Ich verstand nur Bahnhof. "Wir halten sie für zu unzurechnungsfähig um ein Kind aufzuziehen. Sie wurden daher in eine Klinik versetzt, damit sie sich vollständig von dem Tod ihres Bruders erholen könne."; "Was!? Aber mit meinen Eltern war doch alles in bester Ordnung." verteidigte ich sie "Das sehen wir nicht so. Ihr Vater ist Alkoholiker und ihre Mutter schwer depressiv." erklärte mir der Mann. Das hörte ich zum ersten Mal aber um ehrlich zu sein, hatte ich meine Eltern in letzter Zeit nicht besonders häufig zu Gesicht bekommen. "Was bedeutet das für mich?" Der Mann in der Leitung schwieg. "Sie haben Glück, die Familie Carter wird sie vorübergehend bei sich aufnehmen." Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf "Im Ernst!?"; "Ja, es sind wirklich hervorragende Menschen und ihre Eltern haben auch schon das Okay gegeben." fuhr der Kerl fort. "Ich will da aber nicht hin." versuchte ich verzweifeltt zu erklären, doch Mr West beachtete mich nicht im geringsten. "Ich verstehe ja, dass es schwer für sie ist, aber ich bin mir sicher, dass sich Mr und Mrs Carter hervoragend um sie kümmern werden." Stumm schüttelte ich den Kopf, Nein, das konnte nicht wahr sein. Ausgerechnet Chase's Eltern...

Bradford-Badboy *-*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt