Kapitel 16

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Minuten, Stunden, Tage vergingen, aber es passierte nichts.

Sie hatten ihn, nachdem er hier eingeliefert wurde, sofort operiert. Seine Organe wurden stark beschädigt. Einige waren sogar zerquetscht, da das Auto wirklich zu Schrott gefahren wurde. Seit der Not-Operation liegt er im Aufwach-Koma, sein Zustand hat sich seitdem nicht verändert. Es macht mir Angst, ihn so leblos zu sehen.

Seine Beifahrerin war Élaine gewesen. Die Verwüstung meiner Wohnung und die Droh-Briefe waren für sie wohl nicht genug gewesen.

Sie ist im gleichen Krankenhaus wie Ian, nur ihr Befinden war wohl schlimmer. Der Arzt konnte uns nicht versichern, dass sie jemals wieder aufwachen wird.

Ian hatte noch mal Glück im Unglück gehabt. Ich komme jeden Tag ins Krankenhaus, besuche ihn, spreche mit ihm, obwohl er mich nicht hören kann. Es tut gut, ihm alles das zu sagen, was ich denke.

Natürlich hat mein Vater sich gewundert, warum ich ständig bei Ian bin, aber die Ausrede, dass er auch für mich da war, als ich im Krankenhaus lag, beschwichtigte ihn.

Das Buch war schon vor zwei Tagen eingetroffen. Ich las ihm immer etwas vor. Ich hatte ihm sogar von meinem Traum erzählt. Jedoch ging mir seit dem Vorfall Ziya aus dem Weg, er hat schon komisch genug reagiert, als er von meinem Traum gehört hatte.

Ich war gerade dabei, meine Handtasche zu packen, da ich gleich zu Ian wollte. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es halb drei war. Um Punkt drei wollte ich bei Ian sein. Ich nahm meine Hausschlüssel und verschwand aus der Wohnung. Am Aufzug drückte ich auf den Kopf, damit dieser kam.

Ungeduldig tippte ich mit einem Fuß auf den Boden. Wann kommt denn endlich der Aufzug?

Als dieser kam, wollte ich hastig in den Fahrstuhl, als ich gegen jemanden prallte. Peinlich berührt hob ich den Kopf und sah in das grinsende Gesicht meines Nachbars. Es war Ethan. Ein wirklich netter Mensch, der aber auch einen Charme hatte, dem man nicht widerstehen konnte.

Mich ausgeschlossen natürlich.

„Entschuldige, Ethan." - „Das macht nichts. Ich mag es, von schönen Frauen überrannt zu werden." Er zwinkerte mir zu. So ein Charmeur. Wissend lachte ich über das Gesagte, es hätte mich auch gewundert, wenn er keinen Spruch rausgehauen hätte.

Ethan war ein Junge, dem die Frauenwelt zur Füßen lag. Das war ja auch klar bei seinem Aussehen!

Er ging an mir vorbei in sein Appartement und ich rannte fast in den Aufzug, da ich es nicht erwarten konnte, bei Ian zu sein. Unten angekommen wartete schon ein Taxi.

„Fahren Sie mich bitte ins Downtown Hospital." Der Taxifahrer gab Gas und fuhr los. Vor dem Krankenhaus hielt er an, ich gab ihm das Geld und spurtete ins Krankenhaus. Vor seiner Tür machte ich Halt, holte einmal tief Luft und drückte dann anschließend die Klinke herunter. Was ich dort sah, ließ mich wundern.

Ians Vater hielt die Hand seines Sohnes. Einzelne Tränen verließen seine Augen. Dieser Anblick schmerzte mir so sehr in der Brust.

Ich wollte ihn nicht stören, deshalb beschloss ich, zu einem späteren Zeitpunkt zu kommen. Jetzt war es nicht passend. Ich schloss langsam die Tür, dabei bedacht keinen Mucks von mir zu geben, als ich jedoch eine alte, raue Stimme „Amira" rufen hörte. Ich öffnete die Tür und sah in seine rot angeschwollenen Augen.

„Ja, Mr. Velasco?" „Kommen Sie doch herein und duzen Sie mich bitte" Ich schloss die Tür hinter mir und ging auf ihn zu. Er hielt mir seine Hand entgegen, die ich freundlich lächelnd annahm.

„Ramon", stellte er sich vor.

„Amira", stellte ich mich vor.

Er begann zu lachen. „Das weiß ich schon, mein Kind." peinlich berührt senkte ich den Kopf. Ich ging um Ians Bett herum und stellte meine Tasche auf die Fensterbank. Leise zog ich den Stuhl an sein Bett und nahm Platz. Still saß ich auf dem Stuhl, überlegte krampfhaft, was ich sagen sollte, aber meine Gedanken waren wie weggefegt.

Amira Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt