Die Lungen falten sich zusammen wie Origamiblätter unter der Händen eines Meisters. Erst der eine Flügel - die Luftzufuhr versagt, willentlich. Dann der andere. Das Brennen des Luftanhaltens, die Luft um die Nasenspitze, die man nur einsaugen bräuchte. Aber die Luft bleibt verwehrt. Willentlich. Um Kontrolle zu fühlen.
In einem Leben, in dem Kontrolle weit außerhalb meiner Reichweite liegt, auf einer Zugfahrt von meiner besten Freundin zurück zu meinem Freund halte ich die Luft an. Länger. Immer länger.
Ich habe das Luftanhalten gewonnen, das letzte Mal, als ich es gemacht habe. Das war letzten Freitag, wir haben ein Brettspiel über das Meer gespielt. Derjenige, der am längsten die Luft anhalten kann, durfte anfangen. Ich habe gewonnen. Ich habe meine Lungen und meine Bauchdecke gedehnt, indem ich tief eingeatmet und kontrolliert ausgeatmet habe. Und dann habe ich gar nicht mehr geatmet. Für mehrere Sekunden, so lange nicht, bis alle anderen aufgegeben haben.
Ich erinnere mich, ich muss zehn oder elf Jahre alt gewesen sein. Ich lag auf der roten Couch in unserem damaligen Wohnzimmer. Ich lag da und das einzige, das ich tat, war es, die Luft anzuhalten. Ich war gut darin. Mein Lungenvolumen war durch regelmäßiges Singen, durch langes Tauchen und durch Sport groß. Ich konnte Töne eine Minute lang halten, wenn ich ihn richtig stützte. Ich konnte die Luft für fast zwei Minuten anhalten, wenn ich dabei nur auf der Couch lag.
Ich glaube, ich habe die Luft für nicht länger als dreißig Sekunden anhalten können, als wir das Brettspiel gespielt haben.
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RandomBEEINDRUCKENDSTES RANKING: #13 aus #13 in ANDERES Meine Kurzgeschichten, Gedichte, Songfictions, Drabbles, Schnipsel und Dinger, die ich nicht alle einzeln hier hochladen will. Allerdings sollen sie auch nicht in meinem Schreibprogramm verstauben...
