die dunkle Gestalt

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Meine Augenlider flatterten. Ich befand mich in einem schwach beleuchteten, kellerartigen Raum. Der Betonboden auf dem ich lag war hart und in meinem Kopf spürte ich einen pochenden Schmerz. Wo war ich? Ich konnte mich an nichts mehr erinnern. Es war einfach zu schnell gegangen. Das letzte woran ich mch erinnern konnte war diese schattenhafte Gestalt und der dumpfe Schlag auf den Hinterkopf. Bei der Erinnerung an den Schlag fasste ich mir vorsichtig an den Kopf. 

"Hey Chef." hörte ich eine wildfremde Stimme sagen, "Sie regt sich wieder. Ich glaube sie ist wach." Nein, ich bin nur wieder bei Bewusstsein, aber ich hätte nichts gegen eine weitere kleine Runde Schlaf. Schnell zog ich meine Hand zurück und schloss meine Augen. Mein Körper schmerzte wirklich überall und außerdem war mir verdammt kalt. Kein Wunder, ich hatte auch nur ein etwas zu großes Superman-Tshirt und eine schwarze Schlafanzughose an. Am liebsten, hätte ich mich auf der weichen Matratze, die ich gerade aus dem Augenwinkel gesehen hatte, zusammengerollt und wäre liegengeblieben. Doch das ging leider nicht, weil mein Entführer sonst bemerken würden, das ich wach bin und so ließen sie mich wenigstens in Ruhe. 

Ich hörte Schritte auf mich zu kommen und konnte die dicken Schuhsohlen vor meinem Kopf praktisch spüren, obwohl sie mich gar nicht berührten und ich sie noch nicht einmal sehen konnte. Vor lauter  Angst hielt ich die Luft an und bewegte mich noch weniger, als ich es ohnehin schon tat. Der Typ trat mir unsanft in die Seite "Wach auf!" brüllte er mich an. Mein Körper wurde herumgedreht und aufgerichtet, sodass ich nun gegen die Wand gelehnt saß. Zum ersten Mal sah ich meine Entführer. Es war von Anfang an klar gewesen, dass ich sie nicht kannte. Chase würde mich nicht aus seinem eigenen Haus entühren und Zayn...bei ihm konnte ich es mir einfach nicht vorstellen. Ich zog meine Beine schützend vor die Brust und schaute zu dem Riesen hoch "W-was wollen sie von mir?" stotterte ich verängstigt. Der Mann war groß, hatte die Statur eines Berges und einen aggressiven Blick. Er hatte eine Glatze und unheimliche bernsteinfarbene Augen. Sein Gehilfe sah ihm ähnlich, nur dass er jünger war und deutlich mehr dunkelbraune Haare auf dem Kopf hatte als sein Boss. Beide blickten grimmig auf mich hinunter. "Wo ist er?" fragte mich der Jüngere mit einem schneidenden Ton in der Stimme. "Wer? Wen meinen sie? Ich hab keine Ahnung." plapperte ich drauf los. "Tu nicht so blöd!" fuhr der Glatzkopf mich an "Du weißt genau wen wir meinen." Er hob die Hand um mir eine Ohrfeige zuverpassen "Nein." Schützend hob ich die Hände vors Gesicht. Für einen kurzen Moment sah ich so etwas wie Mitleid in dem Blick des Jüngeren erhaschen zukönnen, doch es verschwand sofort wieder. "Malik, verflucht, Zayn Malik. Das letzte Mal war er bei dir." schnauzte er mich an. Deswegen war ich hier? Damit diese zwei Strohköpfe aus mir herausquetschten wo Zayn war? "Ich kann ihnen nicht weiter helfen." entgegnete ich. "Klar kannst du das." widersprach mir der Jüngere wieder "Wir haben euch die letzten Tage beobachtet. Wir wissen, dass du seine Neue bist."; "Ich bin nicht seine Neue." protestierte ich "Und ich habe keine Ahnung, wo er stecken könnte. Wirklich nicht." Der Glatzkopf durchbohrte mich mit seinem seinem eisernen Blick "Vielleicht hilft das deinem Gedächtniss etwas auf die Sprünge." sagte der Mann und hielt mir sein Taschenmesser unter die Nase. Instinktiv wich ich zurück und prallte mit meinem Kopf gegen die Wand hinter mir. "Ich weiß es wirklich nicht." wiederholte ich wimmernd, während er meinen Unterarm packte und mit der Messerspitze daran entlangfuhr. "Sag- Die- Wahrheit!" brüllte er mich an und ich schrie auf als er mit dem Messer in meinen Unterarm stach. Ich versuchte mich zu entwinden, aber sein Griff war wie aus Stahl. "Bitte. Ich hab absolut keinen Schimmer." schluchzte ich verzweifelt. Es war schrecklich, ich sagte ihm doch die Wahrheit. Ich wusste wirklich nicht wo er war. "Ich habe ihn das letzte Mal bei mir zuhause gesehen, dann haben wir uns gestritten und dann ist er weg- " Ich unterbrach für einen kurzen Moment um Luft zuholen "-gelaufen. I-ich weiß nicht wo er hin ist." Der Jüngere musterte mich nachdenklich "Sie weiß es wirklich nicht, Dad." sagte er und ich nickte zur Bekräftigung "Wirklich."

Der Mann musterte mch ebenfalls "Dann musst du ihn für uns finden." Was meinte er denn jetzt damit? Wenn sie ihn nicht gefunden hatten, wie sollte ich ihn dann finden? Die wussten mehr über sein kriminelles Leben als ich es je tun würde. "Aber wie-" Er schnitt mir das Wort ab "Du wirst ihn finden oder..." er beendete den Satz nicht sondern hielt mir das Messer an den Hals. "Mach sie bereit, Junge." Der Junge beziehungsweise der Sohn des Mannes, packte meine Hand und zog mich mit sich mit. Er schloss die einzige Tür auf und führte mich zielstrebig durch einen stockdunklen Gang. Am Ende des Ganges lag ein kleines Zimmer, in das er mich führte. In dem Zimmer befand sich ein schmaler ehemals grüner Spind (die Farbe war abgesplittert) und eine Liege, wie aus einem Krankenhaus. Darunter befand sich eine kleine Komode aus Metall. "Was ist das hier?" wollte ich wissen. Der Mann antwortete nicht. Er war vielleicht 20, also noch sehr jung, aber sein Gesicht war voller Hass und grausam verunstaltet von einer dicken Narbe auf seiner linken Gesichtshälfte. "Wie heißt du?" fragte er stattdessen. Einen Moment überlegte ich ihn anzulügen, doch ich entschied mich für die Wahrheit. Irgendwie tat er mir Leid. Er erinnerte mich nämlich an Zayn. "Mary. Du?" Er zögerte kurz "Connor." Ich nickte. Er wies auf die Liege, nun war ich es an der Reihe die zögerte "Was hast du vor?" Meine Stimme zitterte. Connor hielt eine Spritze in der Hand schnippte fachmännisch dagegen. "Das ist ein Chip damit du uns nicht wegläufst." erklärte er beruhigend doch das bewirkte genau das Gegenteil. Ich wollte gerade widersprechen da bohrte er auch schon die Nadel in meinen Nacken. Ein leises Wimmern drang aus meinem Mund und Tränen schossen mir in die Augen, doch genau in dem Moment zog er die Spritze wieder raus. "Zieh dich an" befahl er und deutete dabei auf einen Kleiderstapel der sich am Kopfende der Liege befand. Ich nahm ihn in die Hand und blickte ihn auffordernd an, damit er sich wegdrehte. Als er es tat. zog ich mir schnell die graue Jeggins und das schwarze Langarmshirt über. Dann sagte ich ihm Bescheid und er führte mich aus dem Zimmer.

Meinen Pyjama unter die Achsel geklemmt, stand ich nun draußen vor einem gelbgestrichenen, verwitterten Haus, mitten irgendwo in Groß Britannien und wusste nicht ,wohin mit mir. "Du befindest dich in Manchester, in der Nähe des Hauptbahnhofes. Steig in die nächste U- Bahn und bring Malik zu uns." kam es von Connor's Vater. Ich spannte mich wieder an, als ich seine Stimme hinter mir erkannte. "Was ist, wenn ich ihn nicht finde?"; "Du hast keine andere Wahl." Ein Schauder lief mir über den Rücken. Ich musste Zayn finden, sonst...Aber selbst, wenn ich ihn fand, würde ich es denn überhaupt noch übers Herz bringen, ihn diesen Typen auszuliefern? Nie im Leben. Doch das mussten die beiden schließlich nicht wissen.

Bradford-Badboy *-*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt