Nachdem sie sich alle wieder im Eingangsbereich versammelt haben, legt man Sixtat Handschellen an und führt ihn ab.
Kura lehnt an eine Wand und beobachtet, wie Boss mit Seasen Tiin spricht. Immer mal wieder wandert Boss Blick während des Gesprächs zu ihr. Wie gern würde sie in diesem Moment Lippen lesen können. Doch sie bleibt außen vor – zum Warten verdammt.
Eine Disziplin, die sie mittlerweile eigentlich beherrschen sollte. Die letzten Wochen haben schließlich fast ausschließlich daraus bestanden. Doch jetzt ist sie unruhig, aufgekratzt. Am liebsten würde sie sich einmischen, würde hinübergehen, um selbst zu hören, was gesprochen wird. Aber sie zwingt sich, ruhig zu bleiben. Endlich beenden die beiden ihr Gespräch. Meister Tiin kommt auf sie zu.
„Man hat mir berichtet, dass du deine Sache gut gemacht hast. Aber wir werden dich und Sixtat auf Coruscant noch einmal ausführlich befragen müssen."
„Natürlich, Meister", erwidert sie knapp. Damit ist ihre Mission offiziell beendet.
Sie packen ihre Ausrüstung zusammen und verlassen das modrige Hotel, das sie nur zu gern hinter sich lassen. Kura geht als Letzte. Der Geruch, den aus dem Müllschacht noch immer hartnäckig an ihr haftet, bringt selbst die härtesten Krieger dazu, unauffällig Abstand zu halten.
Das Kanonenboot steht noch immer an der Stelle, an der sie es zurückgelassen haben. Zwei Klone nehmen den bewusstlosen Sixtat in die Mitte, die Blaster im Anschlag. Kura tritt ein, greift nach einer Haltestange und wartet auf den Start.
„Ich möchte, dass du, sobald wir zurück sind, unverzüglich mit deinem Flugtraining beginnst", sagt ihr Meister plötzlich.
„Natürlich, Meister. Aber warum?" Kura sieht ihn überrascht an. Tiin jedoch starrt nur geradeaus durch das Sichtfenster, seine Stimme fest. „Meine Schlachten finden hauptsächlich im Weltraum statt. Als meine Schülerin erwarte ich, dass du eine ausgezeichnete Pilotin wirst." Kura zuckt nur mit den Schultern. Das versteht sie. Und sie ist sogar ein wenig erleichtert – alles ist besser, als noch weitere Wochen in ihrer stickigen Kammer zu verbringen und zu meditieren.
Tiin wendet sich von ihr ab und nimmt über seinen Komlink Kontakt zu Meisterin Tii auf, um sie über den erfolgreichen Verlauf der Mission zu informieren.
Der Flug verläuft, wie so oft, in Schweigen. Kura stört das nicht – ganz im Gegenteil. Es erlaubt ihr, in Gedanken bei sich zu bleiben. Mit so vielen Menschen auf einer Mission zusammenzuarbeiten, ist ungewohnt. Befremdlich. Aber es hat auch seine guten Seiten, die sie mehr und mehr zu schätzen weiß. Für eine erste Mission ist es gut gelaufen, denkt sie, während sie das vertraute Stadtbild von Coruscant unter sich auftauchen sieht.
Kaum haben sie auf der Plattform des Sicherheitskomplexes aufgesetzt, erwartet sie bereits ein Trupp Klone in roten Rüstungen. Hinter ihnen erhebt sich ein gewaltiger, dunkelgrauer Gebäudekomplex. Kalt. Abweisend. Der Anblick allein genügt, um ein Gefühl der Beklemmung in ihr aufsteigen zu lassen. Der mittlerweile wieder erwachte Sixtat wird ohne viel Aufhebens von den Wachen übernommen und in Gewahrsam genommen.
„Kura, du wirst mit Boss und Scorch mitgehen und dort warten. Ich komme später nach", weißt ihr Meister sie an.
Kura nickt knapp und folgt den Wachen, die sie zu einem Gefangenentransport führen. Sie nimmt auf einer der gegenüberliegenden Bänke Platz – direkt gegenüber von Sixtat. Er starrt sie an, den Kopf leicht gesenkt, aber mit einem Blick, der sich in sie bohren will. Höchstwahrscheinlich hat er sie erkannt. Kura erwidert seinen Blick nicht. Sie schweigt. Der Mann interessiert sie nicht – zumindest redet sie sich das ein.
Doch Sixtat hat andere Pläne.
„Du bist es", sagt er schließlich mit dunkler Stimme. Kura wendet sich ihm nun doch zu und schenkt ihm ein mildes, beinahe spöttisches Lächeln. „Ich weiß nicht, wovon du sprichst." Zwei Sekunden vergehen. Dann explodiert er – nicht im wörtlichen, aber im übertragenen Sinne. Mit einem wilden Aufschrei schnellt er nach vorn, wirft sich gegen seine Fesseln und versucht, sich auf sie zu stürzen. Doch eine der Wachen reagiert blitzschnell, packt ihn an der Schulter und drückt ihn mit Gewalt zurück auf seinen Platz. „Du Schlampe!", brüllt er, während er sich weiter gegen seine Fesseln wirft. Eine zweite Wache tritt hinzu. Gemeinsam fixieren sie den tobenden Kopfgeldjäger endgültig, während Kura ihn nur schweigend anblickt. Dann wendet sie sich ab. Er hat seine Bedeutung für sie verloren.
Viel interessanter ist der Ort, an dem sie sich nun befinden. Inmitten von Sixtats Ausbruch hat der Transport das Gefängnistor durchquert. Nun fahren sie in den Innenhof ein – ein trostloser Ort, geprägt von Beton, Metall und Misstrauen. Scheinwerfer tasten mit mechanischer Präzision über den Platz. Hunderte Klone patrouillieren in strengen Viererformationen durch den Hof. Kein Wort. Keine Pause. Nur Pflichterfüllung. Der Transport kommt zum Stillstand. Die Türen öffnen sich, und die Gefangenen werden hinausgeführt. Sixtat wird ohne ein weiters Wort in die Tiefen des Komplexes abgeführt.
Ein Clone, in roter Rüstung, kommt auf sie zu, stellte sich knapp als Commander Fox vor und weißt einen seiner Soldaten an, Kura in einen der Verhörräume zu bringen. Sie nickt Boss zum Abschied zu, hob leicht die Hand – ein stilles Zeichen des Respekts – und folgt dem Soldaten in das Herz des Gefängnisses.
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Storm of Shadow
FanfictionKura kennt nur eines: Überleben. Aufgewachsen in den Schatten der dunklen Seite, ist Kampf für sie eine Frage von Leben und Tod - bis ein neuer Meister sie aufnimmt und ihr einen anderen Weg zeigt: den Weg der Jedi. Doch in der strahlenden Ordnung s...
