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Kurzgeschichte: Die Melodie der Drachen

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Es war einmal ein Mann in einem Tal, den keiner leiden konnte, weil alle ihn für einen Stümper, eine Torfkopf hielten. Dieser Mann hieß Aldaır. Er wohnte hoch oben in den Bergen, in einer zugigen Höhle und hatte dort bereits sein halbes Leben verlebt. Eines Tages musste er wieder hinunter in das Dorf gehen um seine Nahrungsvorräte aufzustocken. Ihm behagte es nicht in dunkelster Nacht den beschwerlichen Weg nach unten auf sich zu nehmen und so stand er eines Morgens noch vor der Morgendämmerung auf und machte sich an den Abstieg. Gerade als der oberste Rand der Sonne den Horizont zu berühren begann und den Himmel in ein diffuses Dunkelgrau-blau und die Wolken in ein prächtiges, dunkles Violett kleidete, durchquerte er eine kleine Senke. Ein seichter Bach schlängelte sich durch die Steine am Rande des ausgetretenen Wildpfades, es war eher ein kleines Rinnsal als ein Bach, aber dennoch so klar und rein, dass sich das Himmelszelt mit den schwach leuchtenden Sternen darin spiegelte. Während er lief bewunderte er die Schönheit des grauenden Morgens im Wasser des Baches. Die Tageszeit, wenn Mond und Sterne zwar zu sehen sind, aber auch die Sonne die Welt schon erhellt. Im spiegelnden Wasser nahm er zwei elegante Gestalten, deren lange, glatte Leiber sich in einem komplizierten Tanz umeinander wanden wahr. Er wagte es nicht auf zu schauen, aus Furcht, die majestätischen Geschöpfe wären nichts weiter als Hirngespinste seines müden Hirns. So starrte er in das Rinnsal zu seinen Füßen und bewunderte die zwei Wesen deren Umrisse im aufgehenden Morgenlicht immer wieder miteinander verschwammen. Es waren zwei schlangenähnliche Drachen, die durch die Lüfte glitten wie eine Seeschlange durch Wasser. Der eine war schwarz wie die Nacht. Es schien so als verschluckten seine Schuppen alles Licht was auf sie traf und behielten diese Schönheit für sich um sie mit niemandem zu teilen. Seine Barthaare zogen lange Bahnen hinter ihm und durchteilten die Luft. Über ihm schlängelte sich ein weißer, größerer Drache dessen grüne Augen gütig in die aggressiven Roten des schwarzen Drachens blickten. Seine Schuppen reflektierten das aufgehende Licht wie Perlmutt und erhellten die Welt. Dann, auf dem Höhepunkt ihres Tanzes zu ungehörten Melodien, begannen sie zu singen. Aldaır versteinerte. Er sah und hörte diesem Naturschauspiel bewegungslos zu. Tränen bahnten sich ihren Weg von seinen Wangen und tropften in das Rinnsal, wühlten es so auf, dass Aldaır nichts hätte erkennen können, würden nicht ohnehin schon die Tränen sein Sichtfeld verschwimmen lassen. Die Gier hatte von ihm Besitz ergriffen. Er wollte diese außerirdisch schönen Wesen in ihrer ganzen Pracht bestaunen. Er blickte auf.

Die Drachen sangen weiter. Es war eher ein Summen und Klopfen, als ein Singen, denn ihre Mäuler bewegten sich nicht. Es schien, als bringen sie die Luft um sich herum zum Klingen. Als entlockten sie der Erde selbst einen Klang. Das Klopfen in ihrem Klingen hörte sich an wie ein Herzklopfen, soweit solche Fabelwesen ein Herz, so wie wir es verstehen, besitzen. Sie machten Musik mit ihren Herzen. Als Aldaır weiter zuhörte, konnte er zwei unterschiedliche Arten der Klänge heraushören. Der eine klang drängend, verlangend, aggressiv, während der andere ihn mit sanften und kaum wahrnehmbaren Tönen zu beruhigen suchte. Es klang wie die Liebe selbst. Wie Hass und Leid zugleich. Diese Töne spiegelten so viel mehr wieder als alles andere, was Aldaır je vernommen hatte. Er fühlte sich berauscht, mächtig und zugleich fragil und vergänglich wie das Leben. Die Drachen entfernten sich, immer noch versunken in ihrem komplizierten Tanz.

Erst als die Sonne schon hoch am Himmel stand, konnte Aldaır sich wieder rühren. Doch alles was er sah und hörte reichte nicht an die Vollkommenheit der Drachen heran. Alles kam ihm dreckig vor. Als hätte ihn jemand die wirklichen Farben der Welt sehen lassen und nun alles wieder so gemacht, wie es zuvor war. Alles hörte sich unrein an, als hätte ihm jemand die Watte aus den Ohren gezogen und nun umso fester wieder hinein gepresst. Das Leben kam ihm glanzlos vor. Er fühlte sich, als hätte er nur auf diesen einen Moment hingelebt und nun, da er seine Aufgabe bewältigt hatte, war das Leben nicht mehr lebenswert. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als die Drachen wieder zu sehen. Wieder zu hören. Wieder zu spüren.

Er verlegte sein Lager von der geschützten Höhle in die offene Senke, in der er die Drachen gesehen hatte. Er lieferte sich der Natur aus, nur um die Drachen ein weiteres Mal zusehen. Doch es war ihm nicht vergönnt. Denn was er nicht wusste: Jedes Geschöpf auf der Erde durfte die Drachen nur ein einziges Mal in seinem Leben erblicken. Der ahnungslose Aldaır wartete. Er erinnerte sich immer an diese Momente voller Leben zurück. Er war so von den Klängen der Natur vereinnahmt, dass er einen vergleichbaren Ton zu finden suchte. Er streifte durch den Wald, pochte gegen Bäume und wandte sich immer wieder ab um weiter zu suchen. Als er an einem von Ameisen und Termiten hohlgefressenem Baumstamm vorbei kam, klopfte er auch gegen dieses alte, morsche Holz und fühlte wie der Baumstamm begann zu vibrieren. Er erzeugte einen schönen, reinen Ton, der mit dem Vibrieren immer leiser wurde und schließlich ganz verstummte. Trotzdem warf der Wald diesen einzelnen Ton immer wieder zu Aldaır zurück. Dieser Baumstamm wurde der Klangkörper.

Weil er nicht ins Tal gehen wollte, musste er sein Essen selbst jagen und ausweiden, doch er hatte nie eine Verwendung für den Magen, die Zähne, die Hufe und die Knochen seiner Beute. Die gespannten, dünnen Magenwände erinnerten ihn an die langen Bärte der Drachen, die hinter ihnen durch die Luft gepeitscht waren. Er versuchte die Häute ebenso durch die Luft schnellen zu lassen, doch die straff gespannten Mägen fielen in sich zusammen, sobald er ihnen die Spannung nahm. Also versuchte er anderweitig ihnen einen Ton zu entlocken. Er klopfte mit kleinen Holzstücken auf die Seile und brachte sie so zum schwingen. Er spannte sie in den alten, hohlen Baumstamm und klopfte die Saiten, wie er sie nannte, da sie die Seitenwände der Mägen waren, mit zwei kleinen Holzstäben an, die er in die Hand nahm. Er kam allerdings nicht an alle Saiten ran und konnte so nur einen einzigen Ton anspielen. Als er eine zweite Saite zwischen seinen Fingern spannte, entdeckte er, dass dieser Ton viel höher klang als der aus dem Baumstamm. Er schnitt den Baumstamm oben flach auf und spannte unterschiedlich lange Saiten hinein. Dann kam ihm eine Idee, wie er auch die Zähne und Hufe und Zähne seiner Beute verwenden konnte. Der Baumstamm war nicht nur innen hohl, sondern hatte in der Rind auch viele kleine Löcher die Holzwürmer ganz zu Anfang tief in den frisch gefallenen Baum gefressen hatten. Jetzt nahm er die übrig gebliebenen Mägen und versuchte sie durch die Löcher zu fädeln. Sie waren zu dick, deshalb schnitt er sie in dünne Streifen und steckte sie in die Löcher und band sie an die kleinen Hämmerchen, die die Saiten anschlugen. Die andere Seite, außerhalb des Baumstammes, knotete er an die Hufe, Zähne und Knochen, die er nun nur noch runterzudrücken brauchte und die Hämmerchen im Inneren schlugen die Saiten an, welche anfingen zu vibrieren und einen klaren, reinen Ton produzierten. Es ähnelte dem Gesang der Drachen. Aldaır fing an zu spielen und er verlor sich in den Tönen und Melodien, die sein Dracheninstrument hervorbrachte.

Er schreckte aus dieser Trance auf, denn er vernahm wieder den Gesang eines Drachen! Doch dieser war weit entfernt. Es schien, als hätte er Aldaır geantwortet. Aldaır war zwar traurig, dass er den Drachen nicht noch einmal sehen konnte, aber er gab sich nicht seiner Gier hin, sondern fing wieder an zu spielen.

Und so lebte der Einsiedler Aldaır sein restliches Leben, immer mit den singenden Drachen spielend.

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Der erste Teil ist unendlich schön und der zweite Teil für'n Arsch. Aber meine Freundin hat sich zum Geburtstag eben eine Geschichte mit Klavier, Drachen und Musik gewünscht! Da konnte ich halt nicht mehr draus machen. Wie gefällt euch die Vorstellung der Drachen? Seht ihr Drachen in eurer Fantasie anders?

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